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Bub Gauweiler Die „gefürchtetste Wirtschaftskanzlei“ Deutschlands bricht auseinander

Die Kanzlei der Top-Anwälte Wolf-Rüdiger Bub und Peter Gauweiler löst sich auf – ein richtiges Statement fehlt. Trotzdem ist die Nachfolge bereits geregelt.
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Bub bezeichnet die Umstrukturierung der Kanzlei als „Aufwertung für unsere Mandanten“. Quelle: ddp images/dapd/Sebastian Widmann
Peter Gauweiler und Wolf-Rüdiger Bub

Bub bezeichnet die Umstrukturierung der Kanzlei als „Aufwertung für unsere Mandanten“.

(Foto: ddp images/dapd/Sebastian Widmann)

MünchenManchmal ist es in der Wirtschaft wie in langen Ehen. Die positive Energie der Anfangszeit wandelt sich irgendwann in negative Energie um. So ist es offenbar auch beim Ende der bekannten Münchner Kanzlei Bub Gauweiler: Nach Monaten schwieriger, auch quälender Verhandlungen löst sie sich auf. Die beiden Gründer, der 72-jährige Wolf-Rüdiger Bub und der 69-jährige Peter Gauweiler gehen getrennte Wege. Das hässliche Wort für eine solche Wirtschaftsscheidung: Liquidation.

Seit Anfang März wickelt die langjährige CSU-Größe Gauweiler, ein geschätzter Feuerkopf der Politik, mit den alten Gefährten die Kanzlei ab, während sein Partner neuen Landen entgegenstrebt. Es gibt einige gemeinsame Mandanten, deren Betreuung zu regeln ist.

Der von Professor Bub geführte Geschäftsbereich schließt sich mit der Frankfurter Kanzlei des 45-jährigen Merger-Spezialisten Peter Memminger zusammen. Unter dem Namen Bub Memminger & Partner werde den Kunden künftig „ein deutlich breiter gefächertes Leistungsspektrum“ geboten, heißt es in einer Presseerklärung.

Klassischerweise bot man vor allem Prozessführung und Litigation an, also die zugehörige Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Rechtsstreit. Nun kommen beispielsweise Mergers & Acquisitions, Private Equity und Venture Capital hinzu – also Unternehmenstransaktionen und außerbörsliches Risikokapital.

Offenbar hat Bub, dem eine Krankheit zu schaffen gemacht hat, nun eine Nachfolgeregelung gefunden. Der Honorarprofessor in Potsdam, der dem Dachverband Deutscher Immobilienverwalter als Ehrenpräsident dient und schöngeistige Literatur mag, hat als Investor in Immobilien und Start-ups ein großes Vermögen gemacht. Nun freue er sich, so Bub, „den Weg für eine erfolgreiche Zukunft der von mir 1981 gegründeten Kanzlei geebnet zu haben“. Es handele sich um einen „strategischen Schritt in Richtung auf die Kanzleinachfolge“ und um eine „Aufwertung für unsere Mandanten“ in Fragen rund um Unternehmenstransaktionen. Auf diesem Feld hatten die beiden neuen Partner schon mehrmals kooperiert.

Auch der profilierte Bub-Gauweiler-Prozessanwalt Franz Enderle wird Partner der neuen Einheit. In Berlin zog er mit Bub und dem Anwalt Thomas Meyer eine eigene Einheit hoch, die etwa Ernst-August von Hannover im Streit um das Welfenschloss mit dem eigenen Sohn vertritt.

Der populäre Gauweiler, der zum Beispiel mit europapolitischen Initiativen oder Anti-Kriegs-Bekenntnissen in der Öffentlichkeit Aufsehen erregt hat, wird in Bubs Presseerklärung minimal erwähnt. Zu einem gemeinsamen Statement hat es nicht mehr gereicht, ein persönliches Zitat fehlt, jegliche Verbindung scheint gekippt. Die Erfolge der Vergangenheit mehrten den Ruhm, womöglich aber auch Eitelkeiten.

Allem Anschein nach hat es wegen des Generationenwechsels in der Kanzlei, die zuletzt ohnehin eher eine Art Bürogemeinschaft war, erhebliche Differenzen gegeben. Ein Vertrauter erwartet, dass Gauweiler alleine weitermacht. Von ihm gibt es noch keine Äußerung.

Gauweiler war 1996 in die Kanzlei aufgenommen worden, in der Gründer Bub die Stimmenmehrheit behielt. Auch dank des CSU-Politikers erwarb sich die juristische Unternehmung in den vergangenen Jahren den Ruf „als gefürchtetste Wirtschaftskanzlei“ Deutschlands. Dies wurde vor allem mit jenen 920 Millionen Euro begründet, die Bub Gauweiler für die Erben des Medienunternehmers Leo Kirch in einer Schadensersatzklage gegen die Deutsche Bank erstritten. Die Kanzlei war auch für die bosnische Unternehmerfamilie Hastor aktiv gewesen oder für den Metro-Konzern gegen seinen inzwischen verstorbenen Großaktionär Erich Kellerhals.

Nun ist Gauweiler nur noch der Alt-Partner des Strategen Bub, Peter Memminger ist die neue Stütze. Wo der langjährige christsoziale Weggefährte politisches Gespür und Redegewalt einbrachte, liefert Memminger Detailwissen im An- und Verkauf von Firmenbeteiligungen. Er begleitet Family Offices oder vermögende Einzelpersonen bei Investments, etwa den Berater-Grandseigneur Roland Berger oder Paybackkarten-Erfinder Alexander Rittweger.

Memminger hat in Freiburg und Miami studiert, außerdem bei der Insead Business School in Singapur und Paris. Später wurde er Vorstandsassistent bei J.P. Morgan Chase; 2008 wurde er Partner der Kanzlei Milbank, die er vor gut zwei Jahren wieder verließ. Damals machte sich der Fusions- und Kapitalmarktexperte mit Nelson Holzner selbständig, der den Online-Zahlungsdienstleister BillPay gegründet hat. IT- und Medienrechtler Wolfgang Büchner stieg als Dritter in die Memminger LLP ein.

Nun hat Memminger - an der Schnittstelle von Prozessführung, M&A und Firmenberatung - ein großes Ziel. In neuer Aufstellung, ohne Gauweiler, soll sie in dieser Marktnische zu „einer führenden Sozietät Deutschlands“ aufsteigen, verkündet er.

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