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Coworking Wie sich eine israelische Traditionsidee im deutschen Markt etabliert

Coworking gehört zu den Megatrends der künftigen Arbeitswelt. Dan Zakai hat das erkannt. Der deutsche Markt ist für den Israeli besonders interessant.
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Von den Räumen in Tel Aviv ging die Expansion an weitere Standorte aus. Quelle: Mindspace
Mindspace in Tel Avuv

Von den Räumen in Tel Aviv ging die Expansion an weitere Standorte aus.

(Foto: Mindspace)

Tel Aviv, DüsseldorfIm Kibbuz gehört allen alles, jeder ist gleich und keiner soll mehr haben als der andere. Diese Siedlungen, in denen sich jüdische Familien aus aller Welt organisierten, gehören zu Israels Gründungsgeschichte. Aber heute ist der Großteil der Kibbuzim privatwirtschaftlich organisiert. Im Zuge einer sich immer weiter digitalisierenden Welt scheint sich nun auch die Idee des Kibbuz eine neue Spielart gesucht zu haben: Coworking.

An Häuserfassaden und Schaufenstern überall in Tel Aviv ist jedenfalls das Schlagwort zu lesen. Die vorherrschenden Anbieter in der israelischen Metropole sind das US-Unternehmen WeWork und sein israelischer Herausforderer Mindspace. WeWork ist das prominenteste Beispiel.

Mit seinem Geschäftsmodell hat sich WeWork einen Platz auf der Liste der wertvollsten Jungunternehmen gesichert: Ende 2017 lag die Bewertung bei knapp 20,2 Milliarden US-Dollar. Bei den US-Start-ups lagen nur noch Uber, Airbnb und Elon Musks SpaceX vor dem Coworking-Anbieter. Laut Medienberichten soll Softbank über eine Mehrheitsbeteiligung nachdenken, der Technologiekonzern hat bereits 4,4 Milliarden US-Dollar in den Anbieter gesteckt.

Die Investitionsfreude setzt auf die Annahme, dass Coworking zu den Megatrends der zukünftigen Arbeitswelt gehören wird. Laut dem Marktforscher Emergent Research betrug die Anzahl der Coworking-Spaces im Jahr 2016 weltweit rund 11.000, bis zum Jahr 2020 soll sie auf über 26.000 ansteigen.

Adam Neumann ist der Co-Gründer von WeWork und bezeichnete sein Start-up einmal scherzhaft als „eine Art kapitalistisches Kibbuz“. Er muss es wissen: Der gebürtige Israeli wuchs in einer solchen Siedlung im Süden des Landes auf. Auch im Coworking wird geteilt: Büroraum, Kochkurs und Kaffeemaschine – nicht für die sozialistische Idee, sondern gegen Geld. Willkommen im Kibbuz 4.0.

Vom Banker zum Gründer: Der Israeli hat bereits erfolgreich gegründet. Quelle: Mindspace
Dan Zakai

Vom Banker zum Gründer: Der Israeli hat bereits erfolgreich gegründet.

(Foto: Mindspace)

Auf dieses Konzept setzt auch Dan Zakai: Der Israeli ist Mitgründer von Mindspace. Das 2014 gegründete Start-up aus Tel Aviv hat bislang 35 Millionen US-Dollar an Risikokapital eingesammelt, 14.000 Mitglieder an 27 Standorten weltweit, davon acht in Deutschland. Mindspace setzt genauso wie andere nicht nur auf das simple Vermieten von Bürofläche, sondern auf ein Lebensgefühl – die Mischung aus moderner Kunst, Kakteen und auf altmodisch getrimmten Accessoires schreit gerade zu „Hipster“. Es ist der Stil, der die Kreativen anzieht.

Mitgründer Zakai sitzt in dem Coworking-Space in Tel Aviv auf dem noblen Rothschild Boulevard, von dem das Unternehmen an weitere Standorte expandierte, er hält das Design seiner Büroräume für ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zur Konkurrenz: „Ich glaube, dass die Konzepte der Coworking-Spaces auf den ersten Blick sehr ähnlich sind.“

Am Ende entschieden Details, meint Zakai: „Unsere Designsprache soll vor allem Gemütlichkeit und Bequemlichkeit folgen. Trends ändern sich nahezu jedes Jahr, deshalb war klar, dass wir eine eigene Sprache entwickeln, die länger Bestand hat.“ Das Team suche Kunst und Möbel überall auf der Welt – und versuche an jedem Ort etwas Lokales mit dem universellen Mindspace-Look verbinden, neben dem hippen Umfeld, zum Beispiel noch allerlei Events und andere Dienstleistungen.

Der Coworking-Ansatz böte deutlich mehr Flexibilität und binde weniger Zeit und Kapital, da der ehemalige „Fixkostenblock“ Büro jetzt nur noch „variable Kosten“ darstellt – und die Fläche und Infrastruktur innerhalb kurzer Zeit Flächen aufgestockt oder abgebaut werden könne, erklärt Markenexperte Karsten Kilian den Trend und findet: „Statt sich um die Beschaffung von Büroflächen, Umbaumaßnahmen, Ausstattung und das tägliche Management kümmern zu müssen, können die Coworking-Kunden sich auf das konzentrieren, was wichtig ist: Ihre Arbeit.“

WeWork, Mindspace und Co. ermöglichten zudem den Kontakt zu ähnlich denkenden „frei schaffenden Künstlern“, genauer gesagt zu Strategen, Kreativen und IT-Experten, die häufig ähnliche Arbeitsweisen präferieren und eine offene Kultur des Austausches wünschen und wertschätzen, so der Markenexperte. Dadurch ließen sich Silodenken vermeiden beziehungsweise aufbrechen.

Zakai war nicht immer der hippe Gründer in Sneaker und Karo-Hemd: Seine Karriere begann er einst als Investmentbanker bei Lehman Brothers und HSBC: „Aber nach zwei Jahren habe ich gemerkt, dass das nichts für mich ist und ich lieber Unternehmer sein wollte“, sagt er. Zakai gründete sein erstes Start-up, verkaufte und wurde auf das Phänomen Coworking aufmerksam, erklärt er. Die Immobilienbranche habe sich seit über zwanzig Jahren nicht verändert – und wäre nicht mehr an neue Unternehmensmodelle wie Start-ups oder kreatives Arbeiten angepasst gewesen, meint Zakai rückblickend.

Von Tel Aviv ging es dann direkt nach Deutschland, dem aktuell größten Markt für den Anbieter. Der erste Berliner Standort sei schon kurz nach Markteintritt ausgebucht gewesen, berichtet Zakai. Heute gibt es insgesamt drei in der Hauptstadt, drei in München, und jeweils einen in Frankfurt und Hamburg – weitere sind in Planung.

Für die Standortwahl sei die richtige Mischung aus Konzernen und Start-ups entscheidend, erklärt Zakai: „Und natürlich dort, wo wir einen Mangel an Immobilienkonzepten oder passenden Büroimmobilien beobachten.“ Herausforderer WeWork zählt derzeit 17 Standorte in Deutschland.

Dabei will der Co-Gründer Zakai auch das Konzept von Mindspace weiterentwickeln: „Eine unserer Ideen für die Zukunft ist es, das Management ganzer Immobilien von ihren Besitzern zu übernehmen und so das Mindspace-Konzept auch für Unternehmensmitarbeiter zugänglich zu machen.“

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