Alberto Alessi „Ich habe alle sechs Monate einen Flop“

Er führt eines der wichtigsten Designunternehmen der Welt: Alberto Alessi, Visionär, Träumer und Winzer. Ein Gespräch über die essenzielle Bedeutung von Fiaskos, einen angefangenen Design-Thriller und ein Metall-Parfüm.
Alberto Alessi, der einst sechs Espressi zum Frühstück trank, strahlt die Ruhe und Gelassenheit des Erfolgreichen aus. Quelle:
Alberto Alessi in seinem Weinberg

Alberto Alessi, der einst sechs Espressi zum Frühstück trank, strahlt die Ruhe und Gelassenheit des Erfolgreichen aus.

Alberto Alessi blickt mit stahlblauen Augen auf sein Smartphone, als er mit schwarzer Jacke, schwarzen Jeans und nagelneuen futuristisch anmutenden schwarz-grünen Turnschuhen die Lobby des Kölner Maritim betritt. Das Gespräch mit dem 70-Jährigen findet an einem Januarmorgen in einer Ecke des Hotel-Restaurants statt, das noch nicht geöffnet hat. Es zieht und Alessi kramt eine schwarze Fischermütze mit Rollrand aus der Jackentasche heraus und setzt sie sich auf. Während des ganzen Interviews nimmt er sie nicht mehr vom Kopf. Ein Gespräch über Familientraditionen, missratenes Design und die Frage, ob Schönheit die Welt retten kann.

Herr Alessi, stimmt es, dass Sie täglich sechs Espressi zum Frühstück brauchen?
Nicht mehr. Das war früher mal so. Aber woher wissen Sie das?

Nun, das schreiben andere über Sie!
Die meinen wohl die sechs Zitronen, die ich mir jeden Tag gegen Erkältungen auspresse.

Oh, sind Sie krank?
Nein nein, sehen Sie doch, mir geht es prima.

Da bin ich beruhigt, fangen wir an. Sie führen eines der wichtigsten Designunternehmen der Welt. Können Sie in drei Sätzen erklären, was Alessi auszeichnet?
Was uns am meisten auszeichnet, ist die Tatsache, dass wir Teil eines Phänomens sind, das als italienische Designfabriken beschrieben wird. Eine Gruppe von vielleicht sechzig Firmen aus der Gegend rund um Milano, die in der Nachkriegszeit gegründet wurden und die schon früh mit den besten Designern der Welt zusammenarbeiteten. Wenn Sie sich heute Klassiker des französischen oder britischen oder brasilianischen Designs anschauen, müssen Sie nur einen Blick in die Kataloge der italienischen Designschmieden werfen und Sie werden sehen, dass wir die absolut beste Qualität im Bereich von High-End-Design präsentieren.

Das Geschäft und die Sinnlichkeit von Design
Alberto Alessi in seinem Weinberg
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Als „Fabbrica dei sogni“, als Traumfabrik, wird Alessi in Italien auch bezeichnet, weil seine Produkte einen Beitrag zum Glücklichsein leisten sollen. Einen gehörigen Anteil an dem Ruf hat Alberto Alessi. Der 70-Jährige hat aus dem kleinen Unternehmen aus der Nähe von Mailand eine der wichtigsten Designfabriken der Welt geformt. Ob Espressokanne, Korkenzieher, Wasserkessel, Zitruspresse oder Brotkorb: Alessi ist zu einem Synonym für spielerisches und exzentrisches Design im Haushalt geworden. Eine Auswahl der populärsten Designs.

Eierbecher (Designer: Stefano Giovannoni)
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Eierbecher in Grün, Blau und Gelb für Berliner Bauarbeiter von Alessi mit integriertem Salzstreuer im Helm. „Ich habe alle sechs Monate einen Flop. In jeder Kollektion ist einer dabei“, erzählt der Unternehmer Alessi, der seine Produkte mit erstklassigen Designern und Architekten kreiert.

Obstschale Mediterraneo (Designer: LPWK, Emma Silvestris)
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Töpfe und Pfannen, „La Cintura di Orione“ (Designer: Richard Sapper)
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Alberto Alessi führt das fast 100 Jahre alte Familienunternehmen in dritter Generation. Den Erfolg macht er daran fest, dass Alessi Teil eines Phänomens sei, das als italienische Designfabriken beschrieben wird. „Eine Gruppe von vielleicht sechzig Firmen aus der Gegend rund um Milano, die in der Nachkriegszeit gegründet wurden und die schon früh mit den besten Designern der Welt zusammenarbeiteten“, erzählt der 70-Jährige.
Das von Richard Sapper entworfene Projekt „La Cintura di Orione“ richtet sich an „Privatgourmets“, also an alle Liebhaber einer Küche, die von ihrer kulinarischen Leidenschaft bis hin zu den professionellen Küchengerätschaften geführt werden. Der größte Teil der Töpfe ist aus einem speziellen Two-ply Material hergestellt (außen dickwandiges Kupfer + innen Edelstahl 18/10).

Rundes Besteck (Designer: Josef Hoffmann)
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Das Besteck Rundes Modell wurde 1906 von Josef Hoffmann nach den Leitlinien der Wiener Werkstätten gestaltet, deren Mitbegründer er war: Funktionalität und Handlichkeit sollten mit einer durchdachten Bearbeitung der Materialien einhergehen. Im Jahr 2000 brachte Alessi eine Neuauflage des historischen Bestecks aus 18/10-Edelstahl heraus, die mittlerweile aus der Produktion genommen wurde. Im Jahr 2015 erschien eine – im Vergleich zum Original – reduzierte Version.

Waage (Designer Stefano Giovannoni)
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Der britischen Zeitung „The Telegraph“ hat Alberto Alessi mal gesagt: „Wir bieten nicht Objekte, die die Leute unbedingt brauchen, sondern etwas, was einen Wunsch, einen Traum befriedigt.“ Einige Alessi-Produkte sind so populär, dass sie als Designikonen in Kunstmuseen auf der ganzen Welt ausgestellt werden...

Zitronenpresse Juicy Salif: Designer Philippe Starck
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So wie diese Zitronenpresse hier, die man in der Realität wohl eher als einen Flop einsortieren könnte, weil sie sehr viel mehr spritzt und tröpfelt als entsaftet.

Worauf sind Sie besonders stolz als Familienunternehmer?
Ich, als Familienunternehmer? Woher soll ich wissen, wie es ist ein Unternehmen zu führen, bei der es keine Familie gibt und bei dem man nur der Geschäftsführer ist. Ich war ja schon immer Familienunternehmer. Was ich Ihnen aber sagen kann ist, dass das nicht einfach ist…

Verraten Sie auch, warum nicht?
Nun, auf der einen Seite gibt es die Beziehungen innerhalb der Familie und auf der anderen Seite das Geschäft und beides lässt sich nicht immer gut unter einen Hut bringen. Ich könnte beispielsweise einen Sohn haben, den ich sehr liebe, aber vielleicht ist er am Ende gar nicht der richtige, um meine Firma weiter fort zu führen. Sowas ist schwierig. Aber ich kann mich eigentlich nicht beklagen.

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