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Business-Angel-Treffen So unterschiedlich sind die Finanzierungsbedingungen für Start-ups in Europa

Bei einem Treffen in München suchen Investoren-Netzwerke grenzüberschreitende Kooperationen. Denn die Finanzierungsmöglichkeiten unterscheiden sich von Land zu Land.
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Die Bedeutung von Business Angels bei der Finanzierung in der frühen Phase ist nach Einschätzung in der Szene in den vergangenen Jahren gewachsen. Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
Junge Unternehmer

Die Bedeutung von Business Angels bei der Finanzierung in der frühen Phase ist nach Einschätzung in der Szene in den vergangenen Jahren gewachsen.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

München Kurz nach ihrer Gründung sind Business Angels eine besonders wichtige Finanzierungsquelle für Start-ups. Diese Personen geben das erste externe Kapital und stehen den Jungunternehmen oft auch mit Know-how zur Seite. Europäische Business Angels wollen ihr Netzwerk nun noch enger knüpfen. „Die meisten Investoren sind lokal investiert – doch sie wollen ihren Horizont erweitern“, sagte Claire Munck vom Business Angels Europe Club dem Handelsblatt in München.

Durch mehr europäische Kooperation könnten die Investoren-Netzwerke von den Erfahrungen ihrer Kollegen profitieren und auch grenzüberschreitende Investments ermöglichen. „Wir alle wollen die besten Unternehmen mit dem besten Kapital zusammenbringen“, sagt sie.

Die Bedeutung von Business Angels bei der Finanzierung in der frühen Phase ist nach Einschätzung in der Szene in den vergangenen Jahren gewachsen. Viele Venture-Capital-Fonds sammelten immer mehr Geld – und suchten sich daher auch immer größere Engagements, sagte Carsten Rudolph, Geschäftsführer bei BayStartup. Damit wachse die Bedeutung der Business Angels bei den kleineren Investments.

Das Investorennetzwerk war Gastgeber der Versammlung des europäischen Bündnisses. Vom Erfahrungsaustausch könnten alle Netzwerke profitieren, da sie sehr unterschiedlich organisiert seien, mal zum Beispiel privat, mal eher öffentlich.

Bei grenzüberschreitenden Engagements von Business Angels sieht Rudolph allerdings noch „viele Hürden“. Da sei zum Beispiel schon die Sprachhürde, wenn es darum gehe, die französische Satzung eines Unternehmens zu lesen. Auch die Belgierin Munck sagt, dass in der sehr frühen Phase von Start-ups vor allem lokale Investoren von Bedeutung seien.

Schließlich seien externe Investoren skeptisch, wenn ein junges Unternehmen keine Finanziers im engeren Umfeld finde. In den späteren Phasen könnten aber auch grenzüberschreitende Engagements wichtig werden. Sie sieht in vielen Märkten vor allem eine Lücke in der Finanzierung, wenn die Engagements für Business Angels zu groß, für Venture-Capital-Gesellschaften aber noch zu klein seien.

BayStartup ist eines der aktivsten Investoren-Netzwerke in Deutschland. Im vergangenen Jahr ermöglichte es 50 Finanzierungsrunden mit rund 63 Millionen Euro Gründungs- und Wagniskapital. Davon kamen etwa zwei Drittel von Venture-Capital-Gesellschaften, öffentlichen Kapitalgebern und strategischen Investoren, der Rest von Business Angels.

Dem Netzwerk gehören etwa 300 private Business Angels und gut 100 institutionelle Investoren an. Laut Deutschem Startup-Monitor hat mehr als die Hälfte der neugegründeten Unternehmen in Deutschland externes Kapital aufgenommen, bei gut jedem fünften ist ein Business Angel an Bord.

Der Business Angels Europe Club hat gut ein Dutzend Mitglieds-Organisationen aus elf Ländern, die für Netzwerke mit insgesamt mehr als 3500 Investoren stehen. Die Finanzierungsbedingungen sind in den einzelnen Ländern höchst unterschiedlich.

In der Frühphase sei zum Beispiel in Belgien von Steuererleichterungen getrieben zu viel Geld unterwegs, sagte Munck.

Wichtig sei es für die Start-ups da, Business Angels zu finden, die nicht nur Geld geben, sondern dem Unternehmen auch einen Teil ihrer Zeit widmen und die Entwicklung kritisch begleiten. Dies erhöhe auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie bei der nächsten Finanzierungsrunde mitziehen.

Italienische Start-ups werden früh übernommen

Ganz anders sieht die Situation in Italien aus. Der Markt für Venture Capital sei unterentwickelt, sagte Valerio Caracciolo von den Italian Angels for Growth, dem derzeit etwa 200 Investoren angehören. Zwar seien die Privathaushalte vermögend. Doch investierten die Italiener zum Beispiel lieber in Immobilien und Staatsanleihen.

Die Folge: Viele Start-ups siedelten gleich im Ausland – zum Beispiel in Berlin oder Paris – an, oder sie würden früh von ausländischen Firmen übernommen und verschwänden früh als eigenständiges Unternehmen. Eine Business-Angel- und Venture-Capital-Kultur müsse erst noch entwickelt werden.

Deutlich aktiver ist die Szene in Frankreich. Die Paris Business Angels zum Beispiel prüften im vergangenen Jahr zum Beispiel mehr als 600 Start-ups, 84 stellten sich in einem Pitch vor. Schließlich wurden 21 Investments mit einem Gesamtvolumen von 13 Millionen Euro eingesammelt.

Die Vereinigung plane gerade eine digitale Plattform, zudem sollten die Partnerschaften mit Investment-Fonds verstärkt werden, sagte Sylvain dee Chadirac. Die europäische Vernetzung sei eine Chance, auch Business Angels außerhalb Frankreichs zu finden und französischen Investoren den Zugang zu interessanten Unternehmen im Ausland zu vermitteln.

Die Angels Santé aus Frankreich investieren nur in Start-ups im Gesundheitssektor. Das Netzwerk sieht sich jedes Jahr etwa 100 Projekte an, in etwa acht Prozent der Fälle kommt ein Investment zustande.

Für die Organisation ist grenzübergreifende Finanzierung schon selbstverständlich, es ist Mitglied im European Institute of Innovation & Technology und versucht gerade, ein europäisches Netzwerk aus Business Angels, Family Offices, Venture Capital und Corporate Venture im Healthcarte-Segment zu knüpfen. „So können wir unseren Start-ups eine größere Reichweite geben – und unseren Investoren einen schnelleren Exit ermöglichen“, sagte Caroline Sai von der Vereinigung.

Mehr: Ein Konsortium aus Wissenschaftlern, Beratern und Unternehmen plant eine DIN-Norm für Start-ups. Das Deutsche Institut für Normung ist dazu in Gesprächen mit dem Wirtschaftsministerium. Gründer halten davon wenig.

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