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Bringdienste Wie Brötchen Geld bringen

Lange ist es her, dass Eier, Milch und Brötchen bis vor die Haustür geliefert wurden. Nun ist zumindest der Brötchendienst wieder da: Brötchenbursche heißt der Bringdienst von Jörg Stulga aus Ochtrup, der Bäckereien in ganz Deutschland neue Umsätze bringt. Sein Lieferservice ist ein Beispiel, dass viele Geschäftsideen auch ohne große Anfangsinvestitionen laufen.
  • Anke Brillen
„Brötchenbursche

„Brötchenbursche" heißt der Lieferdienst von Jörg Stulga aus Ochtrup. Der Jungunternehmer hat bereits 2 000 Kunden und expandiert kräftig.

FRANKFURT. Das Auslieferungssystem basiert auf einem Internetserver, auf dem Kunden rund um die Uhr ihre Bestellungen eingeben können. Etwa 2 000 Kunden bedient Stulga heute. Vor fünf Jahren startete der Wirtschaftsingenieur mit 60 Brötchen sein Auslieferungsgeschäft. „Die Kreissparkasse Nordhorn hat mir einen großzügigen Kontokorrent eingeräumt, weil ich Aktien als Sicherheiten hatte“, berichtet Stulga. Ein Existenzgründerdarlehen brauchte er nicht. Sein Bringdienst ist ein Beispiel, dass viele Geschäftsideen auch ohne große Anfangsinvestitionen laufen.

Ganz ohne Kapital ging es jedoch nicht: Um seinen Service zu testen, finanzierte Stulga Brötchen-Gratislieferungen aus eigener Tasche vor – und gewann auf diese Weise schnell Kunden. Nach drei Monaten erreichte er bereits die Gewinnschwelle. Seine Kalkulation: Er verdient pro Brötchen 15 Prozent am Ladenverkaufspreis und 50 Cent Liefergebühr. Auch für die Bäcker rechnet sich das Geschäft, weil es für sie mit keinerlei Verwaltungsaufwand verbunden ist: „Wir werben die Kunden und erstellen die Tourenliste - der Bäcker muss nur noch ausliefern“, sagt Stulga.

Lieferdienste sind in Deutschland eine Wachstumsbranche. Eine Marktstudie der Unternehmensberatung Weiner und Partner in Berlin beziffert das durchschnittliche Umsatzwachstum jährlich auf 8,1 Prozent. Aber auf sechs Neugründungen pro Jahr kommt eine Insolvenz: „Bei Lieferdiensten braucht es eine gewisse Umsatzgröße, um Logistik wie den Fuhrpark und die personelle Infrastruktur vorzuhalten. Das Problem sind hohe Fixkosten bei stark schwankenden Umsätzen“, sagt Christian Weiner. „Start- ups scheitern außerdem oft daran, dass schnell steigendes Wachstum nicht aus den Gewinnen finanziert werden kann.“

Der Unternehmensberater, der auf die Entwicklung von Businessplänen und die Finanzoptimierung bei mittelständischen Unternehmen spezialisiert ist, rät daher zu Kooperationen.

Diesen Weg ist Stulga gegangen. Mit seinem Kooperationsmodell reduziert er seine Fixkosten gegen null. Statt einen eigenen Fuhrpark zu unterhalten, konzentriert er sich auf die Kundenakquise und rechnet seinen Partnern vor, wie sie mit einem Auslieferungsfahrer mit eigenem Fahrzeug Gewinne einfahren können.

„Die Lieferdienste sind vor 20 Jahren an der Kleinteiligkeit des Geschäftes und der ineffektiven Kundenverwaltung gescheitert“, sagt Stulga, der seine Kartei mit einem Klick am Computer im Blick hat. Doch jetzt erweist sich eben diese Kleinteiligkeit als großer Vorteil – denn viele Kunden streuen das Risiko. Die Zahl der Ausfälle ist gering: Auf 30 000 Euro Umsatz kommen 200 Euro Forderungsausfall.

„Das klappt perfekt. Wir haben keinen Aufwand und buchen die gelieferte Ware einfach ab. Mit seinem Lieferservice machen wir 2 500 - 3 000 Euro Mehrumsatz am Wochenende“, sagt Christoph Kaupmann, Geschäftsführer der Bäckerei Kaupmann GmbH in Bielefeld. So bringen sich Stulpa und die Bäckereien gegenseitig Umsatz. Auch Bäckereien in Mainz, Ibbenbüren, Berlin und Neuenkirchen nutzen den Dienst. Zehn weitere sollen in Kürze dazukommen. Doch dazu muss Stulga seine Software aktualisieren, um die vielen Kundendaten optimal zu verwalten. Die Chancen für einen Betriebsmittelkredit hierfür schätzt er gut ein, weil er positive Kennzahlen vorlegen kann. Zumal die Kreissparkasse Nordhorn auf Jungunternehmer spezialisiert ist. „Zwei von drei unserer Beratungsgespräche beziehen sich auf Investitionsvolumen von bis zu 50 000 Euro,“ sagt Hermann Hood, Leiter des Existenzgründungscenters der Kreissparkasse. Anders als oft vermutet, hätten die privaten Sicherheiten für die Sparkasse eine eher nachrangige Bedeutung. Für eine positive Finanzierungsentscheidung spiele neben dem Firmenkonzept die Unternehmerpersönlichkeit eine beachtliche Rolle.

Kleinteilige Lieferbranche

Mittelständisch: In Deutschland erwirtschaften 1 322 Lieferdienste – inklusive Paketdienste und Industrielieferungen – einen Umsatz von durchschnittlich 10,5 Millionen Euro. Nicht mitgerechnet sind allerdings die unzähligen Pizza- und Sushi-Bringdienste, die den Schnitt senken würden. Doch auch so wird die Lieferbranche von kleinen und mittelgroßen Firmen geprägt.

Verschuldet: Lieferdienste verfügen einer Studie von Weinert und Partner zufolge im Schnitt über 4,97 Millionen Euro Eigenkapital und nehmen Fremdkapital in Höhe von 9,93 Millionen Euro in Anspruch. Die befragten Unternehmen bezeichneten zu 100 Prozent die Insolvenz als das höchste Unternehmensrisiko. 59 Prozent haben Angst vor Forderungsausfällen.

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