Expansion ins Ausland Eine Frage des Geldes

Noch zögern viele Mittelständler mit dem Aufbau von Produktions- oder Verkaufsstätten jenseits der Grenzen. Angesichts hoher Kosten und heftiger Preiskämpfe ist es aber nur eine Frage der Zeit, wann kleine und mittlere Unternehmen eigene Einheiten außerhalb Deutschlands aufbauen. Doch woher die Mittel dafür nehmen?
  • Stefanie Burgmaier
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FRANKFURT. Erst schöpft die junge Frau mit dem adretten weißen Häubchen zwei Löffel Olivenöl in den Wok, dann lässt sie eine Handvoll Rinderfiletstreifen kurz anbraten, wirft schnell eine Portion Spaghetti ins kochende Wasser und deckt das angebratene Rindfleisch mit Rucola-Salat zu. Staunend verfolgen die wartenden Gäste vor der hellen Holztheke, wie die Köchin anschließend die garen Spaghetti und den Wokinhalt in eine weiße Schlüssel gibt und mit Parmesan überstreut. Fertig sind die "Spaghetti con filetto di manzo e rucola".

Die Kochshow, die sich so oder so ähnlich wohl 100-fach am Tag in den mittlerweile zwölf Vapiano-Restaurants in Deutschland wiederholt, wird bald auch in den USA zu erleben sein. "Im Dezember wollen wir unser erstes Restaurant in Washington eröffnen", sagt Gregor Gerlach, einer der Ideengeber und Gründer von Vapiano. Die Schnellrestaurant-Kette der anderen Art, die Pasta, Pizza oder Salat vor den Augen des Gastes zubereitet, hat dafür eine eigene amerikanische Gesellschaft gegründet. "Wir wollten die Finanzierung der USA-Aktivitäten von Anfang an sauber trennen", sagt Gerlach.

Immer mehr Mittelständler expandieren über die Grenzen. Nach einer Studie der staatseigenen KfW Bankengruppe beliefert knapp ein Viertel aller kleinen und mittleren Unternehmen inzwischen ausländische Märkte. Noch zögern zwar viele Mittelständler mit dem Aufbau von Produktions- oder Verkaufsstätten jenseits der Grenzen; nach einer Creditreform-Umfrage haben bislang nicht einmal vier Prozent direkt im Ausland investiert. Doch angesichts hoher Kosten und heftiger Preiskämpfe ist es nur eine Frage der Zeit, wann kleine und mittlere Unternehmen eigene Einheiten außerhalb Deutschlands aufbauen.

"Fast jeder Mittelständler steht heute im globalen Wettbewerb", sagt Peter May, Leiter der Intes Akademie für Familienunternehmen. Unabhängig davon, ob sich ein Mittelständler dazu entscheidet, im Ausland zu produzieren oder dort neue Absatzmärkte zu suchen, der Beschluss hat Auswirkungen auf die Finanzplanung. "Mit der Auslandsexpansion muss ein ganzes Bündel von Themen angegangen werden", sagt Insa Bergmann, Firmenkundenbetreuerin bei der HSH Nordbank. "Und am Anfang muss die Finanzierung geklärt werden", meint Sönke Vogel, dessen Unternehmen Seca seit seiner Gründung 1840 auch ausländische Märkte mit Waagen beliefert.

"Es müssen ganz neue Bankverbindungen aufgebaut werden", bestätigt auch Alfried Bührdel, Finanzvorstand der Kölner Ströer-Gruppe. Sein Unternehmen, das Werbeflächen vermarktet und mit einem Umsatz von rund 400 Millionen Euro zu den großen Mittelständlern gehört, ist seit 1998 in der Türkei tätig. Anders als Va- piano-Gründer Gerlach bei seiner USA-Expansion plant, gründete Ströer für sein Türkei-Engagement ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem lokalen Partner. "Am Anfang haben wir uns aus Gesellschafterdarlehen finanziert", erinnert sich Bührdel.

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