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Familienunternehmen Hüffermann Wenn der Berater selbst einsteigt

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Spätestens hier stellt sich die Frage, warum nicht viel mehr Unternehmen den Hüffermann-Weg gehen, nicht in guten Zeiten der schlichten Wahrheit ins Auge sehen, sich eingestehen, dass nichts so bleibt, wie es ist. Dass jedem Aufstieg zwangsläufig der Abstieg folgt. Statt in jeder Boomphase aufs Neue davon zu träumen, dass alles immer so weitergeht: Mehr Aufträge, mehr Umsatz, mehr Gewinn, Jahr für Jahr. Träume wie 1999, aufgewärmt und weiter gesponnen, als hätte es die New Economy und ihren Absturz nie gegeben.

Die Macher bei Hüffermann öffneten die Augen, statt sie fest zuzudrücken. Ihr Konzept, diskutiert auf einer Betriebsversammlung im Jahre 2005, sah so aus: Der Arbeitgeber kann die Arbeitszeit der Mitarbeiter im Fall der Fälle reduzieren, wenn es nötig wird - und dann entsprechend weniger bezahlen. Schmackhaft machte die Unternehmensleitung das den Mitarbeitern, indem sie parallel zum Krisenszenario Prämien vereinbarte für die Jahre, in denen es gut läuft. Bernhard Becker: "Wir haben der Belegschaft gesagt: Betrachtet diese Prämien, die ihr jetzt vielleicht noch zwei, drei Jahre lang bekommt, als Spardose. Das ist eine Art vorgezogener Lohnzahlung, hebt euch davon was auf für schlechtere Zeiten." Bis Ende 2008 hat Hüffermann diese Prämien bezahlt, obwohl das Geschäft schon im Herbst schwächelte.

Mit Krisen hat Hüfferman durchaus Erfahrung. Gegründet 1913 als Schmiedebetrieb im Niedersächsischen Wildeshausen, baute Hüffermann vor knapp 100 Jahren Kutschwagen und Anhänger für die Landwirtschaft, beschlug Pferdehufe. Viel änderte sich daran in den folgenden Jahrzehnten nicht. "Lkws setzten sich bei uns auf dem Land erst Anfang der 60-er Jahre durch," erinnert sich Rolf Hüffermann, der Enkel des Unternehmensgründers. Sein Vater hatte das Geschäft nach dem zweiten Weltkrieg übernommen, Anfang 1976 stieg Rolf Hüffermann ein. Der Ingenieur arbeitete zuvor bei anderen Anhängerherstellern. Es folgten Jahre des Wachstums, auch dank dem Abfallbeseitigungsgesetz von 1973: Bis dahin hatte jedes Dorf eine eigene Deponie, jetzt wurde Müll gesammelt und weiter transportiert. Hüffermanns entwickelten dafür Ladetechnik und Wechselsysteme, bis 1990 wuchs die Firma auf 100 Mitarbeiter.

Dann kam die Wiedervereinigung. Rolf Hüffermann wollte dazu "einen eigenen Beitrag leisten, auch weil ich schon immer sehr politisch war." Private Kontakte führten ihn nach Neustadt in Brandenburg. Dort gab es einen Kreisbetrieb für Landtechnik mit - vor der Wende - etwa 100 Angestellten. "Die machten mittlerweile Lohnarbeit für einen Wettbewerber von uns. Doch die Kooperation funktionierte nur mäßig, die Mitarbeiter waren damit unzufrieden."

Aber die Belegschaft war sehr gut ausgebildet und - wie sich bald zeigte - hoch motiviert. Hüffermann lieh sich Geld von der Bank, übernahm den Laden und 65 Angestellte. Gleichzeitig investierte er massiv in den Vertrieb, vor allem im Osten, und hatte seine beiden Standorte - Wildeshausen und Neustadt - in kürzester Zeit ausgelastet. Die 90-er liefen sehr gut, wieder lag es am Abfall: Das Mülltrennen wurde zum Massenphänomen, überall standen plötzlich bunte Container. Hüffermann entwickelte Front- und Seitenlader - das sind Systeme, mit denen Sammelbehälter im Ein-Mann-Betrieb geleert werden konnten.

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