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Yngve Slyngstad Chef des norwegischem Staatsfonds erzielt Rekordrendite – und tritt ab

Ruhmreicher Abschied für Yngve Slyngstad: Allein im vergangenen Jahr erwirtschaftete der CEO des „Statens Pensjonsfond Utland“ 180 Milliarden Dollar.
28.02.2020 - 16:20 Uhr Kommentieren
Der scheidende Chef des weltweit größten Staatsfonds bleibt angesichts der derzeitigen Turbulenzen an den Aktienmärkten entspannt. Quelle: Reuters
Yngve Slyngstad

Der scheidende Chef des weltweit größten Staatsfonds bleibt angesichts der derzeitigen Turbulenzen an den Aktienmärkten entspannt.

(Foto: Reuters)

Stockholm Die große Bühne ist eigentlich nicht seine Sache. Doch dieses Mal waren alle Augen auf ihn gerichtet. Schließlich war es Yngve Slyngstads letzter großer Auftritt. Der Chef des norwegischen Ölfonds, wird nach zwölf Jahren an der Spitze des größten Staatsfonds der Welt zurücktreten. Und seine letzte große Vorstellung geriet für den ansonsten eher schüchtern auftretenden Norweger zur Rekord-Schau. Und das sogar in turbulenten Zeiten.

Angesprochen auf die durch das Corona-Virus ausgelösten Turbulenzen an den Börsen gab sich Slyngstad entspannt. „Natürlich verfolgen wir die Schwankungen genau – und sie sind derzeit beträchtlich. Aber diese Art von Risiko ist schwierig zu analysieren und keine Situation, in der wir Aktien kaufen oder verkaufen.“

Ruhe bewahren ist also Slyngstads Credo. Er war noch nie ein Mann der großen Worte. Lieber im Hintergrund werkeln als im Rampenlicht stehen, scheint sein Motto zu sein. Für viele Menschen wäre es ein Ritterschlag, einmal in ihrem Leben auf einer Rangliste des US-Magazins Forbes zu stehen. Für den 57-jährigen Slyngstad gilt das allerdings gar nicht, obwohl er die Ehre schon mehrfach hatte: Er zählt seit Jahren zu den einflussreichsten Finanzexperten der Welt und findet seinen Namen immer wieder unter den Top 50 auf der Forbes-Liste.

Während wohl viele seiner Kollegen mit stolz geschwellter Brust herumlaufen würden, scheint es Slyngstad geradezu peinlich zu sein, zu den wirklichen Machthabern zu zählen. Der Norweger mit dem glattrasierten Kopf und dem kleinen Bärtchen ist auch in seinem Heimatland ein relativ unbeschriebenes Blatt - niemand, der gern über rote Teppiche huscht oder Homestories zulässt. Vielleicht auch deshalb zollt man ihm in Norwegen großen Respekt.

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    Der dreifache Vater und bisherige Herrscher über die norwegischen Petro-Milliarden hat sich an die atemberaubenden Vermögenszuwächse des Fonds gewöhnt. Ein paar Milliarden mehr oder weniger – gelassen schaut er mittlerweile auf die Homepage seines Fonds, auf der in realer Zeit die Gewinne oder Verluste angezeigt werden.
    Die Gelassenheit hat einen Grund: Immerhin arbeitete er seit 1993 bei der Zentralbank in Oslo. Slyngstad hat neben einem Jura- und einem Volkswirtschaftsstudium in Oslo auch noch einen Master in Ökonomie in Santa Barbara/Kalifornien sowie ein Politologie-Studium in Paris vorzuweisen. Seine berufliche Laufbahn begann er bei dem norwegischen Versicherungskonzern Storebrand, wo er schon nach kurzer Zeit für die Investitionen in Asien verantwortlich war. Das gibt Selbstbewusstsein, das sich manch anderer auf dem roten Teppich holen muss.

    In seiner Zeit als Fonds-Chef hat der Norweger den Ölfonds zu einem einflussreicheren Aktionär gemacht. Das hat nicht zuletzt der VW-Konzern vor einigen Jahren zu spüren bekommen. Der Ölfonds ist einer der größten Einzelaktionäre. Nach dem Dieselskandal forderten die Fondsmanager den Konzern auf, „eine bessere Führungsstruktur“ aufzubauen. Die bisherige sei „komplex und problematisch“.

    Von einigen Beteiligungen hat sich der Fonds sogar getrennt. Rüstungsunternehmen und Tabakkonzerne sind als Anlageobjekte ebenso tabu wie Unternehmen, die in Korruptionsfälle verwickelt sind. Zuletzt kündigte der Fonds an, seine Beteiligungen in der Kohleindustrie abzubauen. „Bei unserer Größe haben wir eine besondere Verantwortung für eine gute Unternehmensführung“, begründete Fonds-Chef Slyngstad die aktivere Rolle seines Fonds.

    Das hat sich ausgezahlt: Denn für 2019 vermeldete Slyngstad das zweitbeste Ergebnis seit der Gründung des Fonds im Jahr 1996. Der Ölfonds mit einem Verwaltungskapital von 1,1 Billionen Dollar erzielte 2019 eine Rendite von 19,9 Prozent. Damit wuchs das Fondsvermögen in einem Jahr mit Null- und Negativzinsen um 180 Milliarden Dollar. Ein Rekord.

    Finanzierung des Wohlfahrtsstaates

    In den von ihm verwalteten Fonds, dessen richtiger Name „Statens Pensjonsfond Utland“ ist, fließen die Einnahmen aus dem staatlich kontrollierten Öl- und Gasgeschäft des skandinavischen Landes. Der Fonds wurde eingerichtet, um den Wohlfahrtsstaat auch noch nach dem Versiegen der Öl- und Gasquellen finanzieren zu können. Der Ölfonds dient aber nicht nur der sozialen Vorsorge, sondern soll auch den Staatshaushalt in der Balance halten.

    Dem Fonds gehören 1,4 Prozent sämtlicher weltweit ausgegebener Aktien und 2,7 Prozent der europäischen. Der Fonds, so hat das Finanzministerium in Oslo entschieden, darf seinen Anteil an einem einzigen Unternehmen nie über zehn Prozent steigern. Insgesamt ist der Fonds an 9000 Unternehmen beteiligt.

    Der 57-jährige Slyngstad, der noch im Amt bleibt, bis ein Nachfolger gefunden ist, zeigte sich äußerst zufrieden mit dem Ergebnis. „Es war ein großartiges Jahr“, erklärte der Finanzexperte. Zu verdanken hat er das vor allem einer starken Aktienkonjunktur. Der Fonds hat 70,8 Prozent des Vermögens in Aktien angelegt. Eine gute Entscheidung, denn das Aktienportfolio stieg 2019 um 26 Prozent.

    Die Top Ten der größten Aktien-Investments liest sich wie das „Who is who“ der Wirtschaft: Für die größte Beteiligung steht der US-Konzern Apple, gefolgt von Microsoft, der Google-Muttergesellschaft Alphabet, Nestlé und Amazon. Generell versuchen die Fondsmanager in Oslo, den FTSE Global All Cap Index nachzubilden und wenn möglich, durch gezielte Investments sogar zu schlagen. In den vergangenen Jahren ist das Slyngstad und seinem Team immer wieder gelungen. 26,5 Prozent des Fondsvermögens wurden 2019 in Staatsanleihen investiert, 2,7 Prozent in Immobilien.

    Demnächst wird Slyngstad also abtreten. Nicht, um sich nach zwölf Jahren zur Ruhe zu setzen, sondern, um etwas anderes machen zu können. Er wird dem Staatsfonds als Berater aber erhalten bleiben und sich um Investitionen in erneuerbare Energien kümmern.

    Wer der Nachfolger von Slyngstad wird, ist noch nicht klar. Sicher scheint nur, dass es wieder ein Mann wird. Denn am 21. Februar lief die Bewerbungsfristbei ab und die danach veröffentlichte Liste mit acht Kandidaten enthält nur die Namen von Männern. Aussichtsreichster Kandidat ist nach Meinung von Insidern Slyngstads bisheriger Stellvertreter, der 49-jährige Trond Grande. Eine Entscheidung wird in den kommenden Monaten erwartet.

    Der Jongleur der Milliarden tritt nicht als armer Mann ab. In den vergangenen Jahren verdiente Slyngstad rund sieben Millionen Kronen (680.000 Euro) jährlich. Allerdings: Der Chef des größten norwegischen Ölkonzerns Equinor, Eldar Sætre, erhält knapp 17 Millionen Kronen im Jahr.

    Mehr: Norwegens Staatsfonds erzielt zweitbestes Ergebnis aller Zeiten

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