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Dräger-Vorstand Anton Schrofner „Die erste Idee wird nie hundertprozentig klappen“

Bei Weconomy treffen Start-up-Gründer deutsche Top-Manager. Anton Schrofner, Innovationsvorstand des Medizintechnikherstellers Dräger, ist inspiriert.
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„Cybersicherheit und virtuelle Realität sind zwei Themen, die uns massiv umtreiben und wo die Start-ups viel weiter sind als wir.“ Quelle: Dräger
Dräger-Vorstand Anton Schrofner

„Cybersicherheit und virtuelle Realität sind zwei Themen, die uns massiv umtreiben und wo die Start-ups viel weiter sind als wir.“

(Foto: Dräger)

Ludwigshafen Manchmal brauchen Mittelstand und Konzernwelt Hilfe von Start-ups, um bei neuen Entwicklungen ganz vorne dabei zu sein. „Cybersicherheit und virtuelle Realität sind zwei Themen, die uns massiv umtreiben“, sagt Innovationsvorstand Anton Schrofner vom Medizintechnik-Unternehmen Dräger.

Unter den Siegern des diesjährigen Weconomy-Wettbewerbs habe er zwei Start-ups gefunden, die in ihren konkreten Themen viel weiter sind als sein Medizintechnik-Unternehmen. Sie würden bald von Dräger kontaktiert.

Dabei sind Geschäftspartnerschaften nur der bestmögliche Nebeneffekt von Weconomy. Wissensfabrik und UnternehmerTUM bringen einmal im Jahr Start-ups mit Topmanagern zusammen, um ihnen Zugang zu etablierten Netzwerken und Beratung zu ermöglichen. Die Teilnehmer dürften sich „noch ein bisschen mehr amerikanisches Verkaufen“ angewöhnen, ist das Fazit von Schrofner. „Ich mach! Ich kann! Ich weiß!“ Statt: hätte, würde, könnte.

Neben Schrofner hatten sich auch Jürgen Hambrecht und Michael Heinz, der Aufsichtsratschef und der Arbeitsdirektor der BASF, die BW-Bank-Vorständin Claudia Diem, SAP-Digitalisierungsexperte Carsten Polenz und weitere Top-Manager einen Tag mit den Gründern zusammengesetzt.

Am Ende wünscht sich Schrofner, noch einmal die Chance auf eine zweite Karriere zu haben und sich an den Jungen ein Vorbild zu nehmen, wenn eine Idee scheitert: „Die zweite wird klappen oder die dritte. Dieses Unternehmerische, diesen Geist braucht Deutschland“, sagt Schrofner.

Herr Schrofner, was nehmen Sie mit nach Hause?
Wir werden wahrscheinlich 50 Prozent der Teilnehmer kontaktieren. Zum Beispiel das Start-up ZReality. Von dem können wir lernen, wie wir künftig in einer viel früheren Phase mit unseren Einkaufsplanern und Projektanten über die virtuelle Realität in Kontakt kommen. Und mit dem Cybersicherheitsexperten Fabien Dombard von QuoScient: Die regulatorischen Anforderungen in der Medizintechnik nehmen massiv zu, Krankenhausnetzwerke müssen besonders geschützt werden. Cybersicherheit und virtuelle Realität sind zwei Themen, die uns massiv umtreiben und wo die Start-ups, bei dem, was sie konkret tun, viel weiter sind als wir.

Können sich Mittelstand und Konzerne auch davon etwas abgucken, wie die Start-ups arbeiten?
Auf jeden Fall. Bei Dräger haben wir bereits die „Garage“ eingerichtet, um Mitarbeitern Freiraum und Inspiration zu geben, ihren eigenen Ideen nachzugehen. Der Austausch mit den Gründern hat mir abermals bestätigt, dass es nach wie vor viele junge Leute gibt, die mit Herzblut an einer Sache dranbleiben – auch wenn sie darin keinen sicheren Job und kein geregeltes Einkommen finden.

Sehen Sie sich selbst in den jungen Unternehmern wieder?
Ich habe heute auf jeden Fall gedacht, ich wäre gerne noch mal 30.

Was würden Sie dann anders machen?
Vieles würde ich beibehalten, aber ich würde mich nicht unbedingt vom ersten Rückschlag entmutigen lassen.

Sie haben sich oft entmutigen lassen?
Ja, ich habe oft von meinen Ideen gedacht: Das muss doch gehen, das ist die bestmögliche Lösung, warum versteht das keiner. Heute würde ich das gelassener sehen. Die erste Idee wird nie hundertprozentig klappen, ist meine Erfahrung. Aber sie muss wirtschaftlich auch nicht super erfolgreich sein. Es geht darum, den positiven Ansporn beizubehalten. Die zweite wird klappen oder die dritte. Dieses Unternehmerische, diesen Geist braucht Deutschland.

Erkennen Sie denn in den Start-ups hier eher eine amerikanische Silicon-Valley-Kultur oder gibt es größere Gemeinsamkeiten mit dem deutschen Mittelstand?
Es gibt sicher Gemeinsamkeiten mit beiden, aber ich bin froh, dass sie noch mehr deutsch als amerikanisch sind: Viele amerikanische Start-ups sind darauf aus, möglichst schnell in kurzer Zeit Kohle zu machen. Den Gründern hier geht es um Nachhaltigkeit. Ich habe von vielen Teilnehmern gehört: Wir wollen ein Unternehmen gründen, nicht nur schnell Kasse machen.

Bei Weconomy geht es ja auch um Ratschläge von Top-Managern an Start-up-Gründer: Was können sie noch besser machen, um sich als Partner etablierter Unternehmen zu präsentieren?
Ich habe heute ein paarmal gehört: Ich würde, ich hätte, ich könnte. Nö. Ich mach! Ich kann! Ich weiß! Oft sprechen die Start-ups unbewusst in der vorsichtigen Möglichkeitsform. Es ist ja bekannt, dass 70, 80 Prozent des persönlichen Eindrucks Körpersprache und Tonalität ausmachen. Wenn manche der jungen Leute das noch besser lernen, werden ihre fachlich und technisch meist schon sehr guten Ideen noch viel besser ankommen. Wenn man so will, dürften sie also noch ein bisschen mehr amerikanisches Verkaufen an den Tag legen.

Vielleicht ist das ein Zeichen des Respekts Ihnen gegenüber, Herr Schrofner. Vielen Dank für das Gespräch.

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