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Familienunternehmen Bei Jungheinrich herrscht beim Führungswechsel Harmonie

Jungheinrich-Vorstand Hans-Georg Frey wechselt in den Aufsichtsrat. Bei der diesjährigen Hauptversammlung erntet der langjährige Manager viel Lob.
30.04.2019 - 21:55 Uhr Kommentieren
Von links: Familienvertreter Wolff Lange, jetziger Aufsichtsratschef Jürgen Peddinghaus, Vorstandsvorsitzender Hans-Georg Frey und sein Nachfolger Lars Brzoska. Bildquelle: Jungheinrich
Jungheinrich-Hauptversammlung

Von links: Familienvertreter Wolff Lange, jetziger Aufsichtsratschef Jürgen Peddinghaus, Vorstandsvorsitzender Hans-Georg Frey und sein Nachfolger Lars Brzoska.

Bildquelle: Jungheinrich

Hamburg Mit viel Gegenwind musste Hans-Georg Frey bei der Hauptversammlung nicht rechnen, im Gegenteil: Das Aktionärstreffen in der Hamburger Neuen Flora hat Harmonie zwischen Management, Familie und den Aktionären demonstriert. Frey bekam dabei viel Lob zu hören: Er sei ein „Fels in der Brandung, einer der sagt, was er denkt, und denkt, was er sagt“, sagte zum Beispiel Wolff Lange, Vertreter der Unternehmerfamilien über die Leistungen des Managers.

Fast auf den Tag genau vor zwölf Jahren startete Frey als Vorstandschef beim Jungheinrich, der Nummer drei weltweit bei Gabelstaplern und Logistiksystemen weltweit. Er hat beträchtliche Erfolge vorzuweisen: Der Umsatz des Unternehmens hat sich verdoppelt, die Aktionäre bekamen regelmäßig Dividenden gezahlt und es wurden 8.000 Arbeitsplätze geschaffen.

Doch nun dreht sich bei dem Hamburger Traditionsunternehmen das Personal-Karussell: Am ersten September wird Frey den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden von Jürgen Peddinghaus einnehmen, vorausgesetzt, der Aufsichtsrat wählt ihn. Vertriebschef Lars Brzoska soll ihm dann als Vorstandschef folgen.

Frey, Peddinghaus und nun auch Brzoska haben eines gemeinsam: Sie sind Fremdmanager in einem Unternehmen, das in Familienhand liegt. Ihre Rolle als Treuhänder wird auch bei der diesjährigen Hauptversammlung deutlich, auch Aktionärsschützer heben sie hervor.

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    Jungheinrich ist mit dem Fremdmanager-Modell in guter Gesellschaft: Von den 600 größten Familienunternehmen werden 187 von Fremdmanagern geführt, zeigt eine Studie des ZEW und des Instituts für Mittelstandsforschung in Mannheim im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen. Es gilt: Je höher die Mitarbeiterzahl und je höher der Umsatz, desto wahrscheinlicher lassen die Familien einen Fremden ans Ruder.

    Dabei ist die Harmonie, die bei Jungheinrich zwischen Management und Familie herrscht, keine Selbstverständlichkeit. Dass es dann plötzlich anders laufen kann, zeigt der Fall von Knorr Bremse. Das Unternehmen gab am Dienstag bekannt, dass Vorstandschef Klaus Deller das börsennotierte Familienunternehmen sofort verlässt.

    Bei Jungheinrich sind die Machtverhältnisse deutlich geregelt: Über wichtige Entscheidungen stimmen die Gesellschafter ab, die mit 52,94 Prozent den Löwenanteil des Aktienkapitals halten und 100 Prozent der Stimmen. Kleinaktionäre haben in dem Unternehmen wenig zu sagen – gehen aber immerhin mit einer Dividende von 0,5 Euro je Aktie, deren Preis aktuell bei rund 31 Euro liegt, nach Hause.

    Und worüber von den Gesellschaftern zu entscheiden ist, das regeln Peddinghaus und Frey. Beiden wuchsen so unternehmerische Freiheiten zu, die sie in anderen Firmen hätten lange suchen müssen. Auch den jetzigen Führungswechsel fädelten sie ein. Peddinghaus, der auch bei Faber-Castell, und Zwilling im Aufsichtsrat sitzt, hatte die Idee zum direkten Wechsel Freys vom Vorstand in den Aufsichtsrat – ein ungewöhnlicher Schritt.

    Denn üblich ist, dass Vorstände erstmal eine Pause machen, bevor sie ihre Aufgaben im Aufsichtsrat wahrnehmen, eine so genannte Abkühlphase durchlaufen. Das soll dabei helfen, Interessenskonflikten vorzubeugen. Doch von der Abkühlphase hält Peddinghaus nicht sonderlich viel: „Ich gehe davon aus, dass Unternehmen anständig geführt sind“, sagt er.

    Sein Stellvertreter im Aufsichtsrat, der Arbeitnehmervertreter Markus Haase, der zugleich Vorsitzender des Konzernbetriebsrats ist, hätte eine Abkühlphase für den Vorstandschef prinzipiell zwar sinnvoll gefunden, sie ist im Governance-Kodex auch so vorgesehen.

    Eine Lücke im Regelwerk

    Doch das Regelwerk lässt für Familienunternehmer eine Lücke: Wenn sich die Eigentümer dafür entscheiden, auf eine Abkühlphase des Vorstandschefs zu verzichten, und ihn gleich in den Aufsichtsrat entsenden, dann genügen 25 Prozent der Stimmen dafür. Frey hatte 100 Prozent. Auch seine Wahl zum Aufsichtsratsvorsitzenden dürfte eine reine Formsache werden.

    Der 63-Jährige nimmt alle seine Aufgaben ernst, auch die kleineren, das ist ihm wichtig. So steht er an diesem Dienstagmorgen vor der Hauptversammlung und übt seine Rede. Er berät als Aufsichtsrat auch Marc Fielmann, Vorstandschef der gleichnamigen im M-Dax notierten Brillen-Filialkette. Frey habe „wesentlich zum Gelingen der Nachfolge in unserem Familienunternehmen beigetragen, sagt Fielmann,

    Werte erhalten, nachhaltig sein, das ist Frey wichtig. Er hat sich ein wenig am  Managementberater Fredmund Malik orientiert mit seiner Führung nach Werten, nach dem Leistungsprinzip und mit Demut und Bescheidenheit.

    Doch auch klare Ansagen sind Frey nicht fremd. Auch Peddinghaus, der gerade 80 Jahre alt geworden ist und auch Brzoska mit seinen 47 Jahren sind dafür bekannt, klare Kante zu zeigen. Wenn sie etwa feststellen, dass jemand nicht zu ihnen passt, muss derjenige das Unternehmen verlassen – auch, wenn er der obersten Führung angehört. Diese Personalpolitik traf bereits zwei Vorstände. In den vergangenen Jahren habe eine zweistellige Zahl an Führungskräften Jungheinrich verlassen müssen, erklärt Brzoska. Leicht sei das nicht, auch „schmerzhaft“ sagt er.

    Auch, wenn die Werte von Brzoska und Frey sehr ähnlich sind, wird sich Jungheinrich nach dem Führungswechsel doch wandeln. Der Genussmensch Frey wurde einst mutig beim Wein und gab das Ziel aus, dass 2020 der Umsatz bei vier Milliarden Euro liegen muss. Und er wird schon gern mal richtig laut, wenn er sich über Dummheit ärgert, oder dass jemand seine Werte verletzt, ergänzt sein Nachfolger.

    Frey sei durchaus noch aufbrausender als Brzoska, der seit seinem Start bei Jungheinrich schon mit seiner Körpersprache ausdrückte, dass er viel will. „Man erkennt Sieger beim Start und man erkennt auch Verlierer beim Start“, sagt Frey nachdenklich.

    Brzoska jedenfalls will immer noch der Beste sein, sagt er, aber im Team. Auch bei ihm ist inzwischen Demut eingezogen und er hat für seinen bisherigen Chef auch mal Kohlen aus dem Feuer geholt, als dieser „die Schnauze voll hatte“ und einfach mal nicht mehr verhandeln wollte, wie ein Vertrauter erzählt. Frey ist der Unternehmenskapitän, der nun abtritt, symbolhaft stieg seine interne Abschiedsfeier mit den Führungskräften auf der Rickmer Rickmers. 

    Brzoska gibt eher den Spielertrainer. Der Betriebswirt befasst sich viel tiefer mit der technischen Seite des Unternehmens – manchmal vielleicht auch zu tief, wie ein Begleiter bemerkt. Er beantwortet alle Mails und spart nicht mit Kritik, Arbeitsaufträgen, aber auch mit Lob gern frühmorgens oder spätabends. 

    Der Aufsichtsrat wählte ihn einstimmig zum Nachfolger von Frey, heißt es aus Aufsichtsratskreisen. Wenn er am 1. September startet, wird er mit Respekt an seine neue Aufgabe geben: „Dann muss mich neu erfinden“, sagt Brzoska. Ob er in das Büro von Frey ziehen wird, weiß er noch nicht. Frey will auf jeden Fall keines mehr haben, sagt er. Ein guter Anfang für einen scheidenden Patriarchen.

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