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Employer Branding Bei der Azubi-Suche werden Mittelständler kreativ

Oft bleiben Ausbildungsplätze frei, weil viele lieber studieren möchten. Mittelständler lassen sich allerhand einfallen, um junge Leute zu begeistern.
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Viele Unternehmen habe Mühe, junge Leute für ihren Beruf zu gewinnen. Quelle: Theodor Barth/laif
Backstube

Viele Unternehmen habe Mühe, junge Leute für ihren Beruf zu gewinnen.

(Foto: Theodor Barth/laif)

Düsseldorf Glasermeister Sven Sterz kommt im Blaumann mit einer Glastür auf der Schulter aus seiner Werkstatt, bleibt stehen und lässt die Tür auf den Boden fallen. Der 50-Jährige steht im Scherbenhaufen, dreht sich um und spricht mit norddeutschem Akzent in die Kamera: „Moin, ich habe zwei Ausbildungsplätze zu vergeben.“

Anschließend holt er einen Zettel hervor. „Jetzt mache ich dir ein Angebot, das muss ich ablesen, denn das kann ich selbst kaum glauben.“ Über vier Millionen Mal wurde sein Aufruf für eine Ausbildung zum Glaser auf Facebook angeklickt.

Kreative Methoden wie diese, die im Fachjargon Employer Branding genannt werden, sollen kleinen und mittelständischen Unternehmen dabei helfen, ihre Ausbildungsplätze an Schulabsolventen zu vergeben. Das ist auch dringend nötig, denn seit 2011 beobachtet das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), dass viele Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben.

So wurden laut Datenreport 2019 des BIBB im vergangenen Jahr von etwa 3400 Ausbildungsstellen zum Bäcker nur 2700 von Bewerbern auch nachgefragt. Ausbildungsplätze zum Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk gab es rund 9500. Jedoch wollten nur etwa 6000 Jugendliche diese Ausbildung machen.

Vor allem im Handwerk, Einzelhandel und der Gastronomie registriert das BIBB ein deutschlandweites Passungsproblem: Mit über 574.000 betrieblichen Stellen werden so viele Azubis gesucht wie seit 2009 nicht mehr. Doch 57.700 Ausbildungsplätze blieben unbesetzt, dreimal so viele wie zuletzt vor zehn Jahren.

Sven Sterz sowie andere Mittelständler haben das erkannt und entwickeln seither eigene Kampagnen und Veranstaltungen oder schaffen Anreize, um ihre Ausbildungsplätze für junge Leute attraktiv zu machen. Geld ist dabei oft zweitrangig.

Visite in Schulklassen

Das Unternehmen Delo ist aus dem täglichen Leben kaum wegzudenken. Wer einen Blick auf sein Smartphone, Tablet oder die Smartwatch am Handgelenk wirft, der schaut häufig auf ein Gerät, das durch Klebstoffe von Delo zusammengehalten wird.

Der Mittelständler aus dem oberbayrischen Landkreis Landsberg bei München ist Spezialist für industrielle Klebstoffe und chemische Verbindungstechniken. In 60 Ländern verkauft Delo seine Produkte, erwirtschaftet 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Im vergangenen Jahr waren das 159 Millionen Euro.

Doch auch solch ein Champion hat es nicht leicht, alle Lehrstellen zu besetzen. Problematisch ist es etwa bei Werkstoffprüfern für Kunststoff. „Mit etwas Anstrengung finden wir jährlich zwei Auszubildende, obwohl wir ohne Weiteres auch vier einstellen könnten“, sagt Geschäftsführer Robert Saller.

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Daher geht Delo gezielt in Schulen und bietet Berufsinformationstage, Bewerbungstrainings, Betriebsbesichtigungen oder Vorträge an. „Durch Gespräche oder auch eine Anzeige in der Abi-Zeitung wollen wir den jungen Leuten in Erinnerung bleiben und ihnen zeigen, was wir für sie und die Region tun.“

Zusätzlich setzt er auf digitale Medien. Ein Karriereblog auf der Unternehmenswebsite und ein Instagram-Profil sollen den Jugendlichen zeigen, wie bei Delo gearbeitet wird, wie die Unternehmenskultur ist oder wie sie sich professionell bewerben.

Für die 40 neuen Auszubildenden, die am 1. September bei Delo in 13 verschiedenen Berufen eine Lehre beginnen werden, organisiert der Spezialklebstofffabrikant vorab mehrere Infoabende und eine einwöchige Einführungsveranstaltung. Dort lernen die Neulinge ihre Ausbilder, den Produktionsstandort und andere Azubis kennen. So sollen sie frühzeitig zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen.

Attraktiv mit Technologie

Nächtliches Aufstehen, körperliches Schuften und ein geringes Einkommen machen den Bäckerberuf für viele Jugendliche unattraktiv. Auch Bäcker- und Konditormeister Andreas Fickenscher aus der Nähe von Bayreuth fand immer schwieriger Azubis – bis er sich für einen Radikalumbau entschied.

Er entwickelte ein Konzept, das auf Fertigmischungen oder Industriehefe verzichtet, und modernisierte vor zwei Jahren für etwa eine Million Euro seine Backstube. 70 Prozent der Nachtarbeit konnte Andreas Fickenscher so auf den Tag verlegen.

Möglich machen das drei computergesteuerte Reifekammern. Seine Mitarbeiter können tagsüber nun die Teige anmischen, kneten, portionieren und ruhen lassen. Abends schieben sie die Backbleche in die Reifekammern und wählen auf einem Display das richtige Programm aus.

„Das Mantra, Lehrjahre seien keine Herrenjahre, hat für mich ausgedient. Ich muss als Arbeitgeber mein Handwerk für junge Leute attraktiv machen und mit der Zeit gehen“, betont Fickenscher. Zurück zum Ursprung des Handwerks durch Technologie bezeichnet er seinen Ansatz.

Soziale und finanzielle Lockmittel
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