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Coronakrise Warum vor allem Digital-Health-Start-ups um ihre Existenz bangen

Trotz weiterer Liquiditätshilfen sieht sich die Szene in ihrer Existenz bedroht und stellt eine weitreichende Forderung – zum Unmut der Krankenkassen.
02.04.2020 - 09:57 Uhr Kommentieren
Neuer Digital-Fonds geht für deutsche Gründer an den Start Quelle: dpa
Start-ups

Führt die Coronakrise die Digital-Health-Szene in den Abgrund?

(Foto: dpa)

Düsseldorf Das Geschäft boomt, und trotzdem herrscht Krisenstimmung: Was nach einem Widerspruch klingt, ist für viele deutsche Start-ups, die digitale Lösungen für die Gesundheitsversorgung entwickeln, Realität. Nie war der Ansturm auf Telemedizin und Gesundheits-Apps so groß wie in der Coronakrise. Das Münchener Start-up Teleclinic berichtet von einem 210-prozentigen Anstieg der Nachfrage nach seinem Angebot für Videotelefonate mit Ärzten.

Aber ausgerechnet die Coronakrise ist es, die die jungen Unternehmen in Existenznöte treibt. „Bei unseren Mitgliedern, egal welcher Größe, gibt es vielfach unmittelbare existenzbedrohliche Situationen“, warnt Paul Brandenburg, Vorstand des Spitzenverbands Digitale Gesundheitsversorgung.

Die Branche ist jung, viele Unternehmen verdienen mit ihren Produkten noch kein Geld. „Vom Tagesgeschäft können die Start-ups deshalb meist noch nicht überleben und sind auf Kapitalgeber angewiesen“, sagt Henrik Matthies, Geschäftsführer des Health Innovation Hub (HIH), des Digitalisierungsablegers des Bundesministeriums für Gesundheit. „Viele standen vor Finanzierungsrunden, die jetzt ausfallen.“ Corporate-Kapitalgeber stecken zum Teil selbst in finanziellen Schwierigkeiten, Risikokapitalgeber wollen lieber die Rezession aussitzen und frieren ihre Investments ein.

Die boomende Nachfrage ändert in den meisten Fällen nichts an der Abhängigkeit von Geldströmen, weil Start-ups nicht alle Verbindlichkeiten decken können oder ihre Dienste während der Krise kostenfrei anbieten. In einer Umfrage des Bundesverbands Deutsche Startups unter 1 000 jungen Unternehmen gaben 80 Prozent an, dass die Krise für sie existenzgefährdend sei.

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    Von dem 600 Milliarden Euro schweren Corona-Rettungsschirm profitiert kaum eines der jungen Gesundheits-Start-ups, weil eine Marktkapitalisierung von mindestens 50 Millionen Euro vorausgesetzt wird. Der Bund will zwar für Start-ups aller Größen mit zwei Milliarden Euro in einem Matching-Fonds nachlegen, mit dem Investments mit Fördergeld aufgestockt werden sollen.

    Sofortige Erstattung gefordert

    „Doch staatliche Unterstützung bei einem Investment nutzt nichts, wenn es keine Investments mehr gibt“, sagt Markus Müschenich, geschäftsführender Gesellschafter des Inkubators Flying Health. Außerdem dürften Kapitalgeber nicht operativ in das Management eingreifen: „Das wäre gerade bei unerfahrenen Unternehmern dringend geboten, weil vielen die Erfahrung fehlt, um sich selbst aus einer Krise herauszumanövrieren“. Müschenich will deshalb mit einer Holding selbst kriselnde Gesundheits-Gründer retten.

    Auch der Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung hält Finanzhilfen für unzureichend. Viele Start-ups seien auf die Geschäfte angewiesen, die das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) möglich machen soll: Bestimmte digitale Gesundheitsanwendungen werden erstmals von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattet.

    Am Dienstag hatte das Gesundheitsministerium die finale Rechtsverordnung zum DVG vorstellen wollen, der Termin wurde wegen der Krise aber verschoben. Brandenburg meint: „Ich halte es nicht für realistisch, dass die Regelerstattung digitaler Gesundheitsanwendungen noch in diesem Jahr starten wird.“

    Dabei sei das DVG die einzige Aussicht auf Rettung, weil Investoren sonst massiv und dauerhaft das Vertrauen verlören. Da helfe der Ausbau des Rettungsschirms nicht. „Zu Beginn der Krise haben wir uns vom Gesundheitsministerium und vom HIH noch sehr unterstützt gefühlt, doch mittlerweile ist da kaum noch etwas zu hören. Es scheint, als habe die Bundesregierung das Thema ‚Digital Health‘ fallen gelassen“, poltert Brandenburg.

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    Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem exklusiven Fachbriefing Handelsblatt Inside Digital Health. Zweimal in der Woche analysieren wir dort die neuesten Entwicklungen im Bereich digitale Gesundheit.

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    Deshalb brauche es eine andere schnelle Lösung: Die GKV solle ab sofort alle als Medizinprodukt zugelassenen digitalen Gesundheitsanwendungen für die Dauer der Krise erstatten. Der Verband fordert, die geplanten mehr als 100 Kriterien, die das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für die Freigabe einer Anwendung künftig prüfen soll, vorerst zu ignorieren.

    Bei den Krankenkassen trifft der Vorstoß auf Unverständnis. „Wenn die Digitallobby eine beschleunigte Erstattung von bisher nicht bewerteten Anwendungen ohne Nutzennachweis und Qualitätsprüfung fordert, dann klingt das nach ökonomischer Trittbrettfahrerei“, sagt der Vorsitzende des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch.

    Eine Abfuhr erteilt auch der GKV-Spitzenverband: „Im Moment gibt es für uns keine Erkenntnisse, dass der Aufbau der digitalen Versorgung mittels Apps durch die Coronakrise negativ beeinflusst wird. Hier müssen erst Erfahrungswerte entstehen, bevor man sagen kann, dass etwas nicht klappt.“

    Das BfArM beruhigt derweil: Ab Mitte April sollen Gründer Anträge einreichen können, drei Monate dauert die Bearbeitung. Der HIH kündigte an, dass die Vorstellung der Rechtsverordnung für den 22. April geplant ist. Spätestens dann kann es für die Gründer also losgehen. Für die Start-ups ist die Krise also ein Spiel auf Zeit.

    Mehr: Welche Chiphersteller von der Coronakrise profitieren – und welche leiden.

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