Deutschland, deine Dynastien Underberg - das grüne Geheimnis

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Vier Jahre lang treffen sie sich immer wieder. Die DDR will den Underberg zunächst nur für ausländische Besucher in den Intershops verkaufen, Underberg drängt auf eine volle Präsenz im DDR-Handel. 1971 schließlich wird in einem Ost-Berliner Spirituosenbetrieb im Rahmen eines Gestattungsvertrages – dem ersten seiner Art – die Underberg-Abfüll- und Verpackungslinie unter Qualitätskontrolle des West-Berliner Betriebs in Gang gesetzt. Underberg wird eine der ersten Westmarken, die es auch jenseits der Mauer gibt.

Immer mehr Marken

Es ist der erste Schritt Emils auf dem Weg in die Welt der Konzerne. Nach und nach verabschiedet sich Emil II. von der Tradition des Einproduktunternehmens. Er formt eine internationale Getränkegruppe. Allein ein Magenbitter als Prostmahlzeitsgetränk für ältere Vertreter des deutschen Kleinbürgertums ist auf Dauer kein Wachstumstreiber. Zwar bleibt der dunkle Kräuterschnaps das Aushängeschild des Hauses, im mehr oder weniger Verborgenen aber investiert Underberg Millionenbeträge in die Diversifizierung des Schnapsreiches und in den Aufbau einer internationalen Getränkegruppe.

Schlumberger Sekt aus Österreich, Pitu aus Brasilien, Metaxa oder Valensina, zusammen mit seiner Christiane, die den Personalbereich und ein wichtiges Tochterunternehmen leitet und neben ihrem Mann lange Zeit einzig eingeweihte in die Underberg-Rezeptur ist, schafft Underberg ein immer komplexeres Gebilde.

Dabei geht Emil ähnlich vor wie sein gleichnamiger Vorvorgänger. Mit einer Mischung aus seinem Bauchgefühl für die Wünsche des Marktes und einer gewissen unternehmerischen Raffinesse weitet Underberg den Aktionsradius seines Unternehmens aus. So ist der Senior, mittlerweile Ende 60, noch heute regelmäßig in den Landdiskotheken seiner Heimat zu treffen. Zusammen mit seiner Frau Christiane lässt er sich dann zu Partymusik im Halbdunkel an der Theke nieder – und hebt nicht nur den Altersdurchschnitt sondern kurbelt auch den Getränkeumschlag an. So wollen die Underbergs herausfinden, welche Geschmacksrichtungen unter jungen Leuten derzeit angesagt sind, welcher Konkurrent vielleicht gerade ein besseres Theken-Standing hat. Und wenn ihn etwas überzeugt, dann handelt Underberg und weitet die eigene Produktpalette aus.

Die Unternehmensgruppe besteht heute aus einer Holding und mindestens 21 Gesellschaften. Es gibt ein nach Schweizer Recht konzipiertes Dach und viele deutsche GmbHs. Der Hauptsitz, also der Ort, wo Steuern anfallen, ist aber mittlerweile wieder aus der Schweiz nach Deutschland zurückverlagert. Als Steuerflüchtlinge wollten die Underbergs dann doch nicht dastehen.

Wie komplex ihr Konzern ist, das verschweigen die Underbergs dennoch gerne. Auch, weil sie um ihren guten Ruf fürchten. Trendschnäpse wie Pitu oder Xuxu passen nicht zu dem Haus, das seine Aushängemarke als Quasi-Medizin verkauft und den maßvollen Alkoholkonsum predigt, sich also bewusst von Kontrahenten wie Jägermeister – die den Konsum von Hochprozentigem quasi zum Lifestyle erheben – abzugrenzen versucht. „Wir legen keinen Wert darauf, dass unsere Trendmarken mit dem Namen Underberg verbunden werden“, sagt Familienchefin Underberg-Ruder. Das könnte dem sorgsam gehüteten Markenbild schaden.

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1 Kommentar zu "Deutschland, deine Dynastien: Underberg - das grüne Geheimnis"

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  • immer wieder interessant und spannend zu lesen.
    Dankeschön!

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