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Alexandra und Matthias Winkler Eigentümer kämpfen um die Zukunft des Hotels Sacher

Für die Hoteliersfamilie kehren die goldenen Zeiten trotz der schrittweisen Wiedereröffnung Ende Mai nicht zurück. Die Durststrecke hat erst begonnen.
26.05.2020 - 10:21 Uhr 1 Kommentar
Corona: Eigentümer kämpfen um die Zukunft des Hotel Sacher Quelle: imago/SKATA
Matthias und Alexandra Winkler

Die Familie führt die Unternehmensgruppe Sacher durch schwierige Zeiten.

(Foto: imago/SKATA)

Wien Das Portal des Hotels Sacher gegenüber der Wiener Staatsoper glänzt in der Frühlingssonne blitzblank. Der lila Lavendel unter den beiden Barockfiguren am Eingang leuchtet. Im ersten Stock arbeiten die beiden Eigentümer Alexandra und Matthias Winkler gemeinsam in einem nur rund zehn Quadratmeter großen Büro unter Hochdruck an der Wiedereröffnung der berühmtesten Luxusherberge der österreichischen Hauptstadt.

Denn am 29. Mai soll das Hotel Sacher nach über zweimonatiger Pause wieder schrittweise seine Türen für Übernachtungsgäste öffnen. Das von Wienern gern frequentierte Restaurant „Rote Bar“, das „Sacher Eck“ und die Confiserie sind seit dem 15. Mai bereits wieder offen.

Der Optimismus des Ehepaars hält sich aber trotzdem sehr in Grenzen. „Wir sind erst am Anfang der Durststrecke. Das Virus ist nach wie vor präsent. Es gibt keine Impfung und kein Medikament. Die Wirtschaftskrise, vor der wir stehen, hat noch nicht einmal begonnen“, sagt Matthias Winkler, der als CEO des Familienunternehmens fungiert. „Das ist die größte Herausforderung meines Berufslebens.“

An eine schnelle Erholung glaubt der erfahrene Hotelier nicht. Der 50-Jährige, der früher Trainee der Hamburgerkette McDonald’s war, hat bereits die Folgen des Anschlags vom 11. September in New York und die Finanzkrise von 2008 mitgemacht. „Aufgrund dieser Erfahrungen erwarten wir, dass es für eine Erholung drei bis vier Jahre braucht“, sagt der Sacher-Chef.

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    Er hofft auf eine baldige Wiedergeburt des Europas ohne Grenzen. „Wir brauchen jetzt ein ebenso beherztes Öffnen, wie das Schließen beherzt war“, fordert er von der Politik, um die schlimmsten Folgen für die Branche zu verhindern.

    Die Hotellerie und Gastronomie in Österreich stehen mit dem Rücken zur Wand. „Zehn bis 25 Prozent der Hotels und Restaurants könnten es nach der Coronakrise nicht mehr geben. Das Traurige ist, dass die Unternehmer unschuldig an ihrer Misere sind“, sagt ein Hotelmanager in Wien.

    Die schwarz-grüne Regierung unter Kanzler Sebastian Kurz schnürt immer neue Hilfspakete für die Branche. Zuletzt waren es 400 Millionen Euro im sogenannten „Wirtshauspaket“. Die schnelle Rettung für die Branche wäre die Öffnung der Grenzen in Europa – insbesondere zu Deutschland. Denn die Touristen aus der Bundesrepublik sind die mit Abstand größte Gruppe. Gerade das Sacher ist auf die Gäste des Nachbarlandes angewiesen.

    In Existenznot kommt das Sacher mit seinen 800 Mitarbeitern trotz der Coronakrise aber nicht. „Die Lage ist nicht lebensbedrohlich, aber sehr ernst. Als Familienbetrieb haben wir seit Jahrzehnten vorsichtig investiert und haben stets sparsam gewirtschaftet. Das nützt uns jetzt“, sagt Winkler, der das Familienunternehmen seit 2014 führt, selbstbewusst.

    Die Hotelgruppe hat viele gute Jahre erlebt. „2019 war unser Rekordjahr mit einer sehr guten Rendite“, berichtet der CEO. Im vergangenen Jahr erzielte die Sacher-Gruppe mit ihrem Stammhaus in Wien (150 Zimmer), dem „Sacher“ in Salzburg (108 Zimmer) sowie dem „Bristol“ in Wien (149 Zimmer) Erträge von knapp über 90 Millionen Euro.

    Für dieses Jahr erwarten die Eigentümer jedoch tiefrote Zahlen. „Es geht uns um die Reduzierung der Verluste“, sagt Geschäftsführer Winkler und ergänzt: „Wir machen weder heute noch morgen wieder Gewinne.“ Insider der Wiener Hotelbranche erwarten einen Umsatzeinbruch um 75 Prozent für die Sacher-Gruppe in diesem Jahr.

    Exportschlager Sachertorte ist Gold wert

    Das legendäre Haus in Wien wird dieses Jahr tiefrote Zahlen schreiben. Quelle: dpa
    Hotel Sacher

    Das legendäre Haus in Wien wird dieses Jahr tiefrote Zahlen schreiben.

    (Foto: dpa)

    Am 3. April verließen die letzten Gäste das Sacher und reisten zurück nach Australien. Das gesamte Personal befindet sich in Kurzarbeit mit einem Minimum von zehn oder 20 Prozent der Arbeitsleistung.

    Und selbst wenn Ende Mai die Gäste zurückkehren, werden es erst einmal wenige sein. Die Familie Winkler will ihre Häuser nur langsam hochfahren, um die Kosten im Griff zu behalten. „Wir werden ab Ende Mai stockweise die Hotels in Wien und Salzburg eröffnen“, kündigt Alexandra Winkler, Eigentümerin und Geschäftsführerin der nicht operativen Finanzholding, an.

    Die Sacher-Gruppe gehört zwei Privatstiftungen der Familien Gürtler und Winkler, die rund 98 Prozent halten. Außerdem besitzen Alexandra Winkler und ihr Bruder Georg Gürtler knapp zwei Prozent direkt.

    Ihre Mutter Elisabeth Gürtler, 70, hat das 1876 von Eduard Sacher eröffnete Hotel in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Treffpunkt der Reichen, Mächtigen und Klugen gemacht. Heute führt die legendäre Ex-Sacher-Chefin das Ferienhotel „Astoria“ in Seefeld (Tirol).

    Eigentlich hätte 2020 ein glanzvolles Jahr werden sollen. Denn pünktlich zum 100. Geburtstag der Salzburger Festspiele sollen die seit 2014 andauernden Renovierungen des Sachers in Salzburg für insgesamt 34 Millionen Euro fertig sein. Doch ausgerechnet jetzt stehen die Festspiele in den Sternen.

    Die Hoffnung ruht daher vor allem auf Besuchern aus dem eigenen Land. „Wenn die Salzburger Festspiele nicht stattfinden, hoffen wir auf Österreicher, die bei uns Urlaub machen“, sagte die 45-jährige Alexandra Winkler.

    In dieser historischen Krise ist der größte Exportschlager, die Sachertorte, sehr wichtig für das Unternehmen. Nach wochenlanger Zwangspause wurden am 13. Mai die Backöfen in der Manufaktur unweit des Wiener Flughafens wieder auf Temperaturen gebracht.

    Doch statt wie früher tausend Torten produzieren die Mitarbeiter derzeit nur ein Drittel. In der Pandemie ist vielen der Appetit auf das kulinarische Stück Österreich offenbar vergangen.

    Einer, der seit Jahrzehnten die Qualität der Sachertorte garantierte, ist der aus Niedersachsen stammende Hoteldirektor Reiner Heilmann. Er leitete 29 Jahre das Sacher und auch die Manufaktur. Am 29. Juni scheidet der stets höfliche und herzliche Hotelmanager aus. Sein Nachfolger ist der gebürtige Magdeburger Andreas Keese. „Seine Leidenschaft und Loyalität gegenüber dem Sacher hat er stets bewiesen. Er ist ein junges Talent“, sagt Winkler über den 35-jährigen Nachfolger, der seit vier Jahren bereits in Wien arbeitet, unter anderem auch im Feinschmeckerrestaurant Steirereck.

    Der Druck auf den neuen Hoteldirektor und die Eigentümerfamilie wird in den nächsten Monaten sehr groß sein. Denn unter den fast zwei Dutzend Fünf-Sterne-Häusern droht angesichts der Gäste- und Wirtschaftsflaute ein knallharter Preiswettbewerb.

    Das Sacher will den Kampf um das billigste Luxuszimmer aber nicht mitmachen. „Wir werden die Zimmerpreise halten“, sagt CEO Winkler.

    Er denkt schon an übermorgen. „Wir werden expandieren“, verspricht er und sagt noch im gleichen Atemzug. „Noch ist die Situation aber zu unklar, um Entscheidungen zu treffen.“ Denn das Coronavirus hat die Hotellerie auf noch unbestimmte Zeit fest im Griff.

    Mehr: Reise ins Ungewisse - Tourismusbranche hofft nach Grenzöffnungen auf Neustart

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    1 Kommentar zu "Alexandra und Matthias Winkler: Eigentümer kämpfen um die Zukunft des Hotels Sacher"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Hotels wie "Das Sacher" sind ohnehin ein Anachronismus. Sie ziehen ihre Faszination aus Vergangenem und enttäuschen bei näherer Betrachtung.
      Für die Betreiberfamilie ist dies natürlich eine traurige Tatsache, aber, einen Tourismus wie früher, wird es auf lange Sicht nicht mehr geben. Das mag mancher bedauern, viele aber auch nicht.
      Reisen lebt von Sicherheit. Diese kann allerdings, im Moment, von der Tourismusbranche allenfalls simuliert werden.
      Der Tourismus und die Gastronomie werden die großen Verlierer dieser Pandemie sein und sie auch dann noch spüren, wenn andere Branchen schon nicht mehr über Corona reden.

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