Fahrradhersteller Mifa darf sich in der Insolvenz selbst verwalten

Zweieinhalb Jahre nach der letzten Insolvenz ist Mifa erneut pleite. Mit der Insolvenz in Eigenverwaltung soll der Fahrradhersteller nun neu aufgestellt werden. Wie viele Jobs erhalten werden können, bleibt unklar.
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Nach der erneuten Pleite hat das Amtsgericht Halle nun dem Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung stattgegeben. Quelle: dpa
Fahrradhersteller Mifa

Nach der erneuten Pleite hat das Amtsgericht Halle nun dem Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung stattgegeben.

(Foto: dpa)

SangerhausenDer insolvente ostdeutsche Fahrradhersteller Mifa soll wieder in die richtige Spur gebracht werden. Das Amtsgericht Halle habe dem Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung am Donnerstag stattgegeben, teilte der Sanierungs-Geschäftsführer der Mifa-Bike GmbH, Joachim Voigt-Salus, in Sangerhausen mit. Gemeinsam mit seinem Geschäftsführungskollegen Matthias Herold wolle er das Unternehmen neu aufstellen. „Unser Ziel ist es, die Existenz von Mifa und möglichst vieler Arbeitsplätze hier am Standort Sangerhausen langfristig zu sichern“, erklärte Voigt-Salus.

„Es ist kein Zerschlagungsverfahren, alles spricht dafür, dass es weitergeht.“ Ziel sei ein Sanierungsverfahren. Dem Eigentümer, der Familie von Nathusius, sei das Geld für den Weiterbetrieb ausgegangen, sagte der Rechtsanwalt. Der Umzug in das neue Werk in Sangerhausen sei zu teuer gewesen und das Fahrradgeschäft schlecht gelaufen. Hinzu seien Mängel im Vertrieb gekommen.

Als vorläufiger Sachwalter sei der Insolvenzexperte Lucas Flöther bestellt worden, hieß es weiter. Flöther hatte schon das erste Insolvenzverfahren begleitet, an dessen Ende der Unternehmer Heinrich von Nathusius Mifa übernommen hatte. Ein neues Werk war erst kürzlich eröffnet worden.

„Wir werden Anfang Februar die volle Produktion aufnehmen, das müssen wir erreichen“, sagte Voigt-Salus. Ende Januar solle das neue Werk „technisch voll produktionsfähig sein“. Ziel sei es, „die guten Mitarbeiter im Unternehmen zu halten“.

Diese Traditionsfirmen gingen insolvent
Beate Uhse (2017)
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Der Erotik-Händler Beate Uhse setzte auf falsche Strategien und verschlief Trends. Die Folge: 18 Jahre nach seinem Börsengang im Jahr 1999 beantragte das Unternehmen im Dezember 2017 Insolvenz in Eigenregie. Parallel läuft nun der Verkaufsprozess. Beate Uhse wurde 1946 von der früheren Luftwaffenpilotin Beate Rotermund-Uhse gegründet, 1962 eröffnete ihr Unternehmen in Flensburg den ersten Sexshop der Welt.

Air Berlin (2017)
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Selten wurde eine Insolvenz so intensiv öffentlich ausgebreitet wie bei Air Berlin. Seit sich die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft im August 2017 für zahlungsunfähig erklärte, verschwand der Konzern nicht mehr aus den Schlagzeilen. Die Firmenpleite war wohl die spektakulärste des Jahres 2017, dabei kam sie nicht mal überraschend: Es galt als sicher, dass Air Berlin das Jahr nicht in seiner bisherigen Form überleben würde. Die roten Schokoherzen der 1978 gegründeten Fluggesellschaft sind jetzt Sammlerstücke.

Solarworld (2017)
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Die 1988 gegründete Solarworld AG musste nach sechs verlustreichen Jahren im Mai 2017 Insolvenz anmelden. Der Gründer und Chef des Photovoltaikkonzerns, Frank Asbeck, kaufte einige Monate später die beiden deutschen Fabriken und mehrere Tochtergesellschaften im Ausland. Investoren aus Katar unterstützen Asbeck bei dieser Teilrettung.

Alno (2017)
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Für die 410 Mitarbeiter des insolventen Küchenherstellers Alno gab es Ende des Jahres 2017 doch noch eine gute Nachricht. Finanzinvestor River Rock kaufte den Konzern für 20 Millionen Euro und will den Betrieb, der schon längst eingestellt war, weiterlaufen lassen. Damit können fast alle Mitarbeiter mit dem Erhalt ihres Arbeitsplatzes rechnen – obwohl sie zuvor nach Hause geschickt worden waren. Lange Zeit war kein Käufer in Sicht. Alno wurde 1927 als Schreinerei in Wangen bei Göppingen gegründet, der Name stammt von Gründer Albert Nothdurft.

Deutsche Touring (2017)
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Die fast 70 Jahre alte Deutsche Touring musste im April 2017 wegen drohender Zahlungsunfähigkeit den Gang zum Amtsgericht antreten. Das 1948 gegründete Unternehmen wollte sich neu aufstellen, um auch künftig in der von einem aggressiven Preiswettbewerb gekennzeichneten Branche bestehen zu können. Der Fernreisebus-Anbieter aus Eschborn bei Frankfurt betreibt nach eigenen Angaben 260 Linien und Zubringerstrecken in 34 europäischen Ländern. Im August 2017 übernahm der langjährige Partner CroatiaBus/Globtour den Geschäftsbetrieb und führt den Linienverkehr fort.

Mifa (2014 und 2017)
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Der Fahrradhersteller Mifa aus Sachsen-Anhalt meldete im September 2014 Insolvenz in Eigenverwaltung an. Im Dezember 2014 übernahm die Unternehmerfamilie Nathusius den Fahrradhersteller. Im Dezember 2016 wurde ein neues Werk in Sangerhausen eröffnet. Doch schon im Januar 2017 musste Mifa überraschend erneut Insolvenz anmelden. Nach dem Verkauf an den Unternehmer Stefan Zubcic nahm das Unternehmen unter dem neuen Namen Sachsenring Bike Manufaktur im August 2017 die Produktion wieder auf.

Sinn-Leffers (2008 und 2016)
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Die Modekette Sinn-Leffers hat im September 2016 erneut Insolvenzantrag gestellt. Die beiden traditionsreichen Modehändler Sinn und Leffers hatten 1997 fusioniert, von 2001 bis 2005 gehörte das Unternehmen zum Essener Karstadt-Quelle-Konzern, bis es von der Deutschen Industrie Holding (DIH) übernommen wurde. 2008 ging Sinn-Leffers schon einmal in die Insolvenz, bei der rund die Hälfte der Filialen geschlossen wurde. 2013 übernahm der Textilunternehmer Gerhard Wöhrl die Kette. Im Juli 2017 wurde das zweite Insolvenzverfahren aufgehoben.

Die Familie von Nathusius stehe weiter hinter ihrem Engagement für Mifa, sagte Voigt-Salus. Sie wolle vier Millionen Euro geben, als sogenanntes Massedarlehen, damit der Betrieb nicht den Anschluss verpasse und weitermachen könne.

Mifa produziert etwa 400.000 Fahrräder im Jahr und gilt als größter verbliebener Arbeitgeber im Südharz. Am Mittwoch hatte das Unternehmen überraschend erneut einen Insolvenzantrag gestellt.

  • dpa
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