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Billige Gefangenenarbeit Der Knast als Konzern

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Aufschwung hinter Gittern: Einnahmen der nordrhein-westfälischen Haftanstalten aus wirtschaftlicher Tätigkeit 2004 bis 2007. Grafik: Wirtschaftswoche

Aufschwung hinter Gittern: Einnahmen der nordrhein-westfälischen Haftanstalten aus wirtschaftlicher Tätigkeit 2004 bis 2007. Grafik: Wirtschaftswoche

Zusätzlich stellt die Anstalt privaten Unternehmen mehrere Werkhallen zur Verfügung, in denen Gefangene im Kundenauftrag einfache Montagearbeiten verrichten. Derzeit haben sich fünf Mittelständler eingemietet, die hier unter anderem Leuchten und Schalter zusammenschrauben lassen. Der Jahresumsatz des Unternehmens JVA Werl liegt bei knapp sechs Millionen Euro, der Überschuss bei rund 800 000 Euro - Tendenz steigend.

Andere Haftanstalten sind ähnlich unternehmerisch aktiv. Hinter den Zuchthausmauern ist ein Mikrokosmos der deutschen Volkswirtschaft entstanden, eine besondere Unternehmenswelt mit Holdingstrukturen und Tochtergesellschaften, eigenen Arbeitsverwaltungen - und sogar dem Problem der Arbeitslosigkeit, die stellenweise bis zu 20 Prozent beträgt, weil die Haftbetriebe nicht allen Insassen einen Job anbieten können.

Der Konzern Knast mit seinen bundesweit 195 Tochterunternehmen (JVAs) und schätzungsweise 800 lokalen Eigenbetrieben macht einen jährlichen Umsatz von rund 200 Millionen Euro. Er beschäftigt über 40 000 Mitarbeiter, mehr als in Deutschland die Dax-Konzerne Deutsche Bank und Henkel zusammen. Er bildet mehrere Hundert junge Leute in Handwerksberufen aus. Und er hat einen treuen Kundenstamm: Wenn staatliche Institutionen und Behörden ihre Möbel, Dienstkleidung und Büromaterialien im Gefängnis produzieren lassen, dürfen sie dank einer Sonderregel in der Verdingungsordnung für Leistungen (VOL) auf die zeitaufwendige öffentliche Ausschreibung verzichten.

Angenehmer Nebeneffekt für die öffentliche Hand: Was von den Knast-Einnahmen nach Abzug der Löhne und der Kosten für Material und Rohstoffe übrig bleibt, wandert in die klammen Länderhaushalte. Auf diese Weise finanzieren die Strafgefangenen einen Teil ihrer Unterbringungs- und Versorgungskosten selbst. Ohne Gefangenenarbeit wären die vom Steuerzahler zu tragenden Kosten pro Haftplatz - derzeit im Schnitt rund 85 Euro pro Tag - deutlich höher.

Einnahmen-Spitzenreiter Nordrhein-Westfalen holt mittlerweile mit seinen Haftanstalten jährlich über 46 Millionen Euro rein. Erklärtes Ziel der Justizverwaltung ist es, jedes Jahr um eine Million zuzulegen. Bayern bringt es auf rund 45 Millionen Euro. Auch kleinere Länder sind mit im Geschäft: In Sachsen stiegen die Gefängniseinnahmen 2006 um sechs Prozent auf den neuen Rekordwert von 7,6 Millionen Euro. In Thüringen erwirtschafteten die Haftanstalten 3,22 Millionen Euro - ein Zuwachs von rund zehn Prozent gegenüber 2005.

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