Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Elektroinstallation Die fliegenden Sauerländer

Seite 2 von 2:

Unternehmer Ulrich Bettermann verkörpert auf den ersten Blick einen typischen Patriarchen: Der Sauerländer ist ein kantiger, stämmiger Mann, der sein Umfeld im Griff hat. Doch er hat schon als junger Mann bitter erfahren, was Familienunternehmen gefährden kann. Ende der 70er-Jahre drohte ein Streit der Gesellschafter, das Unternehmen lahmzulegen, in einer Zeit, als Bettermann von seinem Vater schon längst in die Führung geholt worden war.

„Bei uns kam Dallas und Denver zusammen“, sagt der 61-Jährige rückblickend in Anspielung auf Zwist und Intrigen in den Familien aus den beiden berüchtigten US-Fernsehserien. Mit rund 200 Mill. DM kaufte Bettermann die Mitgesellschafter Anfang der 80er-Jahre schließlich aus dem Unternehmen heraus – Geld, das die Elektrotechnikfirma in den kommenden Jahren erst einmal wieder verdienen musste. Ein Prozess, der laut Bettermanns „heilsam und prägend“ war für die Gestaltung der eigenen Nachfolge und des heutigen Zusammenspiels in der Familie.

Sohn Andreas, heute 32 Jahre alt, kam 1999 direkt nach dem Studium als Prokurist ins Unternehmen. Schon nach kurzer Zeit verantwortete er den Vertrieb. „Mir blieb das Juniorsyndrom erspart“, sagt Andreas Bettermann. „Juniorsyndrom“, so nennen es Nachfolgeexperten wie Dietrich Reinhardt von der Düsseldorfer Kap 1 Consulting, wenn Sohn oder Tochter sich zwar Geschäftsführer nennen, aber tief im Schatten des Vaters stehen und kaum selbst entscheiden dürfen. Ein oft gemachter Fehler: „Junioren sollten schnellstmöglichst eigene, bedeutende Verantwortungsbereiche in der Firma erhalten“, rät Reinhardt. „Nur so bekommen sie das nötige Gefühl für Chancen und Risiken.“

Die Bettermanns haben zwar kein starres Rollenkorsett, aber ihre Aufgaben verteilt: Sohn Andreas leitet das „Front Office“ der Gruppe, der familienfremde Geschäftsführer Markus Arens das „Back Office“. Sohn Thomas, 25, führt die Schweizer Landesgesellschaft. Vater Ulrich kümmert sich um wichtige Schlüsselkunden, überlässt aber Andreas mehr und mehr das Feld: Etwa im Jahr 2006, als der die Übernahme des Gummersbacher Unternehmens Ackermann Cable Management allein verhandelte, oder jüngst, als die Sauerländer den chinesischen Joint-Venture-Partner herauskauften, um in dem Land künftig unter dem Namen Bettermann aufzutreten. Zugleich baut die Firma auf 40 000 Quadratmetern neue Produktionsflächen am Heimatstandort Menden.

Die Leidenschaft für die Fliegerei ist für die Sauerländer nicht nur Familienband, sondern Geschäft: Die Tochtergesellschaft Obo Jet-Charter ist größter privater Betreiber von Cessna-C525 Flugzeugen, beschäftigt eigene Piloten und hat andere Unternehmer und Privatleute als Kunden – vor allem aus der Region: Zwei Stunden im dichten Straßenverkehr vom Sauerland zum Flughafen Düsseldorf wollen sich Ulrich und Andreas Bettermann bei Geschäftsreisen nur in Ausnahmefällen antun – sie setzen sich lieber selbst ins Cockpit: In dieser Zeit seien sie mit den Obo-Jets meist schon längst am Ziel.

Firmeneigene Flotten

Bettermann

Beim Sauerländer Unternehmen Bettermann führte nicht nur die Leidenschaft der Chefs für die Fliegerei zum Aufbau einer eigenen Flugzeugflotte. Sondern auch der Zwang, schnell aus der Provinz an internationale Standorte zu gelangen. Chef Ulrich Bettermann ist Miteigentümer des Flughafens Arnsberg-Menden.

Firmenjets

Auf firmeneigene Flugzeuge setzen auch andere Unternehmen des gehobenen Mittelstandes, die weit entfernt von Großflughäfen ihren Sitz haben und dennoch wegen der internationalen Ausrichtung regen Geschäftsverkehr haben. Das Geschäft brummt: Hersteller von Business-Jets haben derzeit die Orderbücher voll.

Beispiele

Der Schraubenhersteller Würth besitzt vier Flugzeuge und betreibt den „Adolf Würth Airport“ in Schwäbisch Hall. Auch Heiztechnikspezialist Viessmann schickt Führungskräfte mit eigenen Jets aus der nordhessischen Provinz in die Welt. Im Allgäu haben sich 32 Mittelständler aus der Region am Flugplatz Memmingen beteiligt, um das Überleben des Airports zu sichern.

Vorteile

Es lassen sich entlegene Standort etwa in Osteuropa schneller erreichen und Regionalflughäfen in deren Nähe anfliegen. Die Zeit für Anfahrt, Einchecken und Warten an den Großflughäfen entfällt.

Handelsblatt Zukunft Mittelstand Newsletter
Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote