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Caroobi-Gründer Nico Weiler und Mark Michl „Wir wollen dem Kfz-Meisterbetrieb alles aus einer Hand bieten“

Die Gründer der digitalen Autowerkstatt Caroobi sprechen über ihre neuen Investoren und ihren Einstieg ins B2B-Geschäft.
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2015 gründeten sie ihre digitale Autowerkstatt Caroobi. Quelle: Caroobi
Nico Weiler (links) und Mark Michl

2015 gründeten sie ihre digitale Autowerkstatt Caroobi.

(Foto: Caroobi)

DüsseldorfDie beiden Caroobi-Gründer Nico Weiler (28) und Mark Michl (27) geben sich sehr entspannt, die Verhandlungen mit neuen Geldgebern liegen nun endlich hinter ihnen. 2015 gründeten sie ihre digitale Autowerkstatt, im vergangenen Jahr gewannen sie unter anderem BMW als Geldgeber. Nun gehen sie einen Schritt weiter und wollen selbst zum Ersatzteile-Händler werden. Das Interview findet per Telefonkonferenz von Handy zu Handy statt.  

Herr Weiler, Herr Michl, om vergangenen Jahr hat Caroobi bereits von BMW, DN Capital und Cherry Ventures einen zweistelligen Millionenbetrag eingesammelt. Wofür haben Sie das ganze Geld ausgegeben?
Nico Weiler: Wir haben inzwischen 130 Mitarbeiter, davon 40 Kfz-Mechaniker, die eine Erstdiagnose stellen. Wir suchen nicht nur immer mehr Werkstätten, die mitmachen, sondern wir wollen künftig nicht nur für den Kunden, sondern auch für den Kfz-Meisterbetrieb alles aus einer Hand bieten. 

Sie meinen ihre neue B2B-Autoteile-Plattform, die sie vor drei Monaten ohne öffentliche Ankündigung auf den Markt gebracht haben und bei der alle, also nicht nur die Caroobi- Werkstätten, ihre Teile kaufen können?
Mark Michl: Ja, das ist ein großer Schritt für uns, aber noch ein viel größerer für die Kfz-Betriebe. Bislang gab es 1000 Zwischenhändler, jeder Betrieb hatte drei, vier Händler, bei denen er Teile kaufte. Der Teile-Markt ist ineffizient und intransparent für die Werkstätten und ihre Kunden. Das wollten wir ändern. Wenn die Werkstatt bei Caroobi kauft, kann sie im Prinzip bei 100 Herstellern und Händlern kaufen, und wir sind der einzige Zwischenhändler.

Man könnte es aber auch so deuten, dass sie erstens die Werkstätten immer abhängiger machen wollen…
Nico Weiler: Quatsch, der gesamte Aftersales-Markt ist riesig, 1,2 Billionen Dollar weltweit und kundenunfreundlich und intransparent. Wir wollen den Werkstätten helfen und sind nach drei Monaten der größte Autoteile-Händler, der keine Teile besitzt.

Aber warum sollte man dann bei Caroobi und nicht direkt beim Hersteller oder Großhändler kaufen, wenn dann doch sehr kleine Bestellungen anfallen, also der Arbeitsaufwand sich auf beiden Seiten nicht verringert?
Mark Michl: Der Markt ist jetzt noch ganz anders. Die Kfz-Werkstätten sind derzeit von großen Teileherstellern und -händlern abhängig, die über kleinere Händler an die einzelnen Werkstätten liefern, das ist ein hoher bürokratischer Aufwand. Dabei wollen die meisten einfach nur das tun, was sie am besten können: Autos reparieren.

Also setzen Sie zunehmend auf das B2B-Geschäft. Glauben Sie selbst nicht mehr an die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells der Online-Autoreparatur?
Mark Michl: Doch natürlich, beide Geschäftsmodelle sind komplementär, eng verbunden und wachsen konstant. Aber wenn das eine läuft, dann läuft das andere noch besser. Wir können den Werkstätten beides abnehmen. 

Aber im Autoteile-Geschäft ist die Konkurrenz auch noch größer?
Mark Michl: Wir fokussieren uns erst einmal auf den Ausbau unserer eigenen Plattform. Caroobi verfügt über 750 Werkstätten die alle mit unserer Software arbeiten und ihre Teile über uns beziehen. Selbst Nicht-Caroobi-Werkstätte beziehen Ersatzteile über uns, da wir mit unserer Software überzeugen.  

Also bieten Sie demnächst auch noch die Steuererklärung an? Das schafft natürlich auch totale Abhängigkeit der Werkstätten von Caroobi.
Nico Weiler: Die wollen das tun, was sie am besten können, wir machen den Rest, das ist doch fair.

Sie sagen, Sie haben 750 Werkstätten in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter Vertrag. Allein in Deutschland gibt es mehr als 21.000 freie Werkstätten und mehr als 16.000 Vertragswerkstätten ….
Nico Weiler: Das ist eine Sache der Perspektive. Unsere Werkstätten sind von uns streng geprüft. Wir haben rund 30 Kriterien, die eine Werkstatt erfüllen muss, schließlich garantieren wir den Kunden Qualität, Zeitrahmen und Festpreis. Wir haben nicht das Ziel, alle Werkstätten aufzunehmen.

Die Konkurrenz von Autoreparaturen.de und Fairgarage haben mehr Werkstätten unter Vertrag….
Mark Michl: Ja aber sie sind nur ein Vermittler. Caroobi ist direkter Vertragspartner eines Kunden, wir stehen also selbst bei Problemen ein und sind bereits vom TÜV mit der Note 1,8 bewertet worden. Das schafft wesentlich mehr Vertrauen. 

Und viele Zwischenhändler werden durch Caroobi vom Markt verschwinden...
Mark Michl: Ja, es könnten durchaus Zwischenhändler verschwinden, zum Vorteil von Werkstätten und Kunden.

Aber wenn doch mal ein anderes Teil defekt ist, als ursprünglich angenommen, dann gilt doch auch bei Caroobi der Festpreis nicht.  
Nico Weiler: Unsere Angebote sind sehr spezifisch. Wenn etwas anders am Auto kaputt ist, das nicht mit unserem Auftrag zu tun hat, dann erstellen wir dafür ein neues Angebot.

Was ist, wenn wir künftig alle elektrisch fahren, dann brauchen wir doch viel weniger Teile?
Mark Michl: Das mag sein, aber sie sind wesentlich aufwändiger auszutauschen und auch teurer. Es wird also auch im Zeitalter der Elektromobilität noch genug zu tun geben. Wir freuen uns auf die E-Mobilität.

In der Start-up-Szene hört man, dass Sie nicht nur 20 Millionen vor allem von  Nokia bekommen, sondern mit Gerhard Cromme einen prominenten Manager der Old Economy als Investor und Aufsichtsrat gewinnen konnten, stimmt das?
Mark Michl:  Es ist richtig, dass Herr Dr. Cromme an Bord kommt, allerdings wollen wir uns hierzu nicht weiter äußern. 

Herr Michl, Herr Weiler, vielen Dank für das Interview.

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