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Wirtschaftskriminalität Immer mehr Unternehmen werden Opfer von Betrügern

Datenklau, Untreue und Diebstahl in der Wirtschaft nehmen zu, zeigt eine Studie. Für die stark gestiegene Zahl gibt es mehrere Gründe. Doch es gibt auch positive Aspekte.
05.07.2018 - 14:49 Uhr Kommentieren

Datenklau und Korruption – So gefährdet ist die deutsche Wirtschaft

Düsseldorf Es war purer Zufall, als Ermittler im Herbst 2017 auf einen der größten Betrugsfälle bei der Deutschen Post der vergangenen Jahre stießen: Private Postfirmen sollen den Bonner Logistikkonzern mit der Abrechnung fiktiver Briefe um 50 bis 100 Millionen Euro geschädigt haben.

Die Beamten hatten ursprünglich in einer Steuersache ermittelt und stießen dabei auf das Netz der Betrüger. Die Post kontrollierte die Firmen nur in Stichproben – und meistens nur intensiv unter der Woche. Die Betrüger nutzten die laschen Kontrollen am Samstag, um Millionen Briefe zu registrieren, die gar nicht vorlagen. 14 Verdächtige werden beschuldigt, darunter auch Mitarbeiter der Deutschen Post.

Derartige Vorfälle haben in der deutschen Wirtschaft Konjunktur. Jedes dritte deutsche Unternehmen war in den vergangenen zwei Jahren von Wirtschaftskriminalität betroffen, geht aus einer am Donnerstag vorgestellten Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hervor.

58 Prozent der betroffenen Unternehmen nannten Betrug oder Untreue als Delikte, heißt es in der repräsentativen Untersuchung, die KPMG alle zwei Jahre erstellt. Daneben zählen vor allem Diebstahl und Unterschlagung sowie Datenmissbrauch zu den häufigsten Fällen.

Die stark gestiegene Zahl an Betrug und Untreue liegt zu einen an neuen technischen Möglichkeiten, etwa durch Angriffe auf von außen. Dazu kommt: Laut KPMG verfolgen Unternehmen Delikte wesentlich stärker als früher und wollen sie restlos aufklären. Es kommen dadurch wesentlich mehr Fälle ans Tageslicht.

Abschreckung und Aufklärung dämmen Korruption ein

Dazu habe auch beigetragen, dass Organe wie Aufsichtsrat, Vorstand und Geschäftsführung stärker in die Haftung genommen werden. „Viele Topmanager sind sich bewusst, dass sie sich angreifbar machen, wenn sie Wirtschaftskriminalität nicht konsequent bekämpfen“, sagt Alexander Geschonneck, Leiter Compliance & Forensic bei KPMG.

Deutlich gesunken ist der Studie zufolge hingegen die Korruption in deutschen Unternehmen. Nur elf Prozent der großen Unternehmen war zwischen 2016 und 2018 davon betroffen – zwei Jahre zuvor waren es noch 45 Prozent.

Dazu dürften die stärkere Abschreckung und Aufklärung beigetragen haben. Das Risiko von Korruption halten die meisten Firmen weiterhin für hoch. Aber sie haben ihre Compliance-Systeme deutlich ausgebaut – in Sachen Korruption wurden sie durch den öffentlichen Druck und durch regulatorische Vorgaben auch dazu gezwungen.

Wie beim Briefbetrug bei der Deutschen Post kommen viele Delikte zwar nur durch Zufall ans Tageslicht. Doch mittlerweile werden mehr als die Hälfte der Fälle durch interne Hinweise von Mitarbeitern entdeckt. Für KPMG ist dies ein klares Signal, dass die Firmen mehr Geld in die Vermeidung und Aufklärung von Wirtschaftskriminalität im Haus stecken und davon profitieren.

Das zeigt sich etwa beim „Whistleblowing“, also beim Sammeln von anonymen und offenen Hinweisen durch Mitarbeiter. Zwei Drittel der Firmen hat Postfächer, E-Mail-Adressen und interne Ombudsleute als Kanal für Hinweisgeber installiert. „Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig die Sensibilisierung und Schulung der Mitarbeiter ist“, sagt KPMG-Partnerin Barbara Scheben.

Dazu kommt: Unternehmen überprüfen zur Prävention stärker die Integrität ihrer Geschäftspartner. Wenn sie von kriminellen Handlungen betroffen sind, verlangen sie von ihren Kunden vollständige Aufklärung, den Aufbau eines wirksamen Compliance-Systems und die Entlassung der ermittelten Täter. Sonst steht die weitere Geschäftsbeziehung auf dem Spiel.

Cyberkriminelle nutzen Sicherheitslücken

Insgesamt spüren die Firmen deutlich mehr Angriffe von außen. Da betrifft vor allem die Datendelikte, also Cybercrime. Jedes dritte Unternehmen hat es in den vergangenen zwei Jahren bereits erwischt. Der Trend zeigt sich auch in den Statistiken der Ermittler: Das Bundeskriminalamt zählt in seinem Lagebericht 2016 rund 82.000 Fälle von Cybercrime.

Dabei geht es um so genannte Phishingmails, mit deren Hilfe Daten heimlich abgegriffen werden, bis hin zu Ransomware – also Software, mit der ganze IT-Systeme von Firmen verschlüsselt werden. Durch Zahlung eines „Lösegeldes“ werden sie wieder entschlüsselt.

Kriminelle versuchen diese Art der Erpressung mittlerweile durch eine Flut von Mails an Mitarbeiter von Firmen oder durch gezielte Attacken auf die IT-Systeme. Sie nutzen dabei noch unentdeckte Sicherheitslücken, vor allem im weit verbreiteten Windows-Betriebssystem.

In Europa sorgte im vergangenen Jahr der Angriff mit einem Programm namens „WannaCry“ für großes Aufsehen. Antiviren-Spezialisten zählten im Mai 2016 bis zu 750.000 betroffene IT-Systeme. In Deutschland war im Mai 2017 davon die Deutsche Bahn betroffen. Zeitweise fielen Anzeigetafeln und Ticketschalter aus. Größeren Schaden hatte die Attacke nicht angerichtet, denn sicherheitsrelevante Systeme waren nach Angaben der Bahn nicht betroffen.

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