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Anlagenbauer Expansion in Indien – Anlagenbauer M+W droht ein teures Nachspiel

Die Expansion des Stuttgarter Anlagenbauers M+W Group auf dem Subkontinent ist gescheitert. Nun erheben indische Behörden millionenschwere Forderungen.
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Der Mittelständler soll Abgaben für Tausende Arbeiter von Subunternehmen nicht gezahlt haben. Quelle: PR
M+W Group in Stuttgart

Der Mittelständler soll Abgaben für Tausende Arbeiter von Subunternehmen nicht gezahlt haben.

(Foto: PR)

Berlin, BangkokEin Korruptionsskandal, Misswirtschaft und hohe Verluste: Das Indienabenteuer des Stuttgarter Anlagenbauers M+W Group war teuer und könnte noch teurer werden. Während sich der Anlagenbauer entschieden hat, auf dem Subkontinent keine neuen Fabriken für Industriekunden zu errichten, präsentieren die indischen Behörden nun saftige Rechnungen.

Bekannt war, dass die indische Steuerbehörde vom Tochterunternehmen MW India eine Nachzahlung in Höhe von 14,4 Millionen Euro fordert und das Unternehmen dagegen Einspruch eingelegt hat. Nun meldet sich auch die Rentenkasse („Provident Fund“) und verlangt für den Zeitraum zwischen April 2012 und September 2016 einen Betrag von umgerechnet knapp 16 Millionen Euro.

So steht es im Abschlussbericht einer Prüfkommission der Rentenkasse, die dem Handelsblatt vorliegt. Demzufolge soll der Mittelständler Abgaben für Tausende Arbeiter von Subunternehmern nicht gezahlt haben. Die Prüfer gehen davon aus, dass MW India vorsätzlich gehandelt hat.

„Es scheint, dass das Unternehmen Daten zur Identifizierung von Arbeitern, Angestellten und Vertragsbediensteten absichtlich verbirgt“, heißt es in dem Bericht. So sollten Zahlungsverpflichtungen gegenüber der Rentenkasse und anderen Einrichtungen vermieden werden.

Die Nachforderungen der indischen Behörden beruhten auf „falschen Berechnungen“, sagt hingegen der CEO der M+W Group Peter Schönhofer. MW India habe alle Sozialversicherungsbeiträge und Steuerzahlungen geleistet, zu denen es verpflichtet gewesen sei.

Für Zahlungen von Subunternehmen sei M+W schlicht nicht verantwortlich. „Die Forderungen sind daher ungerechtfertigt, und wir haben Rechtsmittel zu unserer Verteidigung ergriffen.“ Schönhofer beruft sich auch auf Untersuchungen einer internationalen Prüfgesellschaft. Mit den indischen Behörden kooperiere M+W „vollumfänglich“.

Die M+W Group gehört der Beteiligungsgruppe des österreichischen Industriellen Georg Stumpf. 2017 hat die Firmengruppe mit 1 .100 Mitarbeitern rund 400 Millionen Euro umgesetzt. MW India und die indische Sozialkasse verbindet eine unrühmliche Geschichte.

Antikorruptionsbehörde hat sich eingeschaltet

Die Geschäftsführung hatte vergangenes Jahr eingeräumt, dass Mitarbeiter des Unternehmens im Jahr 2014 Geld an Beamte der Sozialkasse gezahlt hatten. Vier Mitarbeiter der MW India mussten anschließend gehen, drei weitere erhielten Abmahnungen. Andere wurden in Compliance-Standards geschult.

Die Vorgänge wurden durch einen Whistleblower öffentlich, der dem Konzern und lokalen Beamten Vertuschung vorwirft. M+W sagt, der Mann verbreite falsche Anschuldigungen, und hat ihn wegen Verleumdung verklagt. Zum Stand der Zivilklage möchte sich Schönhofer nicht äußern. Der „Schutz von Persönlichkeitsrechten“ stehe dem entgegen.

Offenbar misst M+W den Problemen in Indien nun auch in der Stuttgarter Zentrale mehr Bedeutung bei. Laut Handelsblatt-Informationen ist der Finanzvorstand der M+W Group, Viktor Orgonyi, zum Direktor der indischen Tochter ernannt worden. Laut Unternehmen sei der Vorgang nicht ungewöhnlich. Orgonyi habe diese Funktion auch in anderen M+W-Gesellschaften inne.

Auf Orgonyi wartet in Indien eine schwierige Aufgabe. Die örtlichen Behörden wollen angeblich ihre Ermittlungen ausweiten. Inzwischen interessiert sich auch die staatliche Krankenversicherung für den M+W-Ableger. Aus Sicht des Unternehmens sind diese Prüfungen nichts Neues.

Sie seien zuletzt verzögert worden, weil die Dokumente bei „Provident Fund“ lagen. Die Rentenkasse will nach Handelsblatt-Informationen auch die Zeiten vor 2012 und nach 2016 unter die Lupe nehmen. Wie M+W bestätigt, hat sie die Daten schon angefordert.

Damit nicht genug. Auch die Central Vigilance Commission (CVC) hat sich eingeschaltet. Die CVC ist eine unabhängige Antikorruptionsbehörde auf Bundesebene. Sie hat auf den Fall indische Topbeamte angesetzt. Diese interessieren sich allerdings weniger für Verfehlungen von Unternehmen als mehr für die staatlicher Stellen.

Die CVC will ermitteln, ob mehrere Behörden des Arbeitsministeriums im Fall von MW India ihre Pflichten verletzt haben. „Die Untersuchungen sind noch am Anfang“, sagte ein leitender Beamter. Umfassendes Aktenmaterial werde nun analysiert. Die CVC sei bislang nicht an die M+W Group herangetreten, heißt es aus dem Unternehmen. Sollte es dazu kommen, werde man kooperieren.

Mehr: Zwölf Jahre lang baute der Anlagenbauer M+W in Indien Fabriken. Ein Korruptionsskandal zwang sie zum Rückzug. Lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen.

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