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EY-Studie 6,2 Milliarden Euro für Jungunternehmer: Geldregen für deutsche Start-ups

Jungunternehmer in Deutschland erhielten 2019 eine Rekordsumme an Startkapital. Auch Start-ups für Cannabis sammelten Gelder in Millionenhöhe ein.
14.01.2020 - 07:02 Uhr Kommentieren
Die Kernmarke von Flixmobility hat im vergangenen Jahr am meisten Wagniskapital eingesammelt. Quelle: Reuters
Flixbus

Die Kernmarke von Flixmobility hat im vergangenen Jahr am meisten Wagniskapital eingesammelt.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Die deutschen Gründer werden von den Investoren verwöhnt und bekommen so viel Startgeld wie nie zuvor. Insgesamt erhielten die Jungunternehmer im vergangenen Jahr 6,2 Milliarden Euro, das waren 36 Prozent mehr als 2018.

Gleichzeitig stieg die Zahl der Finanzierungsrunden um 13 Prozent auf 704, geht aus dem jüngsten „Start-up Barometer Deutschland“ der Unternehmensberatung EY (Ernst & Young) hervor.

Der Finanzierungsboom halte unvermindert an, meint Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY Deutschland. „Erneut sorgten vor allem einige sehr große Deals vornehmlich ausländischer Geldgeber für den Investitionsrekord“, lautet seine Bilanz. Immerhin 13 Finanzierungsrunden in der Größenordnung von mehr als 100 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr gezählt, 2018 hatte es nur sechs derartige Mega-Deals gegeben.

„Top-Start-ups hatten im vergangenen Jahr erneut kaum Probleme, an frisches Kapital zu kommen, die Zahl der deutschen Einhörner ist 2019 weiter gestiegen“, sagt EY-Partner Peter Lennartz. Von „Einhörnern“ spricht die Branche dann, wenn die Bewertung auf mindestens eine Milliarde Euro steigt.

In Deutschland verteidigte die Gründerhochburg Berlin Platz eins. Start-ups dort sammelten allein 3,7 Milliarden Euro ein und damit knapp 60 Prozent aller Gelder hierzulande, so EY. Bayern mit dem Zentrum München und seinen Qualitäten bei Hightech habe aber aufgeholt und sich als zweiter deutscher Start-up-Standort etabliert.

Weltweit kühlt der Markt eher ab

Deutschland erlebte damit eine Art Sonderkonjunktur, denn weltweit hat sich der Markt für Wagniskapital 2019 abgekühlt. Laut dem Analysehaus Preqin sanken die Finanzierungen global um rund 17 Prozent auf 224 Milliarden Dollar, die Zahl der Deals schrumpfte auf 14.600.

Preqin-Experte Christopher Elvin glaubt, dass es zwar weiterhin hohe Mittelzuflüsse in Venture Capital (VC) geben wird, gleichzeitig aber der Wettbewerb um gute Deals zunehmen wird. Die Renditen könnten darunter in Zukunft leiden.

Ulrike Hinrichs, geschäftsführendes Vorstandsmitglied beim Branchenverband BVK, glaubt, dass Venture Capital als Wunschfinanzierung bei einer wachsenden Zahl ambitionierter Gründer in Deutschland an erster Stelle steht. „Für die Risikokapitalgeber bedeutet dies, aus der Vielzahl von Beteiligungsanfragen die relevanten und attraktivsten zu identifizieren“, ergänzt die Expertin.

Finanzstarke und überwiegend international tätige Investoren aus den USA, Großbritannien sowie Asien seien insbesondere an sehr großen Transaktionen interessiert, auch weil die Bewertungen in Europa im Vergleich zum Silicon Valley in den USA noch relativ günstig seien, sagt EY-Experte Lennartz. Auch deutsche Risikokapitalgeber betrieben intensives Fundraising und legten neue Fonds auf. „Um die ersten, kleineren Runden von überwiegend deutschen Kapitalgebern finanziert zu bekommen, müssen die jungen Unternehmen von Anfang an ein Geschäftsmodell betreiben, das potenziell auch international erfolgreich sein kann. Anschließend können sie mit internationalen Geldgebern in die großen Runden gehen“, erläutert Lennartz.

Um die Finanzierung von Start-ups weiter zu fördern, plant die Bundesregierung einen „Zukunftsfonds“, der mehr Kapital in die deutsche Start-up-Szene leiten soll. Außerdem wird die KfW Capital als Tochter der staatlichen Förderbank den Markt mit zahlreichen Investments in einzelne VC-Fonds unterstützen. „Frankreich ist vorangegangen und hat gezeigt, welche Dynamik entfacht werden kann, wenn der Staat sich aktiver einbringt und eine breite Unterstützung für die innovative und digitale Start-up-Szene mobilisiert“, sagt Lennartz.

Mobilität ist das große Investment-Thema

Die Dominanz von E-Commerce-Geschäftsmodellen wurde im Jahr 2019 in Deutschland endgültig gebrochen: Das meiste Geld floss mit 1,6 Milliarden Euro an junge Mobilitätsanbieter – vor allem aufgrund der beiden Mega-Finanzierungsrunden für FlixMobility und GetYourGuide. Im Gesundheitssektor war der Bereich „Digital Health“ führend, aber auch die Cannabis-Geschäftsmodelle konnten 37 Millionen Euro einsammeln. Berlin behauptete mit 262 Finanzierungsrunden seinen Ruf als Hauptstadt der deutschen Start-up-Szene, gefolgt von Bayern und NRW.

Im Jahr 2018 wurden laut Preqin 44 Prozent aller VC-Deals von nordamerikanischen Geldgebern finanziert, 25 Prozent von chinesischen und 19 Prozent von europäischen Fonds. Besonders spürbar holen die Chinesen auf, drei der zehn größten Venture-Fonds kommen heute aus dem Reich der Mitte.

In den kommenden fünf Jahren werden die verwalteten Unternehmen und Vermögensteile der Wagnisfonds laut Preqin weltweit eine Billion Dollar erreichen – Europa und Deutschland werden sich nach Einschätzung der meisten Experten sehr anstrengen müssen, um nicht im globalen Maßstab zurückzufallen.

Mehr: Peking statt Silicon Valley: Wie China sein eigenes Einhorn-Wunder erschafft

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