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Energie- und Mobilitätswende Wie die Schaltbau AG von der Renaissance des Gleichstroms profitiert

Der Mittelständler hat schwierige Zeiten hinter sich. Doch nun profitiert er von den Megatrends E-Mobilität und autonomes Fahren.
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Mit der Energie- und Mobilitätswende ist die langjährige Expertise von Schaltbau mit einem Mal für ein wesentlich breiteres Einsatzgebiet gefragt. Zum Beispiel, wenn es darum geht, Schnellladestationen für E-Busse zu installieren. Quelle: dpa
E-Busbetriebshof der Hochbahn

Mit der Energie- und Mobilitätswende ist die langjährige Expertise von Schaltbau mit einem Mal für ein wesentlich breiteres Einsatzgebiet gefragt. Zum Beispiel, wenn es darum geht, Schnellladestationen für E-Busse zu installieren.

(Foto: dpa)

München Die Zukunft kann eigentlich kommen, wenn ein Zukunftsforscher wie Matthias Horx die Aktie quasi zum Kauf empfiehlt – wie jetzt beim Zukunftskongress, den die Schaltbau AG zu ihrem 90. Geburtstag veranstaltet hat. Dabei hat Horx gar nicht gewusst, dass Schaltbau wirklich börsennotiert ist. Und ihm war auch nicht klar, dass die Aktie des 1929 gegründeten Unternehmens zurzeit nicht zu den Stars an der Börse gehört.

Vor drei Jahren war Schaltbau sogar aus dem SDax geflogen. Es gab Probleme in Brasilien, in Spanien mussten Beteiligungen verkauft werden. Der CEO musste gehen. Die Holding, die zwei Weltmarktführer vereint sowie als Spezialist für Gleichstrom-Technik gilt und mit 3000 Mitarbeitern im vergangenen Jahr 477 Millionen Euro umsetzte, wird heute von dem bisherigen Aufsichtsratschef Albrecht Köhler geführt. Und Köhler setzt nach der Konsolidierung auf Wachstum. Allen Grund dazu hat er.

Die Expertise liegt beim Gleichstrom, der aber ziemlich aus der Mode gekommen war. „Nun erlebt der Gleichstrom eine Renaissance“ erklärt Köhler – weil man ihn speichern kann und weil man ihn künftig wieder häufiger braucht und besser zurückgewinnen kann als den Wechselstrom, der den Gleichstrom in vielen Bereichen in den vergangenen Jahrzehnten zurückgedrängt hat.

Anwendungsbeispiele für Gleichstrom sind Windräder, Solaranlagen und Schnellladestationen für die E-Mobilität. Aber natürlich hat es einen Grund gegeben, warum die Gleichstrom-Technologien lange nur im Bahnverkehr eingesetzt wurden. Beim Abschalten des Gleichstroms entsteht ein Lichtbogen, der gefährlich ist. Schaltbau stellt aber sogenannte Schütze her, damit das Abschalten des Stroms auch sicher ist. Darüber hinaus ist Gleichstrom nicht für Überlandleitungen geeignet.

Mit der Energie- und Mobilitätswende ist die langjährige Expertise des Unternehmens mit einem Mal für ein wesentlich breiteres Einsatzgebiet gefragt. Zum Beispiel, wenn es darum geht, Schnellladestationen für E-Busse zu installieren. Im deutschsprachigen Raum liegt der Marktanteil von Schaltbau in diesem Segment bei etwa 35 Prozent, sagt Köhler. Vor ein paar Jahren waren die E-Busse den Kommunen noch viel zu teuer, erinnert sich der Vorstandssprecher. Nun wollten viele Städte E-Busse einsetzen. „Auch in München werden wir uns bewerben“, bemerkt Köhler.

Solche Schnellladestationen müssten nun mal in 20 Minuten wieder rund 80 Prozent ihrer Ladung bekommen haben, erklärt der Ingenieur, der früher unter anderem Mitglied der Geschäftsführung der Schienenfahrzeugsparte bei Knorr-Bremse war.

Aber große Pkws brauchen eben auch Schnelllader, da könnten die Schaltbau-Ingenieure ihre Expertise einbringen. Daneben profitiert die in München ansässige Holding mit dem Tochter-Unternehmen Bode, das Einsteigesysteme für Busse und Bahnen herstellt, von den Trends zur Urbanisierung und zum autonomen Fahren.

Experten für das autonome Fahren wie Daniel Göhring von der Freien Universität Berlin gehen allerdings davon aus, dass es das vollständige autonome Fahren – also das sogenannte Level 5 erst sehr viel später geben wird, als es so manches Start-up oder so mancher Konzern ankündige.

Der Philosoph Richard David Precht sagte in einem Vortrag, dass das autonome Fahren womöglich daran scheitern werde, dass man eben nicht ein Leben gegen ein anderes, beispielsweise ein länger gelebtes gegen ein kürzeres, abwägen könne und man daher eine Programmierung immer gegen das Grundgesetz verstoßen würde. Aber unabhängig davon werden immer weitere Zusatzhilfen in Mobilitätslösungen Einzug halten, auch wenn der Mensch immer noch eingreifen können muss.

Die sogenannten People Mover, die oft auf Schienen führerlos Passagiere an Flughäfen transportieren, gibt es schon, auch sie werden sich weiterentwickeln und brauchen intelligente Tür-, Einstiegs- und Kontrollsysteme. So hat Schaltbau unter anderem auch für die Sammeltaxis der VW-Tochter Moia in Hannover und Hamburg Komponenten für das Schiebetürsystem entwickelt.

Vor wenigen Tagen hat die Schaltbau-Tochter Bode eine Kooperation mit dem Autozulieferer Brose bekanntgegeben. Die beiden Unternehmen wollen künftig gemeinsam intelligente Zutrittssysteme für selbstfahrende elektrifizierte Kleinbusse entwickeln.

Damit der größte technologische Wandel gelingt, sagt Zukunftsforscher Horx – und er fügt hinzu, „wir werden diese Wende schaffen“ – brauche man Umsetzer und „Hidden Winner“, Firmen, die nur im Hintergrund arbeiten. „Von Schaltbau hatte ich vorher noch nichts gehört“, gibt der Zukunftsforscher zu. Doch jetzt hat er sie auf dem Zettel – und viele Anleger vielleicht bald auch.

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