Familienunternehmen Die wachsende Macht der Beiräte

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Die Macht der Beiräte ist enorm gewachsen: In 21 Prozent der Unternehmen können sogar mittel- und langfristige Strategieentscheidungen nicht ohne Zustimmung des Beirats getroffen werden. Selbst die Geschäftsführung bestellt der Beirat - und beruft sie auch wieder ab. 2002 lag diese Zahl gerade einmal bei sieben Prozent. "Eine beachtliche Entwicklung - vor allem, wenn man bedenkt, dass Familienunternehmen gar nicht verpflichtet sind, Beiräte einzurichten", urteilt Manuel Theisen, Professor an der Uni München und Herausgeber des Fachmagazins "Der Aufsichtsrat". Offenkundig hat die öffentliche Diskussion um die mangelhafte Qualität der Aufsichtsräte in den großen Aktiengesellschaften auch Familienunternehmen dafür sensibilisiert, wie wichtig es für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung ist, Entscheidungswege und Zahlenwerke transparent zu machen und eine funktionierende Kontrollinstanz zu installieren.

Bernhard Simon, Gründerenkel und Mitgesellschafter des Familienunternehmens Dachser im Allgäu etwa hätte ohne das Plazet seines Verwaltungsrats gar nicht den Chefposten bei dem 3,5 Milliarden Euro schweren Logistikkonzern antreten können. Die Unternehmerfamilie hinter dem Logistiker hat das Schicksal des 1930 gegründeten Unternehmens schon vor drei Jahrzehnten ganz bewusst in die Hände eines überwiegend mit familienfremden Mitgliedern besetzten Verwaltungsrats gelegt. "Das Unternehmen muss sich maximal entfallen können, ohne durch die Interessen der Eigentümer beeinträchtigt zu werden", erläutert Simon die strikten Regeln der Familiencharta, die generationsübergreifend erarbeitet wurde. Sie verbietet der Familie nicht nur, die Mehrheit im Verwaltungsrat zu haben, sie schreibt auch vor, dass die Eigenkapitalquote nicht unter 30 Prozent sinken darf und Gewinne komplett im Unternehmen bleiben müssen.

Beiräte können also auch als Bollwerk für die vermeintliche Gier der Unternehmerfamilie wirken. Die Intes-Studie zeigt, dass die Bereitschaft von Unternehmerfamilien, sich von einem Beirat in die Karten schauen zu lassen, mit Größe und Alter des Unternehmens steigt. In der ersten Generation haben nur zwei von fünf Unternehmen einen Beirat, ab der fünften Generation sind es drei von vier. Gut ein Viertel der Unternehmen mit bis zu 25 Millionen Euro haben einen Beirat. Neun von zehn Unternehmen hingegen ab einem Umsatz von mehr als 500 Millionen. Auch weil in solchen Firmen häufiger Fremdgeschäftsführer das operative Tagesgeschäft managen. In 56 Prozent der Familienunternehmen stammt der Beiratsvorsitzende bewusst nicht aus der Familie. "Die Beiratsarbeit gewinnt an Qualität, wenn die Familie die Chance nutzt, sich darüber Know-how ins Haus zu holen, das sie selbst nicht besitzt", urteilt Arno Mahlert, Chef der Maxingvest AG - der Holding von Tchibo und Beiersdorf. Er selbst ist seit vielen Jahren als Bei- und Aufsichtsrat tätig. "Die besten Beiräte sind selber Unternehmer und können so mit dem Familienunternehmer auf Augenhöhe agieren", so Achenbach.

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