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Bilanzanalyse Deutsche Unternehmen stärken Abwehrkräfte gegen die Rezession

Mehr Profit und dickeres Kapitalpolster: Deutsche Unternehmen sind auf die heraufziehende Rezession vorbereitet, anders als 2009. Doch es gibt einen Sorgenfaktor: das Personal.
19.09.2019 - 12:35 Uhr Kommentieren
Deutsche Unternehmen haben die kommende Krise auf dem Zettel – es könnte in vielen Betrieben zu Kurzarbeit kommen. Quelle: dpa
Logistikzentrum im brandenburgischen Falkensee

Deutsche Unternehmen haben die kommende Krise auf dem Zettel – es könnte in vielen Betrieben zu Kurzarbeit kommen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Niemand soll später behaupten, die Krise träfe Deutschland unvorbereitet: Arbeitsminister Hubertus Heil hat für den Herbst ein Gesetz angekündigt, das für kriselnde Unternehmen die Zugangsbedingungen zum staatlich finanzierten Kurzarbeitergeld lockern soll, um schnelle Entlassungen zu vermeiden.

Ähnlich praktizierte es die Bundesregierung bereits in der schweren Rezession vor einem Jahrzehnt. Die abermalige Vorsorge scheint berechtigt. So hat der Automatisierungsspezialist Pilz für die Hälfte seiner 1100 Mitarbeiter in Deutschland vorsorglich Kurzarbeit beantragt. Das schwäbische Familienunternehmen folgt damit anderen Automobilzulieferern wie Schaeffler.

Der Dettlinger Zulieferer Elring-Klinger lässt seine Angestellten vorerst noch die gefüllten Arbeitszeitkonten abbauen, „dank der guten Jahre, die hinter uns liegen“, wie Vorstandschef Stefan Wolf hervorhob. Setze sich die schwache Nachfrage aber fort, könnte auch hier schon bald Kurzarbeit notwendig sein.

Solche Meldungen häufen sich in den letzten Wochen. Ob auf Überstundenabbau oder Kurzarbeit am Ende Entlassungen folgen, hängt entscheidend davon ab, wie gut Deutschlands Firmen auf eine sich merklich abkühlende Wirtschaft vorbereitet sind. Wer finanzielle Polster hat, vermag Auftragsflauten besser und vor allem länger zu überstehen als Unternehmen mit wenig Rücklagen.

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    Die jetzt vollständig für das abgelaufene Geschäftsjahr vorliegenden Bilanzen zeigen, dass Deutschlands Unternehmen gut gerüstet sind und besser vor einer möglichen Krise dastehen als noch 2008 – also dem Jahr, bevor Deutschland in seine schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte rutschte. Das belegen dem Handelsblatt vorliegende Berechnungen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV).

    Diese basieren auf Auswertungen von Daten aus mehreren Hunderttausend Firmenbilanzen, die insgesamt 50 Prozent der Unternehmensumsätze in Deutschland abbilden und damit gesamtwirtschaftliche Aussagekraft haben. Als Marktführer im Mittelstand unterhalten die Sparkassen zu drei von vier deutschen Firmen Geschäftsbeziehungen und haben damit auch Einblick in ihre bilanzrelevanten Kennzahlen.

    Das Ergebnis: Branchenübergreifend erhöhten Deutschlands Unternehmen ihre Umsätze seit dem Krisenjahr 2009 um gut 50 Prozent. Die Gewinne haben sich angesichts des starken Produktionswachstums und der hohen Nachfrage – weshalb viele Unternehmen höhere Preise durchsetzen konnten – mehr als verdoppelt.

    Sie stiegen um 110 Prozent, sodass die Firmen Jahr für Jahr profitabler wirtschafteten: Im operativen Geschäft (vor Steuern und nach Zinsen) blieb ihnen 2018 eine Gewinnmarge von 6,1 Prozent. Das sind 6,1 Cent Gewinn aus jedem erwirtschaftetem Euro. Im Vorkrisenjahr 2008 waren es nur 4,6 Prozent.

    Grafik

    Zu dem Aufschwung trugen alle Branchen bei: die exportstarken Branchen des verarbeitenden Gewerbes, aber auch der Einzelhandel, das Dienstleistungsgewerbe und der Bau. Die Unternehmen nutzten die hohen Gewinne in den vergangenen Jahren, um ihre finanziellen Polster aufzubessern. Beleg dafür ist die rekordhohe Eigenkapitalquote von knapp 39 Prozent. Im Vorkrisenjahr 2008 waren es gut vier Prozentpunkte weniger.

    „Nach Jahren des Aufschwungs sind die Unternehmen in vielen Bereichen wie Eigenkapitalausstattung und Profitabilität gut aufgestellt“, urteilt DSGV-Präsident Helmut Schleweis, „das belegen die hohe Finanzkraft mit rekordhohen Eigenkapitalquoten und die starke Ertragsentwicklung in den vergangenen Jahren. Die Bilanzen zeigen, dass die von uns untersuchten Unternehmen in ihrer Gesamtheit besser auf einen möglichen Abschwung vorbereitet sind als 2008.“

    So wie Elring-Klinger: Der Zulieferer nutzte die guten Jahre, um seine Eigenkapitalquote von 36 Prozent im Vorkrisenjahr 2008 auf 41 Prozent im abgelaufenen Geschäftsjahr zu erhöhen. Das verschafft mehr Luft in der aktuellen Krise der Automobilindustrie. Der familiengeführte Produzent von Schmierstoffen, Fuchs Petrolub, steigerte sein ohnehin schon hohes Eigenkapital kräftig: die Quote stieg von 45 auf 77 Prozent.

    Binnen zehn Jahren stieg der operative Gewinn vor Steuern und nach Zinsen um 135 Prozent auf 382 Millionen Euro. Die Verschuldung sank von 124 auf vier Millionen Euro. Auffällig ist, dass damals wie heute die Krise von außen kommt: Die Binnenwirtschaft mit ihren wichtigen Branchen wie Bau, Einzelhandel und Immobilien ist nach wie vor intakt, doch die Gesamtkonjunktur schwächelt und könnte schon 2019 in eine sogenannte technische Rezession rutschen, sollte nach dem zweiten auch im dritten Quartal das Bruttoinlandsprodukt sinken, wonach es derzeit aussieht.

    „Ausschlaggebend hierfür ist der Abschwung in der Industrie, die unter dem schleppenden Export leidet“, konstatiert die Deutsche Bundesbank. Die schwächere Weltwirtschaft trifft vor allem die vielen auslandsstarken Firmen. „Die Rezession ist da“, heißt es nach zwei schrumpfenden Quartalen in Folge in der Metall- und Elektroindustrie.

    Nicht nochmal wie 2009
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