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Editionsgalerie Lumas Die Masse macht's

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Die haben inzwischen gemerkt, dass Lumas ihnen keine Kunden klaut. Sondern sogar zuführt. "Bei Taschen kaufen die Leute ihr erstes Kunstbuch, bei uns ihr erstes Kunstwerk", sagt Stefanie Harig, wie ihr Partner 40 Jahre alt. "Unsere Kunden hätten teils auch das Potenzial, gleich in eine teure Galerie zu gehen, aber ohne uns würden sie dort nicht landen." Bei Lumas kauft man intuitiv, kann die Werke per Internet bestellen oder in einer der 14 Galerien weltweit kaufen: von Berlin bis Paris, von Zürich bis New York. Wöchentlich laufen rund 200 Bewerbungen junger Fotokünstler auf. Ein Kuratorium entscheidet, wer ins Portfolio darf. Sie erhalten 15 bis 20 Prozent vom Erlös. Klingt wenig. "Ist aber viel", sagt Ullrich, "wie ein Honorareinkommen bei einem Buchverlag." Jeder sechste der insgesamt 120 Lumas-Fotografen kann von den Honoraren leben.



Längst nicht jedes Lumas-Foto strahlt das aus, was die studierte Kunsthistorikerin Harig selbst von einer bedeutenden Fotografie erwartet: "Sie muss jenseits von Schönheit in jeder Lebensphase immer wieder Neues zu entdecken geben." Aber Lumas ist Geschäft, nicht Museum. 80 Prozent des Portfolios muss kommerziell tragfähig sein. Der Rest genießt künstlerische Narrenfreiheit, heißt es. Und die Wertschöpfungskette wird ständig erweitert. "Wir müssen jedes Jahr eine noch breitere Zielgruppe ansprechen, denn die Depots unserer Stammkunden sind irgendwann voll", sagt Ullrich.

Inzwischen gibt es von beliebten Motiven auch Mini-Abzüge im Postkartenformat; Abzüge aus alten Fotoarchiven, Möbel und Künstlerporzellan zählen auch zum Angebot. Die Umsätze steigen rapide: 2006 waren es 5,6 Millionen, 2007 schon 8,9 Millionen und 2008 peilte man 14 Millionen Euro an. Inzwischen ist Hubert Burda mit 34 Prozent am Betrieb beteiligt. Und es werden mehr als 110 Mitarbeiter beschäftigt.



Seit einem Jahr gibt es auch ein weiteres Firmenkind: Whitewall. Die Internetplattform verfolgt wie Lumas eine so simple wie geschäftskräftige Idee. Sie ermöglicht als "digitaler Kunstmarkt" allen Hobbyfotografen, die vielleicht nur einmal im Leben das perfekte Foto schießen, dieses einem breiten Publikum zu verkaufen. Als Interessent kann man mit einer komplexen Suchmaske, die die Motive sogar nach Farben durchkämmt, Fotos finden und bestellen. Oder man ordert nur übers Labor die eigenen Familienfotos - in edler Lumas-Optik mit allen Kaschier- und Rahmungsschikanen, wie sie sonst nur Profis haben. Der Schnappschuss von Oma als Kunstwerk.

Stefanie Harig und Marc Ullrich sprechen gern von der Demokratisierung der Kunst. Jeder soll sie sich leisten können. Und jetzt soll sie auch jeder produzieren können. Andy Warhol, der Ahnvater der seriellen Kunstproduktion, prognostizierte einst 15 Minuten Ruhm für jedermann. Ein Bestellvorgang bei Whitewall dauert gerade mal fünf Minuten.

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