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Einhorn Darktrace Zwei Frauen führen Großbritanniens erfolgreichstes KI-Start-up

Darktrace ist eines der am schnellsten wachsenden Einhörner Großbritanniens. Der Spezialist für Cybersecurity profitierte von einzigartigen Bedingungen.
04.09.2019 - 16:00 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen Darktrace entwickelt Software für Cybersecurity. Quelle: Unsplash
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Das Unternehmen Darktrace entwickelt Software für Cybersecurity.

(Foto: Unsplash)

London Ihre Lust auf Start-ups bekam Poppy Gustafsson beim Risikokapitalgeber Amadeus Capital Partners. „Ich war nur die Buchhalterin, aber da gab es diesen wunderbaren Angel Investor“, erzählt sie. „Es war ein solches Privileg, diese Leute reinkommen zu sehen, so ein Typ mit einem Hund, der sagte, ich habe eine großartige Idee und will sie umsetzen. Es war total ansteckend: Ich dachte mir, du willst von Leuten mit solcher Leidenschaft umgeben sein.“

Heute ist die Mittdreißigerin eine von zwei CEOs der britischen Tech-Firma Darktrace. Zusammen mit der Amerikanerin Nicole Eagan bildet die Britin eine weibliche Doppelspitze – was in dem Sektor höchst ungewöhnlich ist.

Das Start-up, das eine marktführende Software für Cybersecurity entwickelt hat, ist eines der am schnellsten wachsenden Einhörner Großbritanniens. Mit einer Bewertung von aktuell 1,65 Milliarden Dollar hat das Unternehmen die Einhorn-Schwelle von einer Milliarde Dollar bereits locker überschritten.

In den zwölf Monaten bis Ende Juni 2018 hat sich der Umsatz von Darktrace auf 59,5 Millionen Pfund fast verdoppelt. Allerdings stieg auch der Verlust auf 38,6 Millionen Pfund, vor allem wegen steigender Personalkosten. Die Firma hat inzwischen rund tausend Mitarbeiter an Standorten in London, Cambridge, San Francisco, Singapur und neuerdings auch München.

Nach den USA und China hat Großbritannien weltweit die meisten Einhörner hervorgebracht. Laut einer Studie des Datenanbieters Dealroom haben 60 britische Start-ups seit dem Jahr 2012 eine Bewertung von mindestens einer Milliarde Dollar erreicht. Viele sind seither in größeren Konzernen aufgegangen.

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Darktrace jedoch will weiter eigenständig bleiben. „Britische Gründer wurden früher häufig dafür kritisiert, dass sie zu schnell verkaufen, weil sie nicht den nötigen Ehrgeiz hätten, um etwas bis zum Ende durchzuziehen“, sagt Gustafsson. „Ich sehe das jetzt nicht mehr. Es gibt viel mehr Einhörner mit großen Visionen.“

Zum Gespräch empfängt Gustafsson in der vornehmen Londoner Zentrale direkt am Trafalgar Square. Mit dabei ist auch Max Heinemeyer, früher Hacker im deutschen Chaos Computer Club. Heute führt er ein 30-köpfiges Team von „Gefahrenjägern“ im Firmenlabor in Cambridge.

Das Hauptprodukt der Firma ist das „Enterprise Immune System“, ein selbstlernender Algorithmus, der ungewöhnliche Vorfälle in Firmennetzwerken erkennt und diese entweder meldet oder automatisch neutralisiert.

Er wird als Box beim Kunden installiert oder, was heute der Normalfall ist, direkt in die Cloud der Firma gespielt. Dort lernt die Software binnen weniger Wochen, was in dem Netzwerk normal ist und was nicht. Anomalien werden gleich bekämpft – wie im menschlichen Immunsystem.

Firewalls und Anti-Viren-Programme reichten für einen wirksamen Schutz längst nicht mehr aus, sagt Gustafsson. Einbrüche von Hackern seien unvermeidlich. „Firmen müssen sich darauf konzentrieren, wo und wie der Einbruch erfolgt und das Problem stoppen, bevor es sich zu einer Krise auswächst.“

Milliardär Mike Lynch half

Darktrace wurde im Juni 2013 von drei Gruppen gegründet: Die Idee hatten ehemalige Mitarbeiter des britischen Inlandsgeheimdiensts MI5 und des Abhördienstes GCHQ, die sahen, wie hilflos Firmen oft auf Cyberangriffe reagierten. Sie taten sich zusammen mit Mathematikern von der Universität Cambridge, die an Künstlicher Intelligenz (KI) forschten.

Das Kapital und Geschäftswissen schließlich lieferte der Milliardär Mike Lynch, auch bekannt als „Bill Gates von Großbritannien“. Er hatte die einst größte britische Softwarefirma Autonomy gegründet und diese 2011 für elf Milliarden Pfund an den US-Konzern Hewlett-Packard verkauft.

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Gustafsson, selbst studierte Mathematikerin, hatte bei Autonomy gearbeitet und kannte einige der Mathematiker in Cambridge. Sie startete als Chief Financial Officer bei Darktrace und bezahlte die Gebühr von 15 Pfund für die Firmengründung. „Ich hatte schon jeden C-Job bei Darktrace“, witzelt sie. „Es fehlt nur noch Chief Technology Officer.“

Die Verbindung zu Lynch wirft heute einen Schatten auf das Start-up. Er steht inzwischen vor Gericht, weil er die Bilanzen von Autonomy frisiert und einen überhöhten Preis von HP verlangt haben soll. Der Milliardär bestreitet die Vorwürfe, hat sich aber wegen des Prozesses aus dem Aufsichtsrat bei Darktrace zurückgezogen. Mit seiner Beteiligungsfirma Invoke Capital ist er weiterhin der größte Investor.

Lynchs Erfahrung war ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Start-ups. „Mike und sein Team waren sehr, sehr einflussreich in den frühen Tagen von Darktrace“, sagt Gustafsson. Ihm sei es zu verdanken, dass das Start-up nach zwölf Monaten Strukturen und Prozesse hatte, über die sonst nur viel größere Unternehmen verfügten. „Wenn wir uns gegenseitig auf die Schulter geklopft und gesagt haben: Yeah, jetzt sind wir hundert Millionen wert, dann fragten sie: Und wie erreicht ihr eine Milliarde? Sie haben diesen Ehrgeiz reingebracht.“

Fünf Monate nach der Gründung hatte Darktrace den ersten Kunden, ein großes Kraftwerk in Großbritannien. „Und dann haben wir sofort angefangen, ein Verkaufsteam in den USA aufzubauen“, sagt Gustafsson.

Finanzierungsprobleme hatte Darktrace nie, auch staatliche Unterstützung war nie nötig. „Wir hatten Glück“, sagt die Chefin. „Die Leute haben immer an unsere Tür geklopft.“ Deshalb peile die Firma derzeit auch keinen Börsengang an.

Rekordjahr im Tech-Sektor
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