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Amsilk Deutsches Start-up präsentiert Armband aus künstlicher Spinnenseide

Amsilk will mit synthetischer Seide das massenhafte Töten von Raupen überflüssig machen. Nun stellt die Firma ihr erstes kommerzielles Textilprodukt vor.
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Start-up Amsilk präsentiert Armband aus Spinnenseide Quelle: dpa
Spinnenseide von Amsilk

Die natürliche Gewinnung von Spinnenseide – das Melken von Seidenspinnen – ist aufwendig und teuer.

(Foto: dpa)

MünchenIn der Kosmetik und bei Implantaten wird synthetisch hergestellte Spinnenseide bereits eingesetzt. Nun ist dem Münchener Start-up Amsilk im Textilbereich der Durchbruch gelungen: Der Luxusuhrenhersteller Omega hat ein Armband auf den Markt gebracht, das mit Fasern aus künstlicher Spinnenseide gemacht ist.

„Damit zeigen wir, dass der Einsatz im Textilbereich möglich ist“, sagte Amsilk-CEO Jens Klein dem Handelsblatt. „Die Fashion-Industrie kann ein riesiger Markt werden.“ Amsilk plane schon jetzt eine Reihe von weiteren Projekten im Textilbereich, das Interesse in der Branche an neuen Materialien sei groß. Das Unternehmen aus Martinsried bei München ist mehrheitlich im Besitz der Hexal-Gründer Andreas und Thomas Strüngmann.

Bei der Gewinnung synthetischer Spinnenseide werden Kolibakterien genetisch so manipuliert, dass sie in großen Stahltanks den Eiweißstoff produzieren. Ein getrocknetes Seidenpulver kann dann in Kosmetika, als Ummantelung von Implantaten oder in Faserform in der Textilindustrie genutzt werden. Der Vorteil: Synthetische Seide ist widerstandsfähig, flexibel und weich. Zudem ist das Produkt zu 100 Prozent biologisch abbaubar.

Daher ist sie zum Beispiel für die Outdoor-Industrie, die verstärkt auf Nachhaltigkeit setzt, reizvoll. Die natürliche Gewinnung von Spinnenseide – das Melken von Seidenspinnen – ist aufwendig und teuer. Zudem müssen laut Tierschutzorganisation Peta für ein einziges Seidenkleid 50.000 Seidenraupen getötet werden.

In einer Reihe von Kosmetika werden Amsilk-Produkte bereits kommerziell eingesetzt. Das Pulver kann zum Beispiel Nagellack atmungsaktiver machen. Adidas entwickelte einen Turnschuh auf Basis des Biosteel, so nennt Amsilk die synthetische Faser. Allerdings ist der Schuh bislang nicht kommerziell verfügbar.

Anders ist dies nun bei der Kooperation mit Omega. Der Luxusuhrenhersteller bietet künftig seine NATO-Textilarmbänder mit Biosteel-Fasern an. Diese werden in das traditionelle Gewebe integriert und sollen die Armbänder im Vergleich zu den früheren aus Polyamid so leichter, komfortabler und atmungsaktiver machen.

Für synthetische Spinnenseide sind viele weitere Anwendungen denkbar. So verkündete Amsilk vor einigen Monaten eine Partnerschaft mit dem Flugzeugbauer Airbus. Ziel ist die Entwicklung von Leichtbauverbund-Materialien für die Luftfahrtbranche auf der Basis von synthetischer Spinnenseide.

Viele Start-ups experimentieren mit der Technik

Die Luftfahrtbranche sucht ständig neue, leichtere Materialien, um Treibstoffkosten zu sparen. Airbus und Amsilk kündigten eine „neue Ära der Verbundwerkstoffe für den Einsatz in der Luft- und Raumfahrtindustrie“ an. Klein kann sich später auch einen Einsatz für die Elektromobilität vorstellen

Die Technologie des Biosteel basiert auf Forschungen von Thomas Scheibel, Professor für Biomaterialien an der Universität Bayreuth. Amsilk ist aber nicht allein. Eine Reihe namhafter Start-ups arbeitet an ähnlichen Entwicklungen.

Der Outdoor-Ausrüster North Face hat gemeinsam mit der Biotechfirma Spiber einen Parka aus künstlicher Spinnenseide entwickelt. Das US-Start-up Bolt Threads, das unter anderem Peter Thiel als Investor an Bord hat, brachte als erstes Produkt eine Krawatte auf den Markt. Zudem ist eine Jacke von Patagonia geplant.

Bislang sind das eher Pilotprojekte, um zu zeigen, was möglich ist. Denn das Material ist noch teuer. Ob es den Massenmarkt erobern wird, ist zumindest umstritten. Amsilk-Chef Klein begrüßt es auch, wenn Textil-Produkte auf der Basis von Konkurrenz-Entwicklungen auf den Markt kommen. „Allein kann man so einen großen Markt nicht entwickeln.“

Im Kosmetikbereich habe man bereits gesehen, dass das neue Material in der Szene schnell zum Thema werde, wenn erst einmal die ersten Produkte auf dem Markt sind. „Dann kommt es zu einer Industrieakzeptanz.“ Wenn es mehr Textilprodukte gebe, könne auch die Faserherstellung skaliert – und damit billiger werden.

Amsilk hat 2016 frisches Kapital eingesammelt. Hauptinvestor ist AT Newtec, eine der Investmenttöchter von Andreas und Thomas Strüngmann. Die Brüder hatten den Generikahersteller Hexal gegründet und gehören zu den aktivsten und nachhaltigsten Biotechinvestoren in Deutschland. Als Investor ist zudem der MIG Fonds an Bord. Die Eigentümer haben bislang einen zweistelligen Millionenbetrag investiert.

In diesem Jahr will Amsilk erstmals Millionenumsätze machen. Vorstandschef Klein geht davon aus, dass dann mittelfristig auch zweistellige Millionenumsätze drin sind. Für die breite Markteroberung kann er sich Partnerschaften mit Chemieunternehmen vorstellen. Es gibt auch Anfragen für eine Übernahme der Amsilk. „Grundsätzlich wäre das Geschäftsmodell sicher auch etwas für die Börse.“

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