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Deutschland, deine Dynastien Underberg - das grüne Geheimnis

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„Underberg hat schon immer eine sehr starke Kultur – ob das Beten vorm Essen oder die sehr ausgeprägte Leistungsbereitschaft der Familie –, die auf die Marke durchgeschlagen und einen sehr starken Markenauftritt über die Jahre geprägt hat“, sagt Hans-Jürgen Grabias, ehemals Marketing-Chef bei Krombacher und intimer Kenner des Getränke-Marktes.

Bis heute ist das so. „Underberg hält starr an seinen Traditionen fest und verteidigt sie gegen alles“, sagt Christofer Eggers vom Schutzverband der Spirituosenindustrie. Vor kurzem hat er das Unternehmen verklagt. Der Werbespruch, der Kräuterschnaps wirke wohltuend, benachteilige kleinere Konkurrenten. „Die schreiben das seit 150 Jahren auf ihre Flaschen“, sagt Eggers, „und wollen das nicht ändern.“ Dabei darf öffentlich eigentlich, so will es die EU, kein Zusammenhang zwischen Spirituosen und Gesundheitsförderung hergestellt werden.

Die Underbergs beharren aber darauf – und führen etwa Ernährungsberater an, die neben Placebo einen möglichen wohltuenden Effekt darauf zurückführen, dass eine bestimmte Konzentration von Alkohol und Kräutern gewisse Magennerven betäubt und damit ein subjektives Völlegefühl beseitigt. Auch eine Studie von Medical Consult aus dem Jahr 2005 bestätigt die Wirkung. Kritiker dagegen monieren die verdauungshemmende Wirkung von Alkohol, die unmöglich den Magen beruhigen könne. Die Familie jedenfalls schwört auf den positiven Effekt: „Ich verreise nie ohne einen Underberg, das tut mir gerade bei fremdem Essen gut“, sagt die heutige Chefin Hubertine Underberg-Ruder. Schließlich hat es Hubert Underberg einst genau so festschreiben lassen.

So schaffen sie sich am Niederrhein ihre eigene Welt. Sie verpflichten sich und Mitarbeiter zu uneingeschränkter Loyalität, schwören sich, gegen jeden Zeitgeist die Substanz des eigenen Werkes hochzuhalten. Zig externe Marketing-Chefs, so berichtet ein Bekannter der Familie, hätten sich die Zähne ausgebissen beim Versuch, etwa das Erscheinungsbild der Flasche zu verändern. Sie haben am Niederrhein eben ihre Vorstellung von Markenführung – und da lassen sie sich von keinem hereinreden. Die naseweisen Marketingstrategen sind längst wieder weg, die Flasche dagegen sieht noch immer aus wie eh und je.

Und sie gehen ein enges Wertebündnis mit der katholischen Kirche ein. Sie leben die Rituale des Katholizismus, etwa das Bekreuzigen vor dem Essen, und bekennen sich öffentlich zu Gebeten und Gottvertrauen. Sie predigen Zusammenhalt, Bescheidenheit und Transparenz. Dabei legen sie einen Arbeitseifer an den Tag, der eher protestantisch denn katholisch scheint. „Einfach den Tag verdaddeln, das geht nicht. Ich will am Ende etwas hinterlassen haben“, sagt die aktuelle Chefin Hubertine Underberg-Ruder.

Das Zentrum dieser Welt ist das Stammhaus in der Rheinberger Innenstadt, das größte Gebäude am Platz, erbaut im italienischen Renaissance-Stil. Dort sitzen die Erben der Underbergs noch heute und wachen an Biedermeierschreibtischen zwischen Eichenholz, schwerer Kunst und repräsentativen Firmendevotionalien über die Geschicke ihres Reichs. Sie stehen auf den Schultern nicht nur des Gründers, sondern auch nachfolgender Generationen, die viele Turbulenzen und einigen Familienzwist zu meistern hatten.

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1 Kommentar zu "Deutschland, deine Dynastien: Underberg - das grüne Geheimnis"

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  • immer wieder interessant und spannend zu lesen.
    Dankeschön!