Deutschland, deine Dynastien Underberg - das grüne Geheimnis

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Er beobachtet, wie sich die Welt außerhalb der Kräuterküche rasant verändert. Ein neues Industriezeitalter beginnt. Die Postkutschenzeit endet, die Eisenbahn ist das Verkehrsmittel der Zukunft. In ganz Deutschland werden Schienen verlegt, in den Städten Bahnhöfe gebaut. Ab jetzt können Unternehmer weit außerhalb der Heimat Geschäfte machen. Underberg ist fest entschlossen, diese Möglichkeiten zu nutzen.

Dafür aber braucht er seine Katharina. Denn viele Märkte zu erschließen, das bedeutet auch, viel zu reisen. Und das nimmt Mitte des 19. Jahrhunderts, Eisenbahn hin oder her, viel Zeit in Anspruch. Underberg besucht die damals üblichen Weltausstellungen, präsentiert seinen Kräuterschnaps und dessen beruhigende Wirkung auf den Magen in aller Welt. Mit dieser wirbt die Familie im Übrigen bis heute.

Während Hubert also reist, führt zu Hause im niederrheinischen Rheinberg Katharina die Geschäfte. „Hubert hat schon früh erkannt, dass Frauen, insbesondere seine Katharina, etwas auf dem Kasten haben“, sagt seine Ururenkelin Hubertine. „Sonst hätte er es ja in der Zeit gar nicht geschafft, bei seinem Reisepensum das Unternehmen so zu führen, wie er es gemacht hat.“ So wird Katharina Underberg eine der ersten mächtigen Frauen der deutschen Wirtschaft.

Der Kampf um die Marke

Erfolg aber, das lernen die Underbergs schnell, hat meistens zwei Seiten. Wenige Jahre nach der Erfindung des Bitters erscheinen in verschiedenen Tageszeitungen Anzeigen, die für Billigimitate werben – oft mit gleicher Optik, ähnlicher Rezeptur und Namen, die dem Original sehr ähnlich sind. Das hat das Unternehmen bis heute geprägt, wie Besucher beim Gang in den Keller des Underberg-Stammhauses am Niederrhein erleben. Räume, so groß wie eine Kleinfamilienwohnung; Regale voller Bücher. Alte, in Leder eingebundene und moderne Kladden – Zeugnisse aus allen Zeiten der Unternehmensgeschichte. Hier lagern sämtliche Plagiate, Plagiatsvorwürfe, Patente und Akten über Patentstreitigkeiten, die die Underbergs seit 1850 geführt haben. Es sind mehr als tausend. Darunter Gerichtsurteile und Beispielfälle, die den Underbergs in wichtigen Patentfragen noch heute zum Recht verhelfen.

Nahezu alle diese Fälle haben sie gewonnen. Ob gegen fliegende Händler, die mit falschen Etiketten im 19. Jahrhundert vom Erfolg des Bitters profitieren wollten, gegen Handelskonzerne wie die Metro, die täuschend ähnlich aussehende Handelsmarken ins Regal stellten, oder Familienmitglieder, die mit dem Namen Underberg ihr eigenes Geschäft aufziehen wollten – rigoros lassen die Original-Underbergs jeden Versuch verfolgen, an ihrer Marke teilzuhaben.

So hat es ihnen einst der Gründer mit auf den Weg gegeben, als er 1851 beim Handelsgericht in Krefeld eine Flasche mit der markanten Strohpapier-Umhüllung angemeldet und so lange vor Persil, Bahlsen und Nivea eine der heute ältesten deutschen Marken etabliert hat – Grundstein für einen regelrechten Markenkult. Seine Ururenkelin Hubertine Underberg-Ruder empfängt Mitarbeiter und Gäste heute im grünen Blazer, auf den Tischen liegen grüne Servietten, die Fahrer des Hauses steuern grüne Autos, die Mitarbeiter tragen grüne Overalls – sie alle führen ein Leben in den Farben des Underbergs.

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1 Kommentar zu "Deutschland, deine Dynastien: Underberg - das grüne Geheimnis"

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  • immer wieder interessant und spannend zu lesen.
    Dankeschön!

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