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Coronakrise Selbst solide Mittelständler geraten in Existenznot

Schon vor der Pandemie schwächelte jeder dritte Mittelständler. Nun bangen auch gesunde Unternehmen um ihr Überleben. Eine Marktbereinigung droht.
20.04.2020 - 04:05 Uhr 1 Kommentar
Corona: Solide Mittelständler geraten in der Krise in Existenznot Quelle: dpa
Recaro-Flugzeugsitze

Der Mittelständler ist eines von vielen gesunden Unternehmen, die durch die Pandemie unverschuldet in Not geraten sind.

(Foto: dpa)

Düsseldorf „Vor Corona war unsere Auftragslage sehr gut und unsere Produktion an allen Standorten gut ausgelastet“, sagt Mark Hiller, geschäftsführender Gesellschafter von Recaro Aircraft Seating aus Schwäbisch Hall. Der Weltmarktführer für Flugzeugsitze der Economy Class beschäftigt weltweit 2600 Mitarbeiter. Doch seit Ausbruch der Pandemie hängt Recaro in der Luft.

Fast der komplette Flugverkehr ruht. „Unsere Kunden Boeing und Airbus haben ihre Werke temporär geschlossen. Sie stornieren oder verschieben Aufträge“, sagt Hiller. „Das führt bei uns zu massiven Umsatzeinbußen und enormem Kostendruck.“ Mit Kurzarbeit, Gehaltsverzicht der Führungskräfte und anderen Sparmaßnahmen versucht Recaro, sich für die Zukunft abzusichern.

Der Mittelständler ist eines von vielen gesunden Unternehmen, die durch die Pandemie unverschuldet in Not geraten sind. „Die Coronakrise stellt alle bisherigen Krisen von Öl- bis Finanzkrise in den Schatten“, konstatiert Sebastian Theopold, Geschäftsführer der Mittelstandsberatung Munich Strategy. Den Mittelstand trifft das Virus besonders hart.

45 Prozent der mittelgroßen Firmen in Deutschland sind existenzbedroht. Schon vor der Pandemie gehörten 35 Prozent des Mittelstands zu den Low Performern. Denen raubt die Coronakrise nun die letzte Kraft. Durch die Schließungen kommen weitere zehn Prozent an Unternehmen hinzu, die bisher gesund waren und nun Existenzangst haben. Auch sie werden zu potenziellen Übernahmekandidaten. Das zeigt eine Studie von Munich Strategy, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

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    „Dem Mittelstand steht eine epochale Neuordnung bevor, die mit der umfassendsten Marktbereinigung seit der Weltwirtschaftskrise 1929 einhergeht“, warnt Studienleiter Theopold.
    Munich Strategy hat in einem Stresstest mehr als 3500 mittelständische Firmen von zehn Millionen bis zwei Milliarden Euro Jahresumsatz aus allen Branchen analysiert. Basis bildet die Mittelstandsdatenbank, die mit veröffentlichten Leistungs- und Strategiedaten gespeist wird.

    Vielfalt wird schwinden

    Vor der Coronakrise war der gehobene Mittelstand dreigeteilt: Zu den Leuchttürmen zählt jedes zehnte Unternehmen. Diese Wachstumschampions haben im Schnitt der Jahre ab 2014 ein Umsatzplus von 13,5 Prozent und eine Ertragsquote (Ebitmarge) von 14,2 Prozent erreicht. Die Eigenkapitalquote lag zuletzt bei durchschnittlich 51 Prozent.

    Leuchttürme streuen ihre Risiken – nach Produkten, Lieferanten, Kunden und Regionen. Bei Übernahmen hätten sie sich maßvoll verhalten, um ihre Finanzkraft zu schonen, so Theopold. Selbst in der Hochkonjunktur hätten sie regelmäßig ihre Effizienz verbessert.

    Zu den Low Performern zählte bisher jeder dritte Mittelständler. Sie hatten schon vor Corona mit einem Umsatzschwund von im Schnitt 0,3 Prozent pro Jahr zu kämpfen, bei einer Ertragsquote von mageren drei Prozent. Die Eigenkapitalquote lag zuletzt bei 35 Prozent. Ihr Geschäftsmodell hat deutliche Defizite.

    Die Low Performer mutieren durch die Pandemie zu Zombie-Firmen. „Die Coronakrise ist Auslöser und Verstärker, nicht aber die Ursache für ihre jetzige Existenznot“, betont Theopold. Viele dieser Mittelständler werden in den nächsten Monaten aus dem Markt ausscheiden, glaubt der Berater. Die Firmen wurden durch die lange gute Konjunktur, billiges Geld und die laxe Kreditvergabe künstlich am Leben gehalten.

    55 Prozent der Mittelständler gehören zur Kompaktklasse. Sie haben eine solide Wachstums- sowie Ertragsquote von im Schnitt 6,5 Prozent in den letzten Jahren. Durch den Schock der Coronakrise werden zehn Prozent der Mittelständler zu „Wackelkandidaten“.

    Insolvenz von Zombies
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    1 Kommentar zu "Coronakrise: Selbst solide Mittelständler geraten in Existenznot"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Unsere Politik fährt das Land mit voller Fahrt an die Wand, gefangen in ihrer Bubble. Die Hysterie vieler Menschen ist voll auf die Politik übergesprungen. Hoffentlich zerlegt es die am meisten die jetzt noch am lautesten nach weiteren und anhaltenden Restriktionen schreien. Ich frage mich, wollen wir dieses Theater nun jedes Jahr veranstalten ? Das konnte mir noch keiner erklären, ebenso wenig den Sinn der verschiedenen Maßnahmen.

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