Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Dhanin Chearavanont

Gemeinsam mit Siemens will der Geflügel-Unternehmer ein Projekt für Hochgeschwindigkeitszüge stemmen.

(Foto: Bloomberg)

Dhanin Chearavanont Thailands Hähnchen-Milliardär baut jetzt auch High-Speed-Züge – mit Siemens

Mit Supermärkten und Geflügel hat sich Dhanin Chearavanont ein Vermögen erarbeitet. Nun steigt er ins milliardenschwere Infrastrukturgeschäft ein.
Kommentieren

Bangkok Wer in Thailand lebt oder auch nur für den Urlaub da ist, kann es kaum vermeiden, den reichsten Mann des Landes noch ein bisschen wohlhabender zu machen. Dhanin Chearavanonts Mischkonzern CP prägt Südostasiens zweitgrößte Volkswirtschaft. Seine rund 10.000 Filialen der Supermarktkette 7-Eleven finden sich an quasi jeder Straßenecke.

Sein Telekommunikationskonzern True liefert einem Großteil der Menschen in Thailand Internet- und Mobilfunkverbindungen. Als führender Geflügel- und Shrimpsproduzent ist der 80-jährige Dhanin, mit einem geschätzten Vermögen von über 16 Milliarden Dollar, auch dafür verantwortlich, was in seiner Heimat auf den Tellern landet.

Nun will der mächtige Familienunternehmer, der sich auch bereits im Versicherungsgeschäft und als Motorradhersteller versucht hat, seinen wirtschaftlichen Einfluss weiter ausbauen: Er steigt mit einem milliardenschweren Projekt in das Infrastrukturgeschäft ein. Er erhofft sich dabei Unterstützung sowohl von chinesischen Staatskonzernen – als auch von Siemens.

Bei dem Projekt geht es um eine geplante Strecke für Hochgeschwindigkeitszüge, die von der in Bangkok herrschenden Militärregierung vorangetrieben wird. Sie soll die zwei internationalen Flughäfen der Hauptstadt mit einer neuen Sonderwirtschaftszone, dem sogenannten Eastern Economic Corridor (EEC), verbinden.

Rund 6,8 Milliarden Dollar soll das Bahnprojekt kosten, das nach den bisherigen Plänen auch eine Schnellverbindung von Bangkok in die Strandmetropole Pattaya bieten wird. Nun hat Dhanins CP-Konglomerat den Zuschlag für den Bau erhalten – obwohl der Milliardär und seine Tochterfirmen über keine nennenswerten Erfahrungen in dem Bereich verfügen.

Die Expertise will sich Dhanin hinzuholen. Auf seiner Internetseite nannte CP den deutschen Konzern Siemens, der in Thailand bei Bahnprojekten wie der Bangkoker U-Bahn aktiv ist, als „strategischen Partner“. Auf Anfrage bestätigt eine Siemens-Sprecherin, an einer Zusammenarbeit bei dem Schnellbahnbau interessiert zu sein. Man habe diesbezüglich bereits mehrere Angebote unterbreitet. Zu einem Geschäftsabschluss sei es aber bisher nicht gekommen.

Dass das Militär Dhanin den Zuschlag gab, ist umstritten: „Es ist unangemessen, dass sie sich so festlegen“, rügte Thanathorn Juangroongruangkit, einer der Oppositionsführer. „Es ist im Interesse der Thailänder, dass die Vereinbarung überprüft wird.“ Sie könne sich zur Last für das Land entwickeln, sagte er. Immerhin soll der Vertrag mit dem Konsortium für 50 Jahre gelten.

Die Hauptrolle an Dhanins Seite dürften bei dem Vorhaben die Partner aus China spielen: Der thailändische Konzern positionierte sich zuletzt als williger Partner chinesischer Großinvestoren, die in Südostasien Fuß fassen wollen. Bei einer Veranstaltung zur Seidenstraßeninitiative von Chinas Präsident Xi Jinping in Peking unterschrieb CP Ende April eine Vereinbarung mit dem chinesischen Fahrzeughersteller Foton. Bereits 2013 hatte CP ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Staatsunternehmen SAIC Motor gegründet, das nun in dem EEC Elektrofahrzeuge herstellen will.

Beim neuen Zugprojekt, das bereits 2023 in Betrieb gehen soll, arbeitet CP mit dem staatlichen chinesischen Bahngiganten CRCC zusammen. Während in Ländern wie Malaysia chinesische Bahnprojekte wegen hoher Kosten zuletzt in der Kritik standen, scheinen die Militärs in Bangkok wenig Berührungsängste zu haben: Für neue Bahnstrecken, die Thailand mit Chinas Nachbarn Laos verbinden sollen, erwägt die Regierung auch die Aufnahme eines Milliardenkredits über die chinesische Export-Import Bank.

CPs Schnellzugprojekt dürfte von der Zusammenarbeit mit CRCC profitieren, kommentierte ein Analyst der Siam Commercial Bank. Der chinesische Partner könne die fehlenden Transporterfahrungen der Thailänder ausgleichen. Dass sich Dhanin als Bindeglied zwischen den Thailändern und den Chinesen in Stellung bringen kann, hat auch mit seiner Familiengeschichte zu tun. Sein Vater, Chia Ek Chor, war ein Zuwanderer aus der südchinesischen Stadt Chaozhou.

Er machte sich Anfang der 1920er-Jahre in Bangkoks Chinatown mit einem Saatgutunternehmen selbstständig und verkaufte Samen für Kohl, Senfpflanzen und Rüben. Obwohl seine Thailändisch-Kenntnisse schlecht waren, konnte er sich in seiner landwirtschaftlich geprägten neuen Heimat schnell als einer der größten Anbieter etablieren – unter anderem mit besonders leistungsfähigem Saatgut, das er aus China, Japan und Korea importierte.

Dhanin, der als Chia Kok Min zur Welt kam, nahm in den 50er-Jahren den thailändisch klingenden Namen Dhanin Chearavanont an, weil Thailand dem kommunistischen China damals sehr kritisch gegenüberstand. Auch das Familiengeschäft bekam eine neue Marke: Unter dem Firmennamen Charoen Pokphand (CP) vertrieb Dhanin nun mit seinem älteren Bruder auch Tierfutter.

Der Durchbruch gelang in den 1970er-Jahren, als der Konzern eine hochprofitable Geschäftsidee entwickelte: Er gab Küken an thailändische Bauern, die sie mit CP-Futter aufgezogen und anschließen an CP zurückverkauften. CP verarbeitete das Fleisch in großen Mengen und verkaufte es an Restaurants, Hotels und Supermärkte.

Später wiederholte CP das Prinzip mit Garnelen – und sicherte sich die Franchiserechte für 7-Eleven und KFC in Thailand, um die eigenen Produkte selbst an den Endkunden zu bringen. Die „ultimative Form der vertikalen Integration“ beschrieb Dhanin einmal als das Ziel seines Unternehmens, das heute zu den größten Hühnchen- und Shrimpsproduzenten der Welt zählt und auch Discounter wie Aldi Nord und Penny belieferte.

Der Konzern blieb bei seinem rasanten Wachstum nicht ohne Skandale: Vor fünf Jahren wurde bekannt, dass Zulieferer des Unternehmens in der Fischindustrie Sklavenarbeit verrichten ließen. Die Abnehmer drohten mit Sanktionen. CP versprach daraufhin strikte Kontrollen.

Die Affäre zeigt, wie schwer das Firmenimperium zu kontrollieren ist. Und Dhanin ist offenbar bereit, seinen Einfluss zu verringern. Der Patriarch bleibt zwar Vorsitzender der CP-Gruppe, den Vorsitz bei der wichtigen Tochtergesellschaft CP Foods gab er jedoch im April ab.

Seine Söhne übernehmen zunehmend Verantwortung. Einer von ihnen, Suphachai Chearavanont, präsentierte sich zuletzt als patriotischer Unternehmer: Die Investition in den Hochgeschwindigkeitszug sei zwar riskant, sagte er. Man habe sich aber dennoch dazu entschlossen, damit das Königreich florieren könne.

Startseite

0 Kommentare zu "Dhanin Chearavanont: Thailands Hähnchen-Milliardär baut jetzt auch High-Speed-Züge – mit Siemens"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote