Coffee Perfect Kaffeekrimi in Osnabrück – zwei Manager machen ihrem Ex-Arbeitgeber Konkurrenz

Frustriert verließen zwei Manager den Maschinenverleih Kaffee Partner und gingen zur Konkurrenz. Das passte dem Ex-Arbeitgeber nicht: Er klagte und heuerte Detektive an.
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Sie sind die Inhaber von Coffee Perfect: Marc Beimforde (l.) und Jan-Dirk Büsselmann. Lieber führen sie ein Familienunternehmen als eine Firma, die Finanzinvestoren gehört. Quelle: CP Group
Kaffee-Manager

Sie sind die Inhaber von Coffee Perfect: Marc Beimforde (l.) und Jan-Dirk Büsselmann. Lieber führen sie ein Familienunternehmen als eine Firma, die Finanzinvestoren gehört.

(Foto: CP Group)

OsnabrückDie Geschichte, die die Kaffee-Manager Marc Beimforde und Jan-Dirk Büsselmann aus Osnabrück zu erzählen haben, klingt wie ein schlechter James-Bond-Film. „Sobald wir die Firma verließen, hefteten sich Privatdetektive an unsere Fersen. In der Mittagspause im Café versuchte jemand, unsere Gespräche mitzuhören. Wenn wir morgens die Jalousien hochzogen, saß vorm Haus ein Detektiv mit Fernglas und Kamera im Auto“, erzählen beide rückblickend amüsiert.

Doch vor drei Jahren war den beiden Fast-zwei-Meter-Männern gar nicht zum Lachen zumute. „Über Monate wurden wir rund um die Uhr überwacht, um uns einzuschüchtern.“

Als Auftraggeber der Detektive vermuten die beiden ihren Ex-Arbeitgeber Kaffee Partner. Der verleiht Tisch-Kaffeemaschinen und Frischwasserspender für Büros. Kaffee Partner, das zwei Finanzinvestoren gehört, will sich auf Anfrage zu den Vorwürfen und dem Streit nicht äußern. Dieser begann, als die beiden Geschäftsführer das Unternehmen Anfang 2015 verließen und einige Zeit später in gleicher Funktion bei Coffee Perfect anfingen – die Firma hat ein ähnliches Geschäftsmodell, ist aber in Familienhand.

Das Pikante: Coffee Perfect, entstanden 1998, gehört den Kindern der beiden Gründer von Kaffee Partner. Andreas Ost und Michael Koch hatten ihr Unternehmen Kaffee Partner 2014 jedoch frustriert komplett an zwei Finanzinvestoren verkauft, die bereits die Mehrheit hielten. Auch die angestellten Geschäftsführer Beimforde und Büsselmann fühlten sich unter den Finanzinvestoren zunehmend unwohl und kündigten bei Kaffee Partner.

Heute arbeiten die Manager wieder bei den vertrauten Unternehmerfamilien Ost und Koch. Bei Coffee Perfect sind sie angetreten, ihren Ex-Arbeitgeber Kaffee Partner als Marktführer vom Thron zu stoßen. Ein Konkurrenzkampf Familienunternehmen versus Investoren-Unternehmen.

Kunden sind vor allem Mittelständler, aber auch große Konzerne oder sogar einzelne Verbraucher setzen auf die Kaffeevollautomaten von Coffee Perfect. Quelle: Coffee Perfect
Vollautomaten von Coffee Perfect

Kunden sind vor allem Mittelständler, aber auch große Konzerne oder sogar einzelne Verbraucher setzen auf die Kaffeevollautomaten von Coffee Perfect.

(Foto: Coffee Perfect)

Doch der Reihe nach: Andreas Ost und Michael Koch gründeten Kaffee Partner im Jahr 1973. Ihr Geschäftsmodell hatte Erfolg, denn immer mehr Firmen gönnten ihren Mitarbeitern Kaffee aus professionellen Vollautomaten. Kaffee Partner wuchs über die Jahre, die Gründer wollten zukaufen.

Um die Übernahme finanziell stemmen zu können, holten sie den Investor Bridgeport an Bord. Dessen Anteil wurde mehrfach weiterverkauft etwa an Odewald & Compagnie. „Je erfolgreicher ein Unternehmen, desto schneller wird es bei Finanzinvestoren durchgereicht“, so rückblickend das Fazit von Andreas Ost.

„Das war nicht mehr unsere Firma“

2010 gaben Ost und Koch auch die Mehrheit an die Schweizer Mittelstandsinvestoren Capvis Equity und Partners Group ab. „Erst lief die Zusammenarbeit gut, aber neue Leute bei Capvis mischten sich immer mehr ins Geschäft ein“, erzählt Ost. „Deshalb wollten wir unsere Firma retten und zu einem vernünftigen Preis zurückkaufen.“ Das klappte jedoch nicht. Frustriert verkauften die Unternehmer ihre letzten Anteile. „Das war nicht mehr unsere Firma“, sagt Ost.

Der Abschied der Gründer sorgte in der Belegschaft von Kaffee Partner für Unruhe. Die verstärkte sich, als auch noch die Geschäftsführer Beimforde und Büsselmann kündigten. „Man hatte uns eine Beteiligung versprochen, aber wir sollten uns zu einem hohen Preis und Risiko einkaufen“, begründen beide ihren Weggang.

Nach einer Weile stiegen Beimforde und Büsselmann als Geschäftsführer von Coffee Perfect bei den Unternehmerfamilien Ost und Koch ein. Zu denen haben sie großes Vertrauen – anders als zu den Finanzinvestoren. Coffee Perfect gehört den Kindern Rebecca Ost und Lennard Koch und war eigentlich auf den Vertrieb von Kaffeemaschinen für Privatleute spezialisiert. „Wir wollten das ‚Zalando für Kaffeemaschinen‘ werden“, erzählt Andreas Ost.

Viele Millionen Euro wurden in Logistik investiert, doch es lief nicht so recht. „Weil nun viele enttäuschte Vertriebler von Kaffee Partner zu Coffee Perfect wechselten, hatten unsere Kinder und Marc Beimforde und Jan-Dirk Büsselmann die Idee, auch für Firmen Kaffeemaschinen anzubieten.“ Sprich: Sie wollten ihrer alten Firma direkt Konkurrenz machen.

Das Delikate daran: Beide Kaffee-Konkurrenten saßen anfangs im selben Gebäude, dem weißen „Untertassenhaus“ in der Kaffee-Partner-Allee 1 nahe am Osnabrücker Hafen. Coffee Perfect im dritten Stock, Kaffee Partner darunter. Denn das Haus gehört den Gründerfamilien Ost und Koch. Die räumliche Nähe führte unweigerlich zu Spannungen.

Kaffee Partner ging juristisch gegen seine beiden ehemaligen Geschäftsführer vor. „Uns wurde rechtswidriges Geschäftsgebaren vorgeworfen, wir hätten ein Komplott geschmiedet“, erzählen Beimforde, 42, und Büsselmann, 47. Beide wurden von Kaffee Partner verklagt. Der „Kaffeekrieg von Osnabrück“, wie die „Neue Osnabrücker Zeitung“ titelte, kochte bis zum Oberlandesgericht hoch.

Obwohl bei ihrem Firmenaustritt das zweijährige Wettbewerbsverbot aufgehoben worden war, sollten Beimforde und Büsselmann nicht sofort wieder in der Branche arbeiten dürfen, verlangte ihr Ex-Arbeitgeber Kaffee Partner. Vor dem Oberlandesgericht Oldenburg gab es einen Vergleich. Beide Manager blieben ein Jahr der Branche fern, Kaffee Partner musste sie dafür entschädigen.

„Was da in Osnabrück passiert ist, ist schon sehr erstaunlich“, meint Klaus Eilers. Er ist als Berater in der Kaffeebranche tätig und hat den Konflikt beobachtet. „Dabei ist ein neuer Mitbewerber im Markt nichts Ungewöhnliches – gerade in unserer sehr fragmentierten Branche mit rund 600 Firmen hierzulande.“ Von Coffee Perfect war es aber sicher unklug, im selben Haus als Wettbewerber zu agieren, urteilt Eilers.

Nach einjähriger Branchenabstinenz machten die Kaffee-Manager im Herbst 2016 sofort bei Coffee Perfect weiter. Heute residieren sie 600 Meter entfernt vom „Untertassenhaus“ im Blickfeld des Rivalen. Stolz führen Beimforde und Büsselmann durch die Räume.

Die Firma ist inzwischen von acht auf 227 Mitarbeiter gewachsen. Eine dreistellige Zahl von ehemaligen Kollegen sei von Kaffee Partner „übergelaufen“. Gegen den Vorwurf, sie hätten gezielt Mitarbeiter abgeworben, verwahren sie sich. „Wir konnten gar nicht alle nehmen, die sich beworben haben“, sagt Beimforde.

Neuling Coffee Perfect hat sich rasant entwickelt. Lag der Umsatz 2015 noch bei sechs Millionen Euro, waren es 2017 bereits 28 Millionen Euro. Es gibt mehr als 8000 Kunden. „Das gigantische Wachstum von Newcomer Coffee Perfect hat mich schwer beeindruckt. So etwas habe in der Branche noch nicht erlebt“, sagt Berater Eilers. Das Geschäft für Kaffeevollautomaten im Büro wachse sehr stark, sei aber hart umkämpft.

Neben Kaffee Partner gehören Röster wie Dallmayr, Tchibo und Seeberger zu den Marktführern. An den Umsatz von Kaffee Partner reicht der Newcomer aber noch lange nicht heran. Der Platzhirsch macht nach eigenen Angaben mit rund 530 Mitarbeitern mehr als 100 Millionen Euro Umsatz.

„Ohne gute und zuverlässige Versorgung mit Kaffee läuft es in keiner Firma heute“, weiß Branchenexperte Eilers. Etwa eine Million Betriebe gibt es hierzulande, die als Kunden infrage kommen. Von denen haben die meisten Kaffeemaschinen für den Hausgebrauch aufgestellt. „Die sind wie Tamagotchis und verlangen ständig: Reinige mich, entkalke mich! Das nervt alle“, meint Büsselmann. Coffee Perfect bietet Maschinen, die man täglich einfach per Knopfdruck reinigt.

Ziel: Marktführer werden

Kunden sind vor allem Mittelständler, aber auch Großkunden wie die Westfalen AG, die RAG oder Rheinbahn. „Wir bieten das Rundum-sorglos-Paket. Alle unsere Automaten sind vernetzt und funken Verbrauchsdaten und Fehler. Die Hälfte der Kunden wird automatisch beliefert. 60 Prozent aller Störungen können wir aus der Ferne per Telefon lösen“, so Beimforde.

Coffee Perfect habe damit vom ersten Tag an alles richtig gemacht, meint Eilers. Die Wettbewerber rüsteten hier erst schrittweise nach. Auch die Vertragslaufzeiten von Coffee Perfect sind flexibler als die vieler Konkurrenten. „Die Branche krankte an starren Verträgen, das haben wir aufgelöst und das bringt uns viele Kunden“, so Beimforde.

Die beiden Geschäftsführer, die inzwischen auch an Coffee Perfect beteiligt sind, haben ehrgeizige Ziele: „Bald wollen wir Marktführer in Deutschland sein.“ Eilers hält das für durchaus realistisch. Die Frage sei, in welcher Zeitschiene. In der Branche zähle Geschwindigkeit. „Oft sind die Entscheidungswege in einer Firma, die von Finanzinvestoren kontrolliert wird, eben länger als in einem Familienunternehmen“, meint Eilers.

Beide Kaffee-Manager ergänzen sich gut. Marc Beimforde, promovierter Betriebswirt, ist laut Branchenkenner Eilers ein passionierter Vertriebs- und Marketingstratege. Jan-Dirk Büsselmann, zuvor Vertriebsmanager bei Metro und Lekkerland, gilt als strukturierter Zahlenmensch. „Und beide sind Kämpfernaturen“, betont Unternehmer Ost.

Und natürlich Kaffeeliebhaber, wenn auch in Maßen. 162 Liter trinkt jeder Deutsche laut Statista im Schnitt im Jahr. Noch mehr konsumieren die Dänen – mehr als 200 Liter. Dort ist Coffee Perfect kürzlich in den Markt eingestiegen. Auch Osteuropa und die Schweiz werden sondiert. Beimforde: „Unser langfristiges Ziel: Marktführer für betriebliche Kaffeeversorgung in Europa.“

Konkurrent Kaffee Partner, wo im Mai erneut die Geschäftsführung wechselte, will ebenfalls weiter wachsen. Im Visier sind die Beneluxländer und Skandinavien. „Auch Kaffee Partner geht es gut“, betont Ost, der ehemalige Eigentümer. „Das freut mich besonders für die Mitarbeiter. Und Kaffee Partner soll ja auch pünktlich die Miete bei uns zahlen.“

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