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WM-Affäre Gericht lässt Anklage gegen Ex-DFB-Präsidenten Niersbach und Zwanziger zu

Die WM-Affäre kommt in Deutschland vor Gericht: Gegen die früheren DFB-Präsidenten besteht der Verdacht der Steuerhinterziehung. Zwanziger beteuert, sich nichts vorzuwerfen zu haben.
Update: 26.08.2019 - 12:51 Uhr Kommentieren
„Ich werde nicht in Deutschland verurteilt und nicht in der Schweiz“, hatte Zwanziger zuletzt prophezeit. Quelle: dpa
Theo Zwanziger (r.) und Wolfgang Niersbach im Jahr 2012

„Ich werde nicht in Deutschland verurteilt und nicht in der Schweiz“, hatte Zwanziger zuletzt prophezeit.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Es ist ein überraschender Sinneswandel der deutschen Justiz: Die früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie der Ex-DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und der Schweizer Urs Linsi sollen sich nun doch im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 vor Gericht verantworten. Das Oberlandesgericht Frankfurt ließ jetzt die Anklage wegen Steuerhinterziehung beziehungsweise Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu und kassierte eine Entscheidung des Landgerichts Frankfurt aus dem Oktober 2018.

Das Landgericht hatte, anders als nun das Oberlandesgericht, keinen „hinreichenden Tatverdacht“ gesehen und die Eröffnung des Verfahrens im Oktober 2018 abgelehnt – was einer schallenden Ohrfeige für die Staatsanwaltschaft gleichkam.

Die Staatsanwaltschaft legte Beschwerde ein und hatte damit nun Erfolg. Die Ermittler kamen zu dem Ergebnis, dass die drei Ex-DFB-Funktionäre eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro in der Steuererklärung des DFB für das Jahr 2006 zu Unrecht als Betriebsausgabe deklariert und damit gewinnmindernd geltend gemacht hätten. Der Verband hatte 6,7 Millionen Euro 2005 als Kostenbeitrag zu einer WM-Gala verbucht, die aber nie stattgefunden hat.

Das Landgericht allerdings wertete die Zahlung von 6,7 Millionen Euro sehr wohl als Betriebsausgabe. Zwar sei der Bestimmungsgrund der Zahlung falsch. Allerdings genüge es, dass die Zahlung objektiv mit dem Geschäftsbetrieb des WM-Organisationskomitees zusammenhänge. Das Landgericht ging dabei – in Übereinstimmung mit der Anklage und dem Akteninhalt – davon aus, dass die Zahlung der 6,7 Millionen Euro des DFB letztlich Franz Beckenbauer, dem damaligen Chef des WM-Organisationskomitees, zugutekam.

Das Oberlandesgericht schlug sich nun auf die Seite der Ermittler. Es liege „ein hinreichender Tatverdacht vor, „dass der im Rahmen des Betriebsausgabenabzugs geltend gemachte Bestimmungsgrund“ der Zahlung von 6,7 Millionen Euro des Organisationskomitees der WM 2006 an die Fifa falsch gewesen sei, da diese tatsächlich nicht die Beteiligung an den Kosten der Fifa-Gala zum Gegenstand gehabt habe. Nach Aktenlage könne auch nicht davon ausgegangen werden, dass Bestimmungsgrund der Zahlung die Entlohnung Beckenbauers für dessen Verdienste um die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2006 und die Organisation gewesen sein sollte.

„Ich nehme das zur Kenntnis. Dieser Beschluss kann überhaupt nichts an meiner vorherigen Position ändern“, sagte Theo Zwanziger in einer ersten Reaktion dem Handelsblatt. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen, dabei bleibt's. Ich begrüße sogar, wenn es jetzt zu einer öffentlichen Verhandlung kommt. Dann hat dieses Gemauschel im Hinterzimmer und das ständige Wiederholen von Verdachtsmomenten endlich ein Ende“, so Zwanziger.

Zwanzigers Anwalt Hans-Jörg Metz ergänzte: „Es erstaunt uns schon, dass im Beschluss des Oberlandesgerichts in weiten Teilen die Ausführungen der Staatsanwaltschaft/Generalstaatsanwaltschaft wörtlich abgedruckt werden, unsere dazu ausführlich übermittelte Stellungnahme indes völlig weggelassen wird und eine inhaltliche Auseinandersetzung damit noch nicht einmal im Ansatz erkennbar ist.“

Der Beschluss des Oberlandesgerichts ist nicht anfechtbar. Die Hauptverhandlung wird vor der zweiten großen Strafkammer des Landgerichts Frankfurt geführt werden.

Vor wenigen Wochen erst hatte die Schweizer Bundesanwaltschaft ebenfalls Anklage gegen Zwanziger, Niersbach, Schmidt und Linsi erhoben. Sie werfen Zwanziger, Schmidt und Linsi „Betrug in Mittäterschaft“, beziehungsweise dem ehemaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach „Gehilfenschaft zu Betrug“ vor.

Mehr: Theo Zwanziger will die gegen ihn erhobenen Vorwürfe in der Sommermärchen-Affäre nicht stehen lassen. Er holt zum Gegenschlag aus und stellt Strafanzeigen gegen Staatsanwälte.

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