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Arbeitsbedingungen Asiatische Nähereien unter der Lupe

Die schrecklichen Arbeitsbedingungen in asiatischen Fabriken sorgen mehr und mehr für Aufregung. Jetzt arbeiten Mittelständler an einer Verbesserung der Lage. Unabhängige Organisationen überprüfen die Betriebe.
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Näherei in Bangladesch: Nur China exportiert mehr Textilien. Quelle: dpa

Näherei in Bangladesch: Nur China exportiert mehr Textilien.

(Foto: dpa)

Stuttgart / München / DüsseldorfEs waren schreckliche Bilder, die auf der ganzen Welt für Entsetzen sorgten: Ende November verbrannten mehr als 100 Arbeiter in einer Textilfabrik in Bangladesch, die für westliche Modeketten Kleidung fertigte. Seither stehen nicht nur die Lieferanten in Fernost in der Kritik, sondern auch die westlichen Kunden asiatischer Textilfabrikanten. Und das sind nicht nur Billiglabel. Fast alle Markenhersteller lassen in Asien fertigen. Mark Bezner lässt sich von der Kritik nicht abhalten. Die Klagen der Überlebenden klangen den TV-Zuschauern noch in den Ohren, da schloss der Chef des schwäbischen Hemdenherstellers Olymp eine Produktionskooperation mit einem neuen Partner in Bangladesch.

Mark Bezner wusste, was für ihn auf dem Spiel stand - und suchte seinen Partner sorgfältig aus. Infrage kamen nur Hersteller, die sich von externen Prüfern begutachten lassen und ein entsprechendes Zertifikat vorweisen können.

So erfüllt der neue Olymp-Partner die internationale Umweltmanagement-Norm und nimmt an der Global Reporting Initiative (GRI) teil. Die von den UN finanzierte Non-Profit-Organisation erstellt einen Bericht, für den sie 120 Indikatoren für Nachhaltigkeit auswertete - darunter Einhaltung der Menschenrechte, Arbeitspraktiken, soziale und ökologische Leistung.

Zudem unterstützt das Unternehmen den United Nations Global Compact, die freiwillige Verpflichtung von bislang 7 000 Unternehmen zur nachhaltigen unternehmerischen Verantwortung und Corporate Social Responsibility. "Unser Partner hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2015 der beste Arbeitgeber von Bangladesch zu werden", sagt Bezner. Die Firma mit dem Namen Viyellatex schüttet fünf Prozent des Gewinns an die Mitarbeiter aus und gibt jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht heraus.

"Es ist in der Verantwortung des Auftraggebers, mit wem er zusammenarbeitet", betont Bezner. Der Unternehmer besucht jeden Partnerbetrieb meist mehrmals im Jahr. Er kauft Stoffe und Garne selbst ein und hat direkten Zugriff auf die Produktion. Der neue Partner in Bangladesch soll künftig 15 bis 20 Prozent der Olymp-Produktion von jährlich zehn Millionen Hemden herstellen.

Unternehmer setzen auf Zusammenarbeit mit unabhängigen Organisationen

Bezner ist nicht der einzige Unternehmer, der seine Lieferanten angesichts der zahlreichen Katastrophen in asiatischen Fabriken genau unter die Lupe nimmt. Peter Schöffel setzt auf die Zusammenarbeit mit unabhängigen Organisationen wie der "Fair Wear Foundation", die sich seit Jahren für bessere Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben einsetzt. "Es reicht nicht, sich selbst Eindrücke vor Ort zu verschaffen", sagt der Chef und Eigentümer des Sportbekleidungsherstellers. Er vertraut darauf, dass er durch die Kooperation mit den anerkannten Spezialisten bei den Fabrikbesitzern mehr erreichen kann - und auch gegenüber den Kunden glaubwürdiger ist.

Noch einen Schritt weiter geht der schwäbische Schuhhersteller Bär. Seit Mitte der 90er-Jahre produziert das Familienunternehmen nahe der indischen Softwaremetropole Bangalore - und zwar inzwischen ganz unter eigener Regie. 2008 wurde der Joint-Venture-Partner ausbezahlt, um vollen Durchgriff auf das Unternehmen und die Arbeitsbedingungen zu bekommen. Eine Million Euro hat das Familienunternehmen seither in das Werk investiert, das inzwischen ISO-zertifiziert ist.

Das Produzieren auf eigene Faust erhöht aber auch den Aufwand. "Alle sechs Wochen bin ich für zehn Tage in Indien", sagt Produktionschef Christof Bär. "Wir behandeln unsere 300 Leute dort fair und achten auf gute Arbeitsverhältnisse."

Auch der Hemdenhersteller van Laack produziert nur in eigenen Werken. In Tunesien ist das Unternehmen seit 36 Jahren, in Vietnam seit 19. Dazu kommt eine Fabrik in Indonesien. Sie fertigen zusammen 1,5 Millionen Hemden im Jahr. In den drei Betrieben arbeiten 1 750 Menschen. "Es gibt in Hanoi einen Betriebskindergarten und eine Kantine", sagt ein Firmensprecher, "der Lohn liegt auf dem Niveau einer Lehrerin, also weit über dem Durchschnitt." Das sei insofern sinnvoll, als die Fluktuation unter den Arbeitskräften in diesen Ländern sehr hoch sei. "Um sie nach der Ausbildung zu halten, muss man in sie investieren."

Klar ist: Viele Marken würden gerne wieder Fabriken in Deutschland aufbauen. Die Lieferzeiten wären kürzer, die Risiken geringer. Aber hierzulande könnte die Firma ihre 200 000 Paar Schuhe nie zu konkurrenzfähigen Preisen herstellen, heißt es bei Bär. Andererseits wissen die Marken, dass ihr über Jahre aufgebautes Image leidet, wenn die Produktionsbedingungen in Asien nicht stimmen.

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3 Kommentare zu "Arbeitsbedingungen: Asiatische Nähereien unter der Lupe"

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  • Wir waren hier in der DDR bis 1989/90 auch Billiglohnland für die BRD, ca 30%der Konsumgüter kamen aus der Produktion vom Territorium der DDR mit westlichem Knowhow überwiegend erstellte Produktionslinien, aber auch mit unserer DDR-Technik.
    Jedenfalls erfrolgten vorab Geschäftskontakte mit westlichen Auftraggebern und anschließender Montagehilfe.

  • selten soviel schwachsinn gelesen. woher beziehen sie denn ihre weisheiten. niemand geht wegen des profits nach asien, sondern um konkurrenzfaehig zu bleiben.

    und wenn du fuer ein hemd 150 euro bezahlen willst, dann kann man das auch in europe fertigen.

  • Die Sucht ausserhalb Europas zu fertigen - insbesondere in der Textilindustrie - ist erschreckenderweise unbemerkt an Politikern vorbei gegangen, welche sich noch brüsten, die unselige "Globalisierung" zu fördern.

    Noch vor 10 Jahren hat man z.B. in Rumänien massenweise Textilien for die EU, insbesondere für italienische Firmen gefertigt. Da kostete für die italienische Firma eine gut gemachte Jeans ca. 2 Euro. Die Waren wurden dann in Italien gewaschen und als italiensiche Produkte der besseren Kategorie in der EU vetrieben, wobei ein sehr guter Profit wartete bei einem ca. Verkaufspreis von 80 - 100 Euro.
    Die letzte Welle der Auslagerungen ist wieder eine Ohrfeige ins Gesicht der Menschen in der EU. Allein wegen der Profitmaximerung geht man nach Asien, und man erfreut sich riesiger Gewinne dank Merkels Initiative der Zollsenkung für Importe aus Asien. Nein, es geht nicht um die Konkurrenzfähigkeit bei Auslagerungen, sondern nur um vielfach höhere Gewinne als die Rumänen sie erlauben würden. In Rumänien sind inzwischen die Mindestlöhne 3 mal so hoch wie in den einschlägigen asiatischen Staaten, wo Löhne gezahlt werden, von denen nicht mal eine Mini Familie unter einfachsten Bedingungen satt werden kann. Wann endlich nehmen sich die EU Führer dieser Probleme an, die ihnen natürlich von der Industrie verschwiegen werden?