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Familienkonzern Haniel prüft Verkauf der Ceconomy-Anteile – weitere Zukäufe geplant

Während der Familienkonzern noch über einen Verkauf der Ceconomy-Anteile nachdenkt, sind die Pläne für weitere Zukäufe wesentlich konkreter.
Update: 04.09.2018 - 19:56 Uhr Kommentieren
Der Unternehmenssitz des Familienkonzerns in Duisburg. Quelle: dpa
Haniel

Der Unternehmenssitz des Familienkonzerns in Duisburg.

(Foto: dpa)

DuisburgDie Familien-Holding Haniel könnte sich nach dem Verkauf von Metro-Anteilen auch von ihrem Aktienpaket an der Elektronikhandelskette Ceconomy trennen. Ceconomy sei für Haniel eine reine Finanz-Beteiligung, sagte Haniel-Chef Stephan Gemkow in Duisburg: „Unser Portfolio ist nicht statisch. Wenn es einen Interessenten geben sollte, der einen Preis bietet, dem man nicht widerstehen kann, würde ich bei jeder unserer Beteiligungen aktiv werden.“

Derweil plant der Familienkonzern auch weitere Zukäufe. „Wir suchen weiter nach Unternehmen, die unser Portfolio vielfältiger und widerstandsfähiger gegen Turbulenzen machen“, so Gemkow. Dafür stünden neben rund 800 Millionen Euro in der „Kriegskasse“ des Unternehmens auch die Einnahmen aus dem Verkauf der Metro-Anteile zur Verfügung.

Haniel hatte kürzlich angekündigt, 7,3 Prozent der Stammaktien des schwächelnden Handelsriesen an den tschechischen Milliardär Daniel Kretinksy zu verkaufen. Zudem räumte das Unternehmen ihm eine Option auf den Kauf seines restlichen Metro-Aktienpakets – insgesamt 15,2 Prozent der Anteile – ein. Der Gesamtwert des Pakets wird auf rund eine Milliarde Euro geschätzt.

Kretinksy ist in der deutschen Handelsbranche ein unbeschriebenes Blatt. Er ist bislang vor allem in den Bereichen Energie und Infrastruktur aktiv und kontrolliert den Strom-Versorger EPH. Dieser hatte in der Bundesrepublik die Braunkohlekraftwerke und den Tagebau von Vattenfall übernommen. Über seine Pläne mit Metro hält er sich bislang bedeckt, Anleger verlangen indes Klarheit.

„Kretinisky hat sich seit geraumer Zeit mit der Metro befasst. Er traut sich zu, das Unternehmen profitabler zu machen“, sagte Gemkow. „Ich glaube, dass Kretinskys Engagement bei der Metro langfristig ist. Ich kann mir theoretisch auch vorstellen, dass er sie von der Börse nimmt“, fügte er auf eine entsprechende Frage hinzu. Kretinsky habe bei seinen Gesprächen um den Metro-Anteil Haniels keinen Konkurrenten gehabt, versicherte Gemkow, der auch persönlich mit dem Tschechen verhandelt hatte. Ein Sprecher des Investors erklärte, es sei noch zu früh für präzise Pläne bei der Metro. „Wir haben nicht genug Informationen über die Firma, um zu entscheiden, ob wir Minderheitsaktionär bleiben oder ob wir Metro von der Börse nehmen.“

Der Familienkonzern ist seit Jahren darum bemüht, das Risiko seiner Investitionen möglichst breit zu streuen. Zuletzt kaufte das Unternehmen etwa den hessischen Verpackungsmaschinenhersteller Rovema sowie Optimar, einen norwegischen Hersteller von Fisch-Verarbeitungssystemen. Beide Unternehmen würde Gemkow gerne durch weitere Zukäufe vergrößern. Doch schloss er auch den Einstieg in weitere neue Geschäftsfelder nicht aus.

Aktuell gehören zum Haniel-Portfolio auch noch der Hygiene- und Berufsbekleidungs-Spezialist CWS-boco, der Matratzenbezüge-Hersteller BekaertDeslee, der Edelstahlrecycler ELG und der Versandhändler Takkt. Außer an Metro ist das Unternehmen mit 25 Prozent als größter Einzelaktionär am Handelskonzern Ceconomy, dem Mutterkonzern von Media Markt und Saturn, beteiligt.

Zuletzt hatten Insider vermutet, auch die chinesische Fosun-Gruppe könnte ihre Fühler nach der Metro ausstrecken. Die Chinesen hatten sich dazu nicht geäußert. Fosun habe sich bis zur Unterschrift des Vertrags mit Kretinsky nicht bei Haniel gemeldet, unterstrich Gemkow: „Sie hätten jetzt zum Hörer greifen und sich melden können. Das haben sie aber bis zum Signing mit Kretinsky nicht gemacht.“

Kretinsky kontrolliert die Mehrheit an der Gesellschaft EP Global Commerce (EPGC), die in einem ersten Schritt einen von Haniel gehaltenen Anteil von 7,3 Prozent an der Metro gekauft hat. Doch Kretinsky und sein langjähriger Geschäftspartner Patrik Tkac wollen mehr: Sie haben sich den Zugriff auf weitere 15,2 Prozent an Metro aus dem Haniel-Besitz gesichert.

EPGC käme damit insgesamt auf 22,50 Prozent der Metro-Anteile und wäre mit Abstand größter Einzelaktionär. Doch Kretinsky geht noch einen Schritt weiter. Denn er hat ein zweites großes Metro-Paket ins Visier genommen, die 9,99 Prozent im Besitz der Elektronikhandelsholding Ceconomy. Ceconomy hatte Gespräche mit Kretinskys Gesellschaft EP Investment über einen Verkauf von knapp neun Prozent bestätigt. Ceconomy käme ein Verkauf nicht ungelegen – der Wertverfall der Metro-Aktien hatte in den vergangenen Quartalen die Bilanz der Holding belastet.

Haniel selbst hatten die Beteiligungen im Halbjahr einen deutlichen Verlust beschert. Allein durch den Metro-Anteil von 22,5 Prozent mussten die Duisburger eine Wertberichtigung von 574 Millionen Euro verkraften. „Die Ergebnis- und Kursentwicklung bei der Metro lief in die falsche Richtung – und das seit geraumer Zeit“, beklagte Gemkow: „Wir hatten die Hoffnung, dass das durch die Teilung besser wird. Das war aber nicht der Fall.“

Metro hatte sich im Sommer vergangenen Jahres aufgespalten, Metro-Chef Olaf Koch hatte dadurch gehofft, Metro und Ceconomy für die Anleger attraktiver zu machen. Ceconomy wird zudem auch durch den Dauer-Clinch mit der Familie Kellerhals belastet, dem Minderheitseigner von MediaMarktSaturn. Beide Seiten verhandeln auch über einen Ausstieg der streitbaren Familie. Gemkow sagte, für eine Einigung dürften keine „Traumpreise“ an die Familie gezahlt werden: „Man kann Assets der Aktionäre nicht verschleudern.“

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