Württemberg Dreaming Gorden Wagener: Der Jungstar unter den Auto-Design-Chefs

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Nach dem Abitur studierte er in Essen Produkt-Design und spezialisierte sich auf Autos, eine Aufgabe, die ihn vor allem deshalb reizte, "weil du da halt die höchsten Skills brauchst." Es folgte ein Stipendium fürs Royal College of Design in London - neben dem Pasadena College die prestigeträchtigste Talentschmiede der Branche. Nach dem Abschluss schaute er kurz bei Opel, Mazda und bei Volkswagen herein, dann holte Pfeiffer, der Mentor, den jungen Zeichner zu Mercedes.

"Pfeiffer hat mich eindeutig als seinen Nachfolger herangezogen", stellt Wagener fest. Der folgende Ritt auf der Karriereleiter verlief knick- und faltenfrei für den jungen Designer, von den 30 noch deutlich entfernt: Kurz nach seinem Start bei Mercedes wird er Leiter der Offroader-Reihen, eines der profitableren Marktsegmente bei den Stuttgartern, 2002 ist er Kreativ-Chef für den größten Teil der PKW-Flotte, unter anderem die C- und E-Klassen. Und dann schickt ihn Pfeiffer - man munkelt auf Anraten des Konzernchefs Dieter Zetsche - nach Kalifornien, ins Mekka der Auto-Designer, wo die Marke ein Kreativ-Center unterhält. Und hier hätte der Aufstieg des Gorden Wagener ein sonniges Ende finden können.

2006, Wagener hat gerade das Advanced Design Studio in Irvine, Kalifornien - einen starken Autostau südlich von Los Angeles - übernommen, trifft der Perspektiven-Autor ihn zum ersten Mal. Zwei Palmen links und rechts des Eingangs zum Studios überragen das Gebäude deutlich. In der Glasfront spiegelt sich der meerblaue Himmel und eine weitere Batterie Palmen. In diesem Design-Thinktank kommt es mehr auf Kreativität denn auf Serientauglichkeit an. Und prompt verliebt sich der junge Deutsche in Kalifornien. Er schwärmt vom Licht über der Pazifikküste, führt ein Team von "crazy guys", das Strand-Buggies fürs Jahr 2020 entwirft, oder ein Dreirad mit einer eingebauten Weinbar für die Fahrt ins Napa-Valley. Er geht surfen und designt bald nicht nur Autos, sondern auch mal ein Surfboard. Seine junge Frau fühlt sich wohl in der Sonne und unter gastfreundlichen Kaliforniern. Dann kommt sein Sohn als Kalifornier zur Welt und es folgt die Beförderung zum Leiter Strategisches Advanced Design, kurz die Welt ist in Ordnung.

Die unmittelbare Nähe zur Traumfabrik Hollywood fand Wagener nicht nur beruflich attraktiv. "Die Umgebung bestimmt das, was du machst", sagte er damals, braun gebrannt und bester Laune, und Los Angeles sei geradezu über-kreativ. "Du kannst hier Car Design und Entertainment nicht trennen, und wenn du willst, heuerst du dir hier einen Mann von Disney, der ganz abgespacete Sachen macht." Im hemdsärmeligen California-Stil - allerdings immer mit Krawatte - freute sich Wagener über die verrücktesten Ideen. "Wir können uns unsere Spielzeuge selber designen", lächelte er und heute scheint es, als ob ihm das Lächeln damals einen Tick leichter von den Lippen kam, als im nüchternen Stuttgart. Er zeigte Studien und Modelle, die einen spezifisch Wagener'schen Spieltrieb demonstrierten. Sein ganzer Stolz war eine Art futuristischer Freizeitmobil in Blau, das dem Entwurf der in Detroit vorgestellten Studie "Blue Zero" schon verblüffend ähnlich sah. Nischenfahrzeuge wie diese, die der Designer-Fantasie freien Lauf lassen, seien die Autos der Zukunft, so schwärmte er damals in seinem Studio in Irvine.

Die Krawatte ist heute immer noch korrekt gebunden. Das Sakko lässt er allerdings lieber an. "Kalifornien fehlt mir schon tierisch", gibt er - nach untypisch langem Zögern - zu. "Die Zeit dort hat mich am meisten geprägt. Es ist einfach ein anderes Arbeiten." Dabei ist das Sindelfinger Büro durchaus keine dröge Designbehörde, sondern mit den transparenten Wänden, den hohen Wellblechdächern eher ein Hangar für hochfliegende Ideen. Auf Nachhaken flüstert der erfolgreiche Jungspund, dass sein vorheriger fast der schönere Job gewesen sei, der kreativere. Außerdem hätte er in Kalifornien unter Palmen Tennis gespielt, murmelt er so nebenbei, jetzt in einer muffigen Halle in Stuttgart zu spielen, das sei nicht so sein Ding.

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