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EY-Studie Deutsche Unternehmer sind zufrieden wie lange nicht

Der deutsche Mittelstand trotzt dem Konjunkturpessimismus. Die Eintrübung der Konjunktur ist offenbar kein Problem, wohl aber der Fachkräftemangel.
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EY-Studie zeigt: Mittelstand trotzt Konjunkturpessimismus Quelle: dpa
Ein Arbeiter montiert einen Lackierroboter

Die meisten mittelständischen Unternehmen sind mit ihrer Geschäftslage zufrieden.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer Onlinehändler für Heimtierprodukte Zooplus meldet ein erfreuliches Jahr. Kratzbäume, Hundekörbe oder Spielzeug für Tiere aller Art verkaufte sich neben Tierfutter besonders gut. Zooplus konnte im Geschäftsjahr 2018 den Umsatz um ein sattes Fünftel auf rund 1,3 Milliarden Euro steigern.

Das Unternehmen wurde 1999 in München gegründet und ist heute in rund 30 Ländern aktiv. Für Europa erwartet Vorstandschef Cornelius Patt weiterhin ein starkes Wachstum im E-Commerce. Zooplus rechnet daher mit einer Fortsetzung der dynamischen Entwicklung.

So gut wie bei Zooplus läuft es momentan bei den meisten deutschen Mittelständlern. Aller Unkenrufe zum Trotz, die eine baldige weltweite Rezession voraussagen – der Mittelstand ist derzeit so gut gestimmt wie lange nicht mehr. 65 Prozent sind mit ihrer eigenen Geschäftslage uneingeschränkt zufrieden.

Das ergab das Mittelstandsbarometer der Unternehmensberatung EY, das die Stimmung von 1.500 mittelständischen Unternehmen widerspiegelt. Gerade mal drei Prozent der Befragten klagen über eine eher schlechte Geschäftsentwicklung.

Die Mittelständler sind damit sogar positiver gestimmt als noch vor einem Jahr. Insgesamt ist dies der höchste Wert seit Beginn der Befragung in 2004.

Auffällig dabei ist: Im Westen Deutschlands ist die Zufriedenheit von 60 auf 67 Prozent weiter gestiegen. Im Osten dagegen ist ein Rückgang von 68 auf 59 Prozent zu beobachten.

Dennoch dominiert bundesweit Optimismus. „Die Stimmung im deutschen Mittelstand ist bemerkenswert gut – gerade angesichts der eingetrübten weltweiten Konjunkturaussichten fällt das Urteil überraschend positiv aus“, findet Michael Marbler, Partner bei EY und Experte für den Mittelstand. Die geopolitischen Spannungen beunruhigten den Mittelstand offenbar deutlich weniger als Großkonzerne.

Ausnahme: die Automobilbranche

Lediglich in der Automobilbranche ist ein klarer Stimmungsumschwung zu beobachten: Hier sind nur 46 Prozent der Mittelständler mit der Geschäftslage uneingeschränkt zufrieden. Zuvor waren es noch 67 Prozent. Ein Beispiel ist der Licht- und Sensorspezialist Hella aus Lippstadt.

Zuletzt konnte der Autozulieferer zwar seinen Umsatz weiter steigern, doch das Wachstum kühlte sich ab. Der familienkontrollierte MDax-Konzern hat auf die Branchenkrise reagiert und fährt seit mehreren Monaten ein Programm zur Kostensenkung.

Die Lippstädter beobachten den schrumpfenden Automobilmarkt mit Sorge. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China drücke auf die Verbraucherstimmung im Reich der Mitte, sagt Vorstandschef Rolf Breidenbach. Der Hella-Chef sorgt sich zudem, dass ein harter Brexit sich auf die Verbraucherstimmung in ganz Westeuropa auswirken könnte.

In den meisten anderen Branchen zeigen sich die Mittelständler allerdings sehr gelassen, was Konjunkturrisiken im Ausland angehen. Ein Grund dafür: Bei fast jedem zweiten befragten Unternehmen beschränkt sich die Geschäftstätigkeit ganz auf den deutschen Markt. Dort ist die Nachfrage stabil. Gerade mal elf Prozent der deutschen Mittelständler sind aktuell in China aktiv, zwölf Prozent in Nordamerika.

Wichtigster Auslandsmarkt ist wie auch bei Zooplus nach wie vor Westeuropa, wo die Hälfte aller Mittelständler engagiert ist. „Immer noch konzentrieren sich viele mittelständische Unternehmen auf den Heimatmarkt“, so Marbler. Das verleihe dem Geschäft in unruhigen Zeiten einerseits eine gewisse Stabilität und Berechenbarkeit. Andererseits verpassten Mittelständler dadurch aber auch Wachstumschancen.

Angesichts der guten Geschäftslage wollen 31 Prozent der befragten Mittelständler ihre Investitionen demnächst sogar noch erhöhen. 38 Prozent planen, auch in den kommenden sechs Monaten Personal aufzubauen. Die Einstellungsbereitschaft ist damit so hoch wie nie seit Beginn der Befragung.

Kaum Firmen entlassen Mitarbeiter

Lediglich drei Prozent der Arbeitgeber wollen Mitarbeiter abbauen. So hat der Radbauer Riese & Müller aus dem Odenwald im vergangenen Jahr seine Belegschaft um 100 Fachkräfte auf 450 erhöht. Die Produktion von E-Bikes brummt, sodass gerade ein neues Werk bezogen wurde.

In Berlin, Hessen und Niedersachsen suchen besonders viele Mittelständler zusätzliche Kräfte. Am meisten Zurückhaltung zeigen Unternehmen in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Die Engpässe bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter dürften sich insgesamt noch verstärken.

59 Prozent der Mittelständler bezeichnen den Fachkräftemangel als große Gefahr für ihr eigenes Geschäft, 16 Prozent sogar als sehr große. Lediglich 36 Prozent (Vorjahr 31 Prozent) sehen in einer Konjunkturabkühlung in Deutschland ein Risiko. Nur 23 Prozent und damit weniger als im Vorjahr mit 31 Prozent halten die Konjunkturentwicklung im Ausland für besorgniserregend.

„Der Fachkräftemangel bereitet den Unternehmen deutlich größere Sorgen als das Risiko eines konjunkturellen Abschwungs“, bringt es Marbler auf den Punkt. Sie wüssten, dass ein Mangel an gut ausgebildetem Personal die Innovationskraft eines Unternehmens fundamental und nachhaltig bedrohen könne.

Insgesamt schauen die deutschen Mittelständler weiter zuversichtlich in die Zukunft. 56 Prozent von ihnen erwarten, dass sich ihre Geschäftslage im nächsten halben Jahr noch weiter verbessert. Nur vier Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.

Radbauer Riese & Müller ist sehr zuversichtlich: Rund 105 Millionen Euro Umsatz machte der E-Bike-Hersteller zuletzt. 150 Millionen Euro sind mittelfristig anvisiert, betont Mitgründer und Chef Heiko Riese.

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