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Familienunternehmen treffen Markenartikler Wolken überm Sommerbrunch

Nase zeigen und Netzwerke knüpfen, hieß die Devise für die Teilnehmer des 15. Spätsommerbrunchs am Stadtrand von Düsseldorf. Die Stimmung unter den Beratern und Geschäftsführern aus Handel und Industrie war getrübt. Grund für die Sorgenfalten ist eine mögliche Krise der Konsumgüterbrache.
  • Laura de la Motte und Claudia Tödtmann
Das 15. Unternehmertreffen im Düsseldorfer Golf-Club Kosaido auf Einladung von Jochen Kienbaum und Heinz Wilkening. Quelle: Kienbaum Communications GmbH

Das 15. Unternehmertreffen im Düsseldorfer Golf-Club Kosaido auf Einladung von Jochen Kienbaum und Heinz Wilkening.

DÜSSELDORF. Drinnen im Golfhaus klirren die Weingläser, gestandene Männer tuscheln sich gegenseitig ins Ohr. Der Sommerwind trägt leises Gemurmel nach draußen. Über das satte Grün fliegt ab und zu ein Golfball. Die Sonne kämpft sich mühsam durch die dicken Wolken - genau wie der Optimismus unter den Gästen.

Der deutschen Konsumwirtschaft stehen harte Zeiten bevor. Darin waren sich die Teilnehmer des 15. Spätsommer-Brunchs 2009 der Konsumgüterbranche einig. Wenn die Arbeitslosenzahlen im Herbst nach oben schnellen, weil die Konjunkturprogramme auslaufen und die Kurzarbeit nicht mehr verlängert wird, wird die Krise die Konsumgüterbranche treffen. Und so war die Stimmung am Samstag im japanischen Golf-Club Kosaido am Stadtrand von Düsseldorf zwar locker, aber immer wieder legten sich Sorgenfalten auf die Gesichter der Gäste.

Rund 150 Branchenvertreter hatten Jochen Kienbaum, Chef der gleichnamigen Unternehmensberatung in Gummersbach, und Heinz Wilkening, Unternehmensberater aus Düsseldorf, zu ihrem alljährlichen Brunch eingeladen. Darunter Familienunternehmen wie Katjes Fassin, Alfred Ritter, Bofrost, Teekanne, Melitta oder Hussel-Süßwaren, aber auch große Markenartikler von Aral über Beiersdorf bis Nestlé.

Die Veranstaltung, zu der Geschäftsführer aus Handel und Industrie sowie Berater zusammenkommen, hat seit Jahren Tradition. Nase zeigen und Netzwerke knüpfen heißt es da für die Teilnehmer - und bloß keine langen Reden schwingen. "Hier sollen Kooperationen angestoßen werden, man soll ausloten, ob und inwiefern man zusammenpasst", erzählt Gastgeber Jochen Kienbaum.

Und weil das den Gästen nur allzu bewusst ist, ließen sich manche schon im Vorfeld die Gästeliste aushändigen - um sich entsprechend gut vorbereiten zu können auf die Menschen, die sie treffen, und die Geschäftschancen, die sich daraus ergeben könnten.

Vor drei Jahren beispielsweise wurde hier ein Deal im dreistelligen Millionenbereich eingefädelt. "Damals kam der Chef einer britischen Investorengruppe mit dem Besitzer eines bekannten deutschen Handelsunternehmens zusammen, und dann wurde der Deal hier gleich mündlich ausgemacht", erinnert sich Unternehmensberater Wilkening.

Auch in diesem Jahr nutzten die Gäste die private Atmosphäre für einen Austausch ihrer Sorgen und Einschätzungen. Aus den spektakulären Insolvenzen von Arcandor und Märklin könnten sich bald neue große Zusammenschlüsse ergeben. Dann würden Märkte neu verteilt. Den Geschäftssinn schalten die meisten auch am Wochenende nicht aus.

Viele halten das Kaufhaus-Konzept für überholt. "Interessante Vorbilder zum Beispiel für Online-Geschäfte kommen auch aus gestandenen Familienunternehmen wie dem Hause Otto", sagt Kienbaum-Partner Walter Jochmann.

Sorgen bereitet vielen Produzenten und Händlern der wachsende Preisdruck. Die Menschen greifen immer öfter zu kleineren Modellen. Das könnte ein Zeichen dafür sein, dass Markennamen und Qualität künftig weniger wichtig werden. Und dass es den Konsumenten bald stärker auf einen niedrigeren Preis ankommt, als dass ein Produkt langlebig ist. Sprich, dass die Kurzfristdenke siegt.

Sollten bald Massenentlassungen anstehen, droht ein deutlicher Nachfragerückgang. Wie gut die Branche solch eine Situation verkraften wird, werde maßgeblich davon abhängen, wie schnell die einzelnen Hersteller und Vertriebler ausländische Absatzmärkte erschließen. Osteuropa und Asien werden bereits anvisiert.

Doch ein paar Brunchgäste ließen sich von den Problemen nicht beunruhigen. Kirsten Häfner, stellvertretende Direktorin von Ferrero, gab sich ganz entspannt: Schokolade läuft weiter gut. Auch Bio-Produkte werden zukünftig weiter gefragt sein, ist sich Frank von Glan, stellvertretender Geschäftsführer bei Tartex & Dr. Ritter, sicher. Und Kaufland-Top-Manager Günter Fergen war ebenfalls bester Laune: Der Lebensmittelabsatz brach in der Krise nicht ein, sondern blieb stabil. Die Konsumenten meiden vielmehr die Restaurants, laden eher zu sich nach Hause ein und kochen selbst für Freunde. Dafür nähmen sie dann auch mal mehr Geld in die Hand. Beim Brunch nächstes Jahr wird sich zeigen, ob sie recht hatten.

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