Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Aussteller- und Messeverband Mittelständler fordern einen „Messeminister“

Aussteller klagen über mangelnde Unterstützung der Politprominenz. Diese könnte für deutsche Firmen ein wichtiger Türöffner für Geschäfte im Ausland sein.
29.05.2019 - 16:04 Uhr Kommentieren
Die deutschen Aussteller hoffen auf Politprominenz. Quelle: dpa
Angela Merkel auf der Hannover Messe 2019

Die deutschen Aussteller hoffen auf Politprominenz.

(Foto: dpa)

Berlin Wenn Steckerhersteller Walter Mennekes aus dem Sauerland früher auf einer Messe etwa im arabischen Raum ausstellte, war er mit rund 40 Mittelständlern am deutschen Stand in Halle 1. Inzwischen aber belegten die Asiaten, die meist mit mehr als 100 Ausstellern kämen, die beste Halle, beobachtet er. Den Deutschen werde oft eine abgelegene Halle zugewiesen.

„Dahin kommen Besucher erst am Nachmittag, und bei den klimatischen Verhältnissen sind die wenigsten dann noch aufnahmefähig. Unsere Botschaften gehen ins Leere“, klagt der Mittelständler, zugleich scheidender Vorsitzender des Verbands der deutschen Messewirtschaft Auma.

Umso wichtiger sei deshalb auch im Ausland ein Besuch von deutscher Politprominenz wie einem Botschafter oder Minister am Stand. Der traditionelle Rundgang der Kanzlerin auf der Hannover Messe etwa sei für deutsche Aussteller Gold wert. „Der kurbelt die Geschäfte des Mittelstands im Ausland fühlbar an“, sagt Mennekes.

Doch die deutschen Mittelständler fühlen sich auf Messen im In- und Ausland im Stich gelassen von der Regierung. „Die Großindustrie bekommt Rückendeckung von der Politik, beim Mittelstand sind das nur Lippenbekenntnisse“, klagt auch Philip Harting, Mennekes Nachfolger im Auma-Vorsitz und Chef des Steckverbinder-Spezialisten Harting aus Ostwestfalen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Wettbewerber weltweit holten auf Messen mächtig auf. Chinesische Aussteller etwa hätten fast immer hohen Besuch von einem Minister am Stand. Bei deutschen Mittelständlern komme fast nie der Botschafter geschweige denn ein Staatssekretär vorbei, ärgert sich Mennekes. Dabei bringe Politprominenz stets mediale Aufmerksamkeit und interessierte Neukunden. Er fordert deshalb einen „deutschen Messeminister“. „Hauptsache, ein Titel!“, sagt er.

    „Politprominenz kann Mittelständlern auf Messen wichtige Türen öffnen“, bestätigt auch Harting. „Durch die Tür durchgehen müssen wir dann selber.“ Mennekes hält politische Begleitung von Messen für wichtiger als Förderung mit Geld. Der Etat für die sogenannten German Pavilions, Gemeinschaftsstände der deutschen Unternehmen, sei in den sechs Jahren seiner Amtszeit nur unwesentlich auf 45,5 Millionen Euro gestiegen, bedauert er. Vor allem Start-ups bräuchten mehr finanzielle Starthilfe, um schneller international bekannt zu werden.

    Nicht nur junge Firmen, auch junge Besucher auf Messen zu locken ist zunehmend eine Herausforderung. Das Durchschnittsalter auf Messen steigt. „Das Zauberwort heißt Erlebnis“, sagt Auma-Hauptgeschäftsführer Peter Neven. Waren Messestände früher Schaufenster, so müssten sich Aussteller immer mehr als lebendiges Event präsentieren.

    Daten werden für Messen immer wichtiger

    „Messen müssen mit der Zeit gehen“, konstatiert auch der neue Auma-Vorsitzende Harting. Junge Leute lebten in einer digitalen Welt, Messen seien analog. Veranstalter müssten sich Gedanken machen, wie sie beide Welten übereinanderlegen. Die ganze Klaviatur bis hin zu Youtube müsse genutzt werden. Dennoch macht sich Harting in digitalen Zeiten um die Bedeutung von Messen als Branchentreff, Marktplatz und Schaufenster für neue Technologien keinen Sorgen. „Face-to-Face schlägt Facebook“, ist er überzeugt.

    Dabei würden Live-Demos von Maschinen, die mit der Cloud oder Fabriken anderswo vernetzt sind, immer wichtiger. Dazu sei in Zukunft eine 5G-Anbindung auf Messen unabdingbar. Weltweiter Vorreiter ist hier die Deutsche Messe Hannover, die im Sommer 2020 das Gelände komplett mit 5G stabil vernetzen will. Alle Messegesellschaften müssten da in Infrastruktur investieren, fordert Harting.

    In Zeiten der Digitalisierung werden Daten für Messen immer wichtiger. Auch um Besucher und Aussteller untereinander besser zu vernetzen. Deutsche Aussteller gerieten allerdings immer mehr in Rückstand – beispielsweise durch die neue Datenschutzgrundverordnung (DSVGO).

    Mittelständler Harting etwa hatte rund 70.000 Mail-Adressen in seiner Kartei, die vor Messen kontaktiert wurden. „Nachdem wir alle ordnungsgemäß angefragt hatten, ob wir ihre Daten speichern dürfen, blieben gerade mal 1200 Mail-Adressen potenzieller Kunden übrig“, erzählt Harting. „Das ist Wettbewerbsverzerrung. Da lachen sich die Amerikaner ins Fäustchen.“

    „Wir Aussteller brauchen die Daten, auch für die Kosten-Nutzen-Analyse einer Messe“, so Harting. Denn Messen seien teuer. Sie blieben aber auch in Zeiten eines wachsenden Protektionismus unabdingbar. „Das Letzte, an dem Unternehmen in Krisenzeiten sparen, ist das Marketing-Instrument Messe.“

    Eine aktuelle Auma-Umfrage ergab: Die deutsche Messewirtschaft erwartet trotz Handelskonflikten und aufziehender Konjunkturwolken wieder ein positives Jahr. Der Umsatz der deutschen Veranstalter erreichte 2018 erstmals mehr als vier Milliarden Euro.

    Mehr: Der Steckverbinder-Hersteller Harting schaffte dank der Hannover Messe den Sprung in die Welt. Der Chef des Hidden Champions leitet künftig den deutschen Ausstellerverband Auma.

    Startseite
    Mehr zu: Aussteller- und Messeverband - Mittelständler fordern einen „Messeminister“
    0 Kommentare zu "Aussteller- und Messeverband: Mittelständler fordern einen „Messeminister“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%