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Badarmaturenhersteller Grohe, die Heuschrecken-Bilanz

Der weltberühmte Armaturenhersteller Grohe steht für das umstrittene Wirken von Private-Equity-Firmen. Nun wollen TPG und Credit Suisse aussteigen. Haben die Finanzinvestoren Grohe ausgeplündert oder verbessert?
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Wasserhahn der Firma Grohe: Bei dem Traditionsunternehmen stiegen im Jahr 2004 die Investoren TPG und Credit Suisse ein. Quelle: PR

Wasserhahn der Firma Grohe: Bei dem Traditionsunternehmen stiegen im Jahr 2004 die Investoren TPG und Credit Suisse ein.

(Foto: PR)

Alfred Koegel redet in ein Mikrofon, damit ihn die Zuhörer überhaupt verstehen. Das Grohe-Werk im sauerländischen Hemer ist ein höllenlauter Ort. Koegel zeigt bei der Werksführung Metall-Rohlinge von Armaturen, die in Hunderter-Kästen zwischenlagern. Mehr als zwei Millionen Wasserhähne spuckt die Fabrik jährlich aus. Bis zum fertigen Produkt ist es ein langer Weg. Der Schmelzofen verbindet bei mehr als 1000 Grad Kupfer und Zink zu Messing. Das rinnt in eine Form, umschließt gepressten Sand, der die Hohlräume im Innern schafft, durch die später das Wasser fließt. Nach dem Abkühlen schüttelt ein Roboter den Rohling so lange durch, bis der Sand verschwunden ist.

Kräftig geschüttelt wird auch die Grohe-Welt - und das nicht zum ersten Mal. Die aktuellen Eigentümer, der US-Finanzinvestor Texas Pacific Group (TPG) und die Credit Swiss First Boston Private Equity, die Beteiligungsgesellschaft der Credit Suisse, wollen aussteigen. Das setzt nach neun Jahren den Schlussakkord unter eine Debatte ums Auspressen und Durchrütteln. Auslöser war Franz Müntefering mit einem Interview im April 2005: "Manche Finanzinvestoren bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter", sagte der damalige SPD-Vorsitzende. Gemeint war Grohe, jenes Unternehmen, dessen Zentrale in Münteferings Nachbarwahlkreis liegt. Damit war das Wort in der Welt, das seitdem als Synonym für Geldgeber gilt, die Unternehmen kaufen, um sie nach tiefen Einschnitten später teurer zu verkaufen.

Bei Grohe beginnt dieser Prozess 1999, als die britische Beteiligungsgesellschaft BC Partners den Sanitärhersteller von den Familieneignern erwirbt, die Kasse machen wollen. Ende 2004 übernehmen TPG und Credit Suisse die Macht in der Firmenzentrale - in einer Weise, die Müntefering zu seinem Heuschrecken-Vergleich provozierte. Sie finanzieren den Kauf über Kredite, die sie anschließend dem Unternehmen aufladen. Das muss Darlehen und Zinsen aus der Firmenkasse bezahlen.

Dann langen TPG und Credit Suisse zu: Gut zwei Jahre vor Ausbruch der Finanzkrise trifft Wall Street auf Wertarbeit, Zockertum auf Realwirtschaft. Die neuen Grohe-Eigner beschließen Werksverlagerungen und den Abbau Tausender Stellen. Das zuvor gesunde Unternehmen wirkt wie ein Sanierungsfall. Selbst Charles Grohe, der kommod auf einem Schweizer Schloss residierende Familiennachfahre, empört sich über den "Termiteneinfall".

Finanzinvestoren haben zwischen 2005 und 2007 in Deutschland größere Unternehmen übernommen als Grohe. Sie haben Hugo Boss, ProSiebenSat.1 und Kion gekauft, umgemodelt, zum Teil wieder abgestoßen. Doch der Armaturenhersteller wird zum Synonym für alle Heuschrecken-Fälle. Der Private-Equity-Lobbyverband BVK belegt mit einer Grohe-Fallstudie den Nutzen von Private Equity, die Hans-Böckler-Stiftung zeigt Gewerkschaftern mit dem gleichen Beispiel die Gefahren der Heuschrecken. Nur Müntefering will sich heute nicht mehr äußern und verweist auf Anfrage an die SPD-Bundestagsfraktion.

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25 Kommentare zu "Badarmaturenhersteller: Grohe, die Heuschrecken-Bilanz"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Und was hat dies mit dem Artikel über Grohe zu tun?!?!

    Der Kommentar ist hier völlig irrelevant und fehlplaziert, so unschön der Vorfall natrülich auch ist.

  • so ist es - und die nächste Krise kommt bestimmt!

    Dass solche Heuschrecken diese Unternehmen ausplündern und im Zuge der Umstrukturierung zudem die schwachen Regionen weiter an den Abgrund bringen dürfen, liegt am mangelnden Gestaltungswillen aller Bundestagsparteien, insbesondere jedoch der Regierung Merkel, der geht nämlich gegen Null! Solch ein Regierung fährt langfristig jedes Land an die Wand. Die Einwendung, dass es Deutschland gut ginge, ist nur für den oberflächlichen Betrachter richtig, wer unter die Oberfläche schaut, bemerkt die Erosion, die sich auf allen Gebieten eingestellt hat. Der Irrsinn der getoppten rot-grünen Energiewende durch Merkel ist nur das aktuellste Beispiel!

  • alles was die PE Überflieger und ihre High Potentials aus den Beratungen - beide vermutlich völlig ohne eigene operative Erfahrungen - gemacht haben, hätten sie auch so machen können.
    dazu muß man keinesfalls die Passivseite der Bilanz ruinieren.
    das müssen allenfalls Schauspieler, die überhöhte Kaufpreise bezahlen
    das Rating von Grohe sagt alles

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Die nächste Krise wird dafür sorgen, dass jetzt die jetzt finanzschwächere Grohe als AG an der Börse auf Kosten der breiten Anleger insolvent wird! Wetten!?
    Es ist immer wieder das gleiche Spiel: die Großen verdienen immer, die Kleien zahlen es immer!

  • Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Das Finanzinvestoren übernommenen Kandidaten nicht akzeptable kreditbedingungen aufbürden wie im Falle Grohe oder Boss ist eine Frechheit. Die Stärke der deutschen Wirtschaft sind die Mittelständler und nicht die Konzerne, welche durch Schröder Fischer vollig unverhältnissmässig bevorteilt wurden ( Stichwort unbegrenzte Leiharbeit Agenda 2010). Neue Arbeitsplätze haben diese dadurch aber n icht geschaffen siehe auch Grohe. Trotz verbesserter Bedingungen zumindest für die Konzerne wurden und werden weiter Arbeitsplätze ins Ausland verlagert. Auch von daher ist die Agenda 2010 nichts als eine unnötige Versklavung qualifizierter Arbeitnehmer. Dafür ist ausgerechnet die SPD verantwortlich zu machen!!!
    Es gibt aber auch positive Beispiele für Finanzinvestoren, welche sich in ein kriselndes Unternehmen eingekauft haben und mit harten Massnahmen aus der Krise führen konnten.

    Grundsätzlich stimmt es aber in diesem Lande nicht mehr was sich Bankster aller Herren Länder in Schlips und Kragen heute erlauben. Dazu zählen auch Politiker welche Milliardenprojekte auf Kosten der Steuerzahler in den Sand setzen z.B. Ber. Diese gehören endlich mindestens genauso bestraft wie Räuber. Diese immer weiter zu schonen wäre Perlen vor die Säue werfen, denn die Schlipsträger Bei Banken und Aufsichtsräten machen dieses und andere Länder kaputt- und Schröder hat diesen durch Agenda und unbegrenzter Leiharbeit noch zugearbeitet. Auch er gehört wie sein Kumpel Peter Hartz verurteilt.Stattdessen stopft er sich heute als "Berater" die Taschen voll.Fischer ebenso.
    Schlimmer gehts nicht. Das sind ebenfalls die wahren Heuschrecken

  • @ Angelika
    Lesen sie sich mal durch , was ihr Herr Lucke früher so zu Arbeitnehmern abgelassen hat. Stichwort "Hamburger Appell".

    Arbeitnehmerrechte stehen mit Sicherheit bei ihm nicht auf dem Plan. Sein sog. Wahlprogramm ist so verlogen wie das fast aller Parteien.
    Beurteilen sie also die Figuren nach dem, was sie in der Vergangenheit getan und gesagt haben, so ist die Armut für Deutschland eher etwas für die PE, nicht aber für die Arbeitnehmer!

  • @gejotka:

    Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen.

  • Schon mal was vom Celler Loch gehört? Nein, dann bitte googeln!

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