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Albert Christmann Der Dr.-Oetker-Chef ist ein Manager mit Master-Fonds

3,7 Milliarden Euro brachte ein Reederei-Verkauf der Familie Oetker ein. Das Geld darf der familienfremde Firmenchef vorerst behalten. Er hat damit große Pläne.
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Der persönlich haftende Gesellschafter der Oetker-Gruppe peilt größere Zukäufe an. Quelle: dpa
Albert Christmann

Der persönlich haftende Gesellschafter der Oetker-Gruppe peilt größere Zukäufe an.

(Foto: dpa)

BielefeldAlbert Christmann plant schon wieder groß. Nur ein halbes Jahr nachdem die Familie Oetker nach immerhin 80 Jahren ihre Reederei Hamburg-Süd an Maersk verkauft und ihren Gruppenumsatz mal eben halbiert hatte, kündigte der Oetker-Chef am Dienstag an: Wir wollen den alten Umsatz von 11,6 Milliarden in wenigen Jahren wieder erreichen.

Zukäufe unter Lebensmittelherstellern weltweit, Risikokapital für Start-ups, neue Produkte für die Generation der Digital Natives: Christmann hat große Pläne mit den rund 3,7 Milliarden Euro, die der Schifffahrtsdeal in die Kassen gespült hat. Vorerst liegt das Geld in einem „Masterfonds“, zehn Asset-Verwalter kümmern sich um eine konservative Anlage.

Die Voraussetzung für die Wachstumspläne ist jedoch, dass die Familie Christmann den Freiraum dafür lässt – nach einem öffentlichkeitswirksam geführten Familienstreit, an dessen vorläufigem Ende der Verkauf der risikoreichen Reederei stand.

Dabei standen die älteren Brüder um den Patriarchen August Oetker gegen die beiden jüngeren Brüder Alfred und Ferdinand Oetker. Beide Seiten setzten sich ein bisschen durch: Die älteren mussten dem Hamburg-Süd-Verkauf zustimmen, dafür setzten sie durch, dass ihr Favorit Christmann die Gruppe ohne operative Beteiligung der jüngeren führen kann, die eigentlich in die Leitung drängten.

Mit Geld als Trost können die jüngeren zunächst nicht rechnen: Die Gesellschafterversammlung beschloss in der vergangenen Woche, das Geld aus dem Hamburg-Süd-Verkauf unangetastet in der Gruppe zu lassen. Das Szenario, die jüngeren Oetkers rauszukaufen, ist erst mal vom Tisch.

Altgewohnte Ruhe – zumindest nach außen

Nach außen ist unter dem ersten familienfremden Chef Christmann wieder die altgewohnte Ruhe bei den Oetkers eingekehrt. Offen stellt niemand die Entscheidung des Patriarchen August Oetker infrage, dem Manager Christmann erstmals in der 125-jährigen Unternehmensgeschichte kein Familienmitglied an die Seite zu stellen. Dessen Bruder Richard Oetker war nach Erreichen der internen Altersgrenze von 65 Jahren 2017 ausgeschieden.

Dabei haben die beiden jüngsten Brüder, der 50 Jahre alte stellvertretende Beiratschef Alfred und sein fünf Jahre jüngerer Bruder Ferdinand Oetker, durchaus Ambitionen auf die Gruppen-Führung – konnten sich jedoch in den vergangenen drei Jahren gegen die älteren Geschwister nicht durchsetzen.

Dass Ferdinand Oetker im vergangenen Jahr als Aufsichtsratschef von Stada im Übernahmekampf auf der falschen Seite stand und bei seinem Abgang keine sonderlich gute Figur machte, trug zur Stärkung seiner Position nicht unbedingt bei. So scheinen sich die beiden zunächst mit ihrer Situation abgefunden zu haben.

Doch die Zeit ist aufseiten der jungen Generation. Chefaufseher August Oetker, Garant der Macht der älteren Geschwister, muss im kommenden März nach seinem 75. Geburtstag satzungsgemäß den Posten räumen. Wer ihm nachfolgt, ist ungewiss. Die Machtverhältnisse in der Familie könnten sich zugunsten der jüngeren Mitglieder ändern.

Denkbar scheint noch immer eine zwischenzeitlich verworfene Kompromisslinie, wonach Ferdinand Oetker und August Oetkers in Oxford ausgebildeter Sohn Philip, der derzeit für den Hamburg-Süd-Übernehmer Maersk arbeitet, in die operative Verantwortung eintreten. Beiratschef könnte dann ein familienfremder Experte werden.

Für Christmann bleibt bis dahin genug zu tun. Bislang hat sich der 55-Jährige im Stillen als Erneuerer bewährt. Den Verkauf von Hamburg-Süd und den Übergang an die dänische Maersk hat er recht ruhig abgewickelt – trotz Stellenabbaus in Hamburg und Einholen der deutschen Flagge an den Schiffen haben sich Proteste aus der Belegschaft schnell gelegt.

Bei Lebensmitteln muss Christmann noch eine Lösung für ein Problem finden: Die Marke Dr. Oetker ist für den Handel offenbar nicht mehr so unverzichtbar wie noch vor einigen Jahren. Anders als im Konditionenstreit zwischen Edeka und Nestlé macht Oetker zwar keine großen Schlagzeilen, doch die Fachzeitschrift „Lebensmittel Zeitung“ sieht bereits „so etwas wie Krise“.

Denn auch die Bielefelder haben sich mit Edeka angelegt und waren in Teilen zeitweise ausgelistet. Folge ist der erste Umsatzrückgang im deutschen Lebensmittelgeschäft seit acht Jahren – von 740 auf 726 Millionen Euro. Allein das wachsende Auslandsgeschäft sorgte für einen leicht steigenden Gesamtumsatz bei den Lebensmitteln von 2,43 Milliarden Euro. Auch die familieneigene Lampe-Bank habe ein „schwieriges Geschäftsjahr“ hinter sich, gestanden die Oetker-Manager am Dienstag ein. Vor allem im Kapitalmarktgeschäft und der Vermögensverwaltung seien die Ziele nicht erreicht worden.

Digitalisierung, Zukäufe und Kooperationen

Kein Wunder, dass Christmann andere Konflikte aktiv beendet, um seine Kräfte konzentrieren zu können. Nach jahrelangem Widerstand akzeptierte Christmann plötzlich eine hohe Kartellstrafe, die in seiner Zeit als Chef der Brauereisparte Radeberger angefallen war – nur einen Tag, bevor er vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht erscheinen sollte. Offiziell hieß es, Oetker wolle so das Risiko umgehen, am Ende noch mehr zahlen zu müssen. Am Dienstag wollte er dazu bereits nichts mehr sagen.

Christmann weiß, dass Schlagzeilen seiner Position nicht dienlich wären: Seit 1991 ist der promovierte Wirtschaftsingenieur in dem um Zurückhaltung bemühten Familienunternehmen, war unter anderem Chef von Henkell und Radeberger, danach drei Jahre Finanzchef. In der Zeit schaffte er es, das Vertrauen von August Oetker zu gewinnen, ohne die anderen Familienmitglieder zu vergrätzen.

Statt sich in Auseinandersetzungen zu verlieren, will er die Gruppe für das Digitalzeitalter fit machen. Dazu stärkte er das Auslandsgeschäft zuletzt etwa durch kleinere Zukäufe in Frankreich, Belgien, Mexiko und Ägypten. Ein größerer Deal war die Übernahme der Mehrheit am spanischen Cava-Haus Freixenet im März, das Oetkers Sektkellerei Henkell ergänzt. 220 Millionen Euro soll sich Oetker den Zukauf kosten lassen.

Die Oetker-Gruppe müsse deutlich schneller werden, fordert Christmann nun bei jeder passenden Gelegenheit. Die Führung selbst müsse die Digitalisierung vorleben. Wo das nicht reicht, soll eine eigene Innovationseinheit in Berlin nachhelfen. Eine Back-App etwa soll junge Menschen fürs Backen begeistern.

Klar ist: Christmann will mehr Innovationen sehen. Dafür will er die verschlossene Gruppe stärker für Partnerschaften öffnen und geht verstärkt Gemeinschaftsunternehmen ein – und kann sich sogar vorstellen, dass Oetker Produkte unter anderen Marken lanciert. Schließlich sind es Newcomer wie My-Müsli, die dem Familienunternehmen Marktanteile abjagen. Der Markt ist es, der die Familie zum neuen Handeln zwingt – und vielleicht zu neuer Geschlossenheit.

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