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Drogerie-Unternehmer Wie Dirk Roßmann Mitarbeiter führt

Für Drogerie-Unternehmer Dirk Roßmann ist soziales Engagement von Unternehmen selbstverständlich: Vor fast zwanzig Jahren gründete er gemeinsam mit dem Unternehmer Erhard Schreiber die „Deutsche Stiftung Weltbevölkerung“. Mit dem Handelsblatt spricht er über die Ziele der Stiftung und den Zusammenhang mit der Menschenführung in seinem Unternehmen.
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Dirk Roßmann engagiert sich auch sozial. Quelle: dpa

Dirk Roßmann engagiert sich auch sozial.

(Foto: dpa)

Handelsblatt: Herr Roßmann, wie kommt ein Drogerieunternehmer dazu, ein Stiftung zur Begrenzung der Weltbevölkerung zu gründen?

Dirk Roßmann: Den starken Anstieg der Weltbevölkerung habe ich früh als schwieriges Problem gesehen. Jedes Jahr kommen 80 Mio. Menschen dazu. Es gibt fast 200 Millionen Paare, die keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben. Dabei erfordert Abhilfe wenig Geld. Nur elf Euro kostet es im Jahr, ein Paar mit Kontrazeptiva zu versorgen. Als ich den Hannoveraner Unternehmer Erhard Schreiber kennengelernt habe, hat er mich davon überzeugt, wie wichtig dieses Engagement für unseren Globus ist.

HB: Was haben Sie erreicht?

Roßmann: Die Stiftung wurde 1991 gegründet. Seitdem hat die Stiftung rund 20 Millionen Männern und Frauen bei der Familienplanung geholfen. Heute liegt der Jahresetat bei sechs Millionen Euro, die vor allem Afrika zugute kommen.

HB: Was hat sich seit den Anfängen verändert?

Roßmann: In den vergangenen zehn Jahren ist mit HIV ein neues Thema dazugekommen. Präservative helfen nicht nur bei der Familienplanung, sondern schützen vor Aids. In manchen Ländern Afrikas liegt die Infektionsquote bei 20 bis 30 Prozent. Unternehmen in Südafrika stellen teilweise drei Mitarbeiter für eine Position ein, weil die Infektionsraten so hoch sind.

HB: Sehen Sie Fortschritte?

Roßmann: In unserer Arbeit schon. Mutlos macht mich aber, dass viele afrikanische Regierungen korrupt sind. Sie machen kaputt, was wir aufbauen. Dazu kommt die offizielle Haltung der katholischen Kirche in Bezug auf Verhütungsmittel. Das ist für unsere Arbeit kontraproduktiv.

HB: Wie halten Sie es mit der Religion?

Roßmann: Ich bin kein religiöser Mensch. Ich bin zwar evangelisch aufgewachsen, aber an einen „lieben Gott“ im Himmel glaube ich nicht. Was mir jedoch gefällt, ist die Balance des christlichen Gebotes: „Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst.“ Nur in der Geborgenheit der Gemeinschaft sind wir glückliche Menschen, aber die Eigenliebe sollte man dabei nicht vergessen. Das versuche ich zu leben.

HB: Hat ein erfolgreicher Unternehmer die Pflicht, sich zu engagieren?

Roßmann: Ich sehe mich in der Pflicht, mehr zu tun, als beispielsweise in einem Porsche Carrera herumzufahren oder in einer Villa in Palm Springs zu hocken. Ich arbeite im Vorstand der Stiftung mit. Soweit es meine Zeit zulässt, schaue ich mir vor Ort an, was wir aufgebaut haben. Für mich sind das ganz wichtige Erfahrungen.

HB: Wie gelingt es Ihnen, bei afrikanischen Jugendlichen Vertrauen zu wecken?

Roßmann: Wir haben allein in Äthiopien über 1 000 Jugendclubs gegründet. Dort werden Fußball, Tischtennis und Theater gespielt, aber auch über Sexualität und Familienplanung gesprochen. In Äthiopien, Uganda und Tansania betreibt die DSW eigene Häuser. Nur wenn die Jugendlichen uns vertrauen, können wir über Verhütung und den Schutz vor Aids sprechen.

HB: Welche Rolle spielt Geld?

Roßmann: Ohne Geld geht es natürlich nicht. Zugute kommt der Stiftung, dass Unternehmer wie Bill Gates sie schon seit Jahren fördern.

HB: Warum halten Sie sich eher im Hintergrund?

Roßmann: Ich bin natürlich in erster Linie Unternehmer und damit zeitlich limitiert.

HB: Was macht einen Unternehmer als Stifter aus?

Roßmann: Es macht mir Freude, Dinge zu tun, die Hand und Fuß haben. Das ist der Geist des Unternehmertums. Und der gilt für meine Arbeit ebenso wie für die Stiftung. Wir haben dort eine kleine, aber sehr effiziente Mannschaft.

HB: Ihre Drogeriekette wächst seit Jahren ungebrochen. Im Gegensatz zu Ihrem Konkurrenten Schlecker schreiben Sie schwarze Zahlen.Was macht den Erfolg aus?

Roßmann: Wir sind erfolgreich, weil die Menschen erfolgreich sind, die bei uns arbeiten. Auf die Gemeinschaft kommt es an. Zum Geist des Unternehmens gehört eine konstruktive Offenheit. Dabei helfen gemeinsame Unternehmungen. Mit unseren 20 wichtigsten Führungskräften habe ich beispielsweise kürzlich eine Schiffsreise nach Oslo unternommen. Mit den meisten arbeite ich seit vielen Jahren zusammen. Eine Unternehmenskultur fällt nicht vom Himmel.

HB: Sind Sie mit 63 Jahren ein anderer Chef als mit jungen Jahren?

Roßmann: Bei aller Bescheidenheit: ein besserer Chef. Erfahrung macht eine Menge aus. Ich gehe oft mit mir ins Gericht. Auch meine Söhne kritisieren mich auf konstruktive Weise. Mein emotionales Wissen ist erheblich größer als früher. Wichtig ist mir, dass Menschen die Chance bekommen, ihre eigene Kraft und Bedeutung zu entdecken.

HB: Wie vermittelt man das in einem Unternehmen mit 1 500 Filialen allein in Deutschland?

Roßmann: Die Führungskräfte versuchen, Offenheit vorzuleben. Nahezu das gesamte mittlere Management hat an Seminaren teilgenommen, die die Fähigkeit des Einzelnen, offen und sensibel zu kommunizieren, verbessert haben.

HB: Wie sieht es mit der Kontinuität an der Spitze ihres Unternehmens aus?

Roßmann: Meine Söhne zeigen großes Interesse, die Führung des Unternehmens in einigen Jahren zu übernehmen, und ich traue ihnen das vorbehaltlos zu.

HB: Der Wettbewerb auf dem Drogeriemarkt zwischen den Kontrahenten DM, Schlecker und Rossmann ist knallhart. Wie gehen sie persönlich miteinander um?

Roßmann: Wir treffen uns gelegentlich auf Branchenveranstaltungen. Der Kontakt ist ungezwungen und eher freundschaftlich.

HB: Was macht einen guten Drogeriemarkt aus?

Roßmann: Ein Drogeriemarkt ist ein unglaublich kompliziertes Gebilde. Der Gesamteindruck, die Qualität und die Preise sowie freundliche Mitarbeiter sind Grundvoraussetzung für den Erfolg.

HB: Das Bundeskartellamt hat Ihnen zuletzt vorgeworfen, Produkte zu teuer zu verkaufen. Vorher mussten Sie sich rechtfertigen, Produkte angeblich unter Einstandspreis abzugeben. Vor Gericht erweisen sich die Vorwürfe als unhaltbar. Fühlen Sie sich verfolgt?

Roßmann: Es ist gut, dass wir eine Kartellaufsicht haben. Natürlich will die Industrie Preise nach Möglichkeit erhöhen. Auch wir bekommen gelegentlich unmoralische Angebote - die wir ablehnen. Meines Erachtens schießt das Kartellamt allerdings teilweise über das Ziel hinaus. Als Dienstleister haben wir eine Verantwortung gegenüber den Kunden. Rossmann hat im vergangenen Jahr eine Rendite vor Steuern von 2,5 Prozent erwirtschaftet. Wir verkaufen weder zu teuer noch unter Einstandspreisen. Drogeriemärkte stehen in einem knallharten Wettbewerb.

Rossmann: Discountdrogerie steht in hartem Wettbewerb

HANNOVER. Das Drogisten-Gen steckt Dirk Roßmann im Blut. Die Großeltern betrieben in Hannover eine kleine Drogerie. Der schmächtige Dirk absolvierte im Familienbetrieb eine Lehre.

Die Schule hatte ihn gelangweilt. Für ein Studium, wie es der ältere Bruder absolvierte, haperte es neben dem Geld vor allem am Interesse. Stattdessen stieg der junge Roßmann mit Mitte zwanzig zum Unternehmer auf und eröffnete 1972 nach Aufhebung der Preisbindung für Drogeriewaren den ersten Selbstbedienungsmarkt seiner Branche in Deutschland.

Zehn Jahre darauf führte der Discountpionier bereits 100 Geschäfte. Die daraus entstandene Drogeriekette mit dem Zentaur im Logo – die sich im Gegensatz zum Gründer mit Doppel-S schreibt, ist heute mit 1 500 Filialen die Nummer drei hierzulande.

Davor liegen Erzrivale DM aus Karlsruhe und der langjährige, aber schwächelnde Marktführer Schlecker. Rossmann hatte durch die Übernahme der kleineren Konkurrenten KD und Idea von Rewe den regionalen Burgfrieden aufgekündigt. Ein erbitterter Preiskampf drückt die Gewinne und brachte Schlecker rote Zahlen ein. Nirgendwo in Europa kosten den Verbraucher Cremes und Shampoos so wenig wie hierzulande. Im vergangenen Jahr durchbrach Rossmann erstmals die Umsatzmauer von vier Milliarden Euro. Der Gewinn nach Steuern dürfte bei gut 40 Mio. Euro liegen. Inklusive der 700 Filialen in Polen, Ungarn und Tschechien beschäftigt der Konzern 26 000 Mitarbeiter. Der Drogeriekönig hatte das Wachstum seiner Kette jahrelang mit Wagniskapital finanziert. Seit 2006 ist der chinesische Mischkonzern Hutchinson zu 40 Prozent an der Kette beteiligt.

Der Unternehmer legt beruflich wie privat Wert auf das Urteil seiner Frau Alice Schardt-Roßmann, mit der er zwei erwachsene Söhne hat. Professionell und privat interessieren ihn Programme zur Entwicklung der Persönlichkeit und Gruppentherapie. Seinen Managern lässt er seit Anfang der 80er Jahre entsprechende Trainings im firmeneigenen Seminarzentrum in der Lüneburger Heide („Rossmann-Waldhof“) angedeihen.

Der Niedersachse ist Mitbegründer der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung mit Hauptsitz in Hannover und Büros in Äthiopien, Kenia und Uganda. Ziel ist es, mittels Aufklärung und Unterstützung bei der Familienplanung das für Roßmann „zentrale Zukunftsproblem des Weltbevölkerungswachstums“ zu lösen. Die International engagierte und von der UNO akkreditierte Organisation verfügt über einen Jahresetat von gut sechs Millionen Euro. Unterstützt wird die Stiftung unter anderem von der Weltbank.

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2 Kommentare zu "Drogerie-Unternehmer: Wie Dirk Roßmann Mitarbeiter führt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ja klar, Utergebene zu unterdrücken und zu Duckmäuser machen.Das zu Personen die sich für leitende Personen halten und Zeitarbeiter die schon einige Zeit dort Arbeiten mit fingierten Argumenten hinauskaputillieren.

    Danke

  • Es ist beruhigend zu sehen, daß es nicht nur Unternehmen und Unternehmer gibt, die allein eine Denke haben: Kohle und Ego. Richtig ist, daß Erfolg auf Dauer nur der hat, der Qualität in Produkt, Preis und Personal als Leitgedanke hat. Es ist auch ein Naturgesetz, daß der Gierige und Maßlose im Chaos landet, irgendwann zwar erst, aber mit tödlicher Sicherheit. Es wäre schön, wenn die Zunft der Medien die Rossmann's und Co in ihrer Art mehr in den sichtbaren Raum stellen würden, um den Menschen aufzuzeigen, daß es neben der aktuell eher schalen Politikergarde auch noch führende Personen gibt, welche was tun und nicht nur reden.