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Ausbildung Wie das „Telgter Modell“ den Nachwuchsmangel im Mittelstand behebt

Der Mittelständler Münstermann hat Schulen und Wirtschaft in seiner Region vernetzt. Diese Initiative findet seitdem bundesweit Nachahmer.
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Schon in der Schule für den Lehrberuf begeistern. Quelle: Torsten Silz
Geschäftsführer Frank Münstermann (Mitte) mit Azubis

Schon in der Schule für den Lehrberuf begeistern.

(Foto: Torsten Silz)

Düsseldorf Die Firma Münstermann in Telgte an der Ems gehört zu den Hidden Champions in der deutschen Provinz. 1845 gegründet, ist die Firma heute einer der führenden Hersteller für Trocknungs- und Wärmebehandlungsanlagen.

Während viele Mittelständler weitab der Ballungsräume oft nur mit Mühe Auszubildende finden – vor allem im technischen Bereich –, hat der Anlagenbauer keine Nachwuchssorgen. „Wir haben keinen Fachkräftemangel“, betont Geschäftsführer Frank Münstermann. Als Unternehmer in sechster Generation beschäftigt er 280 Mitarbeiter. 20 Leute sind in Ausbildung.

Das liegt vor allem auch an Franks Mutter, Mit-Geschäftsführerin Magdalena Münstermann, die vor zwölf Jahren selbst die Initiative ergriff. Ein Münsteraner Geschäftsmann wetterte damals auf einer Konferenz: „Unter Abiturienten bilden wir gar nicht mehr aus.“

Die Aussage schockierte Magdalena Münstermann. Sie mobilisierte Unternehmer und Schulen der Region, um zu zeigen: „Fast jeder Schüler kann bei richtiger Förderung erfolgreich eine Ausbildung absolvieren, wenn wir uns individuell kümmern.“ Unternehmen brauchten schließlich nicht nur die oberen Köpfe, sondern auch die Basis.

Schwächere mitnehmen

Magdalena Münstermann vernetzte örtliche Schulen und Betriebe, damit sich Schüler ein Bild vom Arbeitsleben machen können. Ihre Initiative findet seitdem als „Telgter Modell“ bundesweit Nachahmer. „Viele Schüler wollen heute Kfz-Mechatroniker werden, aber wenn sie unseren 200-Tonnen-Ofen in Aktion sehen, konnten wir so einige vom Beruf des Metallbauers oder Industriemechanikers begeistern.“

Wichtig sei, dass Kinder schon in der Grundschule etwa im Sachunterricht Kontakt zu Firmen und verschiedenen Berufsbildern bekommen. Auch der persönliche Kontakt zu Mitarbeitern in Unternehmen oder Gespräche mit „echten“ Unternehmern seien für Schüler wichtige emotionale Erlebnisse in ihrer Entwicklung. So gibt es Firmenführungen, Unternehmerbesuche im Unterricht und Betriebspraktika.

Heute sind mehr als 100 Arbeitgeber der Region mit Schulen auf einer Plattform vernetzt. Dort gibt es eine Praktikums- und Ausbildungsbörse.

Die Schulen machen gerne mit. „Dank des Telgter Modells können unsere Schülerinnen und Schüler die unglaubliche Vielfalt der Telgter Wirtschaftsbetriebe kompakt und hautnah und sogar kreativ erfahren und für ihre Berufswahl nutzen“, sagt Gerd Schumacher, Lehrer am Maria-Sibylla-Merian-Gymnasium.

Firmen schätzen den frühen Kontakt mit potenziellen Azubis: „Schüler werden frühzeitig auf unser Unternehmen, Branche und Berufe aufmerksam gemacht“, sagt André Gerbert, Geschäftsführer von Bergmann Spritzguss- und Formenbau.

„Es gehört zur sozialen Verantwortung von Unternehmen, dass sie die nächste Generation ausbilden“, sind die Münstermanns überzeugt. „Dabei muss man alle mitnehmen, gerade auch die Schwächeren.“ Schulabbrecher, Lernbehinderte und Flüchtlinge sind bei Münstermann erfolgreich in die Lehre gegangen. „Schüler mit schlechten Noten sind häufig sehr gute Praktiker, aber keine schlechten Menschen.“

Münstermann bietet seinen Azubis auch noch einiges mehr wie Praktika im Ausland. Mindestens vier Wochen erweitern sie dort ihren kulturellen Horizont und trainieren ihre Sprachkenntnisse. „Seitdem wir Großkunden wie BASF, Knauf und andere haben, müssen sich unsere Mitarbeiter auch im Ausland zurechtfinden. Zudem sind Auslandserfahrungen ein wichtiger Teil in der Persönlichkeitsentwicklung“, betont Frank Münstermann.

Mehr: Oft bleiben Ausbildungsplätze frei, weil viele lieber studieren möchten. Mittelständler lassen sich allerhand einfallen, um junge Leute zu begeistern.

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