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Elektromobilität Autozulieferer setzen auf E-Bike-Motoren

Bosch ist einer der führenden E-Bike-Hersteller, aber andere Autozulieferer ziehen nach. Auch Brose und Mahle sind in das Geschäft eingestiegen.
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Bosch hat den Markt mit seinen elektrischen Antriebssystemen zumindest in Deutschland überrollt. Quelle: Bosch
E-Schwalbe von Bosch

Bosch hat den Markt mit seinen elektrischen Antriebssystemen zumindest in Deutschland überrollt.

(Foto: Bosch)

StuttgartBosch-Chef Volkmar Denner neigt nicht gerade zu überschwänglichen Gefühlsausbrüchen. Aber wenn das Wort E-Bike fällt, zaubert es dem leidenschaftlichen Zweiradfahrer immer ein Strahlen ins Gesicht. Vor zehn Jahren trieb er maßgeblich den Einstieg in die Produktion elektrischer Fahrradantriebe mit einer neuen Gesellschaft voran.

Denner – sowohl eingefleischter Motorrad- wie Mountainbikefahrer – hatte ein sehr gutes Näschen für sein Baby. Zwar sagt er es nicht offen, aber aus dem konzerninternen Start-up ist ein Einhorn geworden. So werden Start-ups mit einem Marktwert von mindestens einer Milliarde Euro genannt.

Die „Auto-risierung“ der Fahrräder begann zwar mit der Einführung von hydraulischen Bremsen schon deutlich früher, aber Bosch hat den Markt mit seinen elektrischen Antriebssystemen zumindest hierzulande überrollt. International sind vor allem Yamaha und Shimano Konkurrenten.

Aber der weltgrößte Autozulieferer hat technologisch einiges zu bieten. Von der Konzernsparte Elektrowerkzeuge kommen die Lithium-Ionen-Akkus. Wissen über Elektromotoren, Batteriesteuerungen ist an vielen Stellen des Konzerns vorhanden, ebenso über Bordcomputer und deren Vernetzung mit Diensten.

„Bosch eBike Systems wächst. Wir bieten komplette Systeme, Batterie, Steuerung und Dienste. Alle Komponenten sind aufeinander abgestimmt. Das ist unser Wettbewerbsvorteil“, sagt Claus Fleischer, 51, und seit 2012 Geschäftsleiter Bosch eBike Systems.

Die Zahl der in Deutschland verkauften Elektrofahrräder dürfte 2018 knapp 900.000 erreicht haben. Bosch sieht sich zurückhaltend als „einer der führenden Hersteller“, dürfte aber klarer Marktführer bei den Antrieben sein. Genaue Absatz- und Umsatzzahlen verraten die Schwaben allerdings nicht. 70 namhafte Fahrradmarken zählt Bosch zu seinen Kunden.

Es begann mit City- und Trekking-Bikes. Seit vier Jahren geht der Trend zu sportlichen Elektrorädern. Sehr stark sind derzeit auch elektrifizierte, sportliche Mountainbikes gefragt. Inzwischen gibt es schon die dritte Produktgeneration. Die Antriebe wurden immer kleiner und effizienter, die Batterien leistungsfähiger und die Steuerung intelligenter.

Schon die Anfangserfolge von Bosch generierten Nachahmer unter den Autozulieferern. Seit 2014 baut Brose in Berlin ein eigenes E-Bike-Antriebssystem. Brose – bekannt für Tür- und Sitzsysteme – beliefert die Automobilindustrie jährlich mit rund 200 Millionen Elektromotoren. Da lag es für die Franken nahe, den Boom bei Elektrofahrrädern mitzumachen.

Die Spezialität: Der Motor ist in allen Richtungen (360 Grad) in den Rahmen einbaubar, das schafft eine hohe Flexibilität. Bereits 30 Hersteller vertrauen auf Brose. „Unsere Entwicklung geht nach vorne“, ist Vertriebschef Horst Schuster optimistisch.

Auch das Familienunternehmen Marquart sieht für sich mit einem eigenen Antrieb und einem Batteriesystem Chancen im Markt. Nach Bosch und Brose stiegen die Süddeutschen 2016/17 als dritter deutscher Autozulieferer in das Geschäft ein.

Bikes werden komplexer

Jüngster Nachzügler ist Mahle. Der viertgrößte deutsche Autozulieferer kaufte im vergangenen Herbst die spanische Ebikemotion. „Der globale Markt für Pedelecs wird sich weiter stark entwickeln. Unser Ziel ist es, uns als Systemanbieter aufzustellen“, sagt der neue Mahle-Chef Jörg Stratmann.

Die Stuttgarter wollen die spanische Technologie jetzt im Eiltempo industrialisieren. Mahle setzt dabei auf kompakte und leichte Hinterradnabenmotoren, während Bosch und Brose Mittelmotoren bauen.

Die neue Konkurrenz hat bei Bosch dafür gesorgt, noch mehr Gas zu geben. Auch die Zielgruppe wird immer jünger. Nicht jeder ist bereit, die teuren Bordcomputer mitzukaufen. Deshalb übernahm Bosch 2017 das Frankfurter Start-up COBI.Bike. Mit dessen Technologie kann jedes Smartphone als Bordcomputer benutzt werden. 2018 kam dann wieder eine Lösung für den größeren Geldbeutel. Bosch führte als Erster ein ABS-System ein.

Die Batterie als Energiequelle macht es möglich. Die Systemintegration und Diagnose läuft immer mehr wie beim Auto. Schreitet diese Entwicklung voran, dann wird es künftig in den elektrischen Drahteseln nur so von automobiler Technologie wimmeln – mit Vor- und Nachteilen. Für die Wartung werden nicht mehr nur Ölkännchen, Schraubenschlüssel und Kettenspanner reichen, sondern wie beim Auto sind Diagnosecomputer notwendig.

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