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Deutschland, deine Dynastien Underberg - das grüne Geheimnis

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So erhält die schöne Fassade der integren Unternehmer Anfang 1960 am Grenzübergang Kehl Kratzer. Ein deutscher Zöllner winkt den schweren Dienstwagen der Underberg-Matriarchin Margarethe an die Seite und lässt sich vom Fahrer den Kofferraum öffnen. Er tastet nach einer Reisetasche und findet Schweizer Zigaretten, eigentlich zu versteuern, jetzt aber gut zwischen Underbergs Reiseutensilien versteckt. Die Unternehmerin, gewohnt zu herrschen, wird laut: Was der Zöllner sich erlaube, sie werde sich bei seinem höchsten Chef in Bonn, beim Finanzminister persönlich, über ihn beschweren. Der Beamter aber lässt sich nicht beeindrucken – und bringt das Vergehen zur Anzeige.

Underberg unterliegt vor Gericht und muss 50 Mark Geldstrafe zahlen. „Recht unziemlich“ findet der Richter das Verhalten der Unternehmerin.

Mehr als 20 Jahre regiert Margarethe Underberg über Familie und Marke – und macht, was ihr Schwiegervater einst versäumte: Sie regelt ihre Nachfolge rechtzeitig. Bereits 1964 rücken Sohn Emil II. und Neffe Carl-Hubertus in den Inhaberkreis. Die Grande Dame vom Niederrhein ahnt aber schon zu diesem Zeitpunkt – der Unbilden, denen ihr Mann ob der Machtteilung mit seinen Brüdern einst ausgesetzt war, noch gewahr –, dass diese Konstellation nicht gutgehen kann.

Also beginnt sie Verhandlungen mit dem Ziel, ihren Neffen aus dem Unternehmen zu drängen zugunsten ihres Sohns. Die Gespräche aber ziehen sich hin. Erst im August 1981, drei Monate bevor Margarethe sich aus dem Unternehmen zurückzieht, lässt sich Carl-Hubertus großzügig abfinden. Wie viel er kassiert, verschweigen die Underbergs bis heute. Für sie ist viel wichtiger: Emil II., Margarethes Sohn, kann alleine über das Getränke-Reich herrschen.

Das Spiel mit dem Systemfeind

Zusammen mit seiner Frau Christiane hat er große Pläne, denn die Welt außerhalb des Underberg-Kosmos ändert sich mal wieder. Im Osten, glaubt Underberg, tun sich bald große Märkte auf – und auf sich allein gestellt, auch das ist ihm schnell klar, kann ein kleines Einmarken-Unternehmen aus der Provinz in der umkämpften Getränkeindustrie kaum überleben. Also beschließt Underberg zu expandieren.

Bereits 1968 hatte Emil II. erste Kontakte mit der DDR-Führung geknüpft. Underberg will, dass sein Bitter auch die kommunistischen Mägen beruhigt. Also pirscht sich Underberg an die SED-Führung heran. Nicht irgendwohin, sondern nach ganz oben. Underberg, der konservative Katholik vom Niederrhein, hat keine Berührungsängste gegenüber den Kommunisten, wenn es ums Geschäft geht. Der Unternehmer und ein Kollege auf der einen Seite, SED-Prominenz auf der anderen Seite: Für die DDR verhandeln der Chef der Importagentur Asimex und spätere BRD-Top-Spion Günter Asbeck sowie die beiden Mitglieder des SED-Zentralkomitees Alexander Iwanik und Alexander Schalck-Golodkowski.

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1 Kommentar zu "Deutschland, deine Dynastien: Underberg - das grüne Geheimnis"

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  • immer wieder interessant und spannend zu lesen.
    Dankeschön!