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Alfons SchuhbeckStarkoch legt vor Gericht weitgehendes Geständnis ab

Zum Prozessauftakt schwieg Schuhbeck noch, nun bestätigt er die belastenden Aussagen eines Mitarbeiters. Seine Beichte würzt der Gastronom mit launigen Exkursen.Hans-Jürgen Jakobs 13.10.2022 - 15:39 Uhr Artikel anhören

Die Angaben seines ehemaligen IT-Fachmanns seien „im Großen und Ganzen richtig“, erklärte der Starkoch.

Foto: dpa

München. Das Bild zum Schicksalstag im Leben des Alfons Schuhbeck hatte „Bild“ vorab. Es zeigte den Starkoch im Rahmen eines großen Porträts betend in der barocken Münchener Asamkirche, seiner Lieblings-Gottesstätte.

Sein weitgehendes Geständnis vor dem Münchener Landgericht am zweiten Prozesstag wegen Steuerhinterziehung hätte auch seinem Beichtvater gefallen. „Ich habe einiges falsch gemacht“, sagte der 73-Jährige, der mehr als 2,3 Millionen Euro an fälligen Steuern schuldig sein soll, am Mittwoch im Gerichtssaal.

Wo das ganze Geld geblieben sei, könne er sich nicht erklären: „Ich habe mir, meinen Freunden und Bekannten und auch meinen Verteidigern bis zuletzt etwas vorgemacht, weil ich nicht wahrhaben wollte, dass ich unternehmerisch gescheitert bin.“ Sein Fazit: „Ich war immer überall und nirgends.“

Starkoch Alfons Schuhbeck legt Geständnis ab

Dieses Motiv der Reue, dieses endlich Schlussmachen mit der Schauspielerei, dass ein guter Koch auch ein guter Geschäftsmann sei, durchzieht diesen Morgen der Beichte. Doch die Selbstbezichtigungen wechseln schnell ab mit launigen Schuhbeck-Vorträgen zu Gewürzen und Medizin, als er von der Richterin befragt wird. Man hätte sie auch im Bayerischen Fernsehen, seiner Heimatstation, zeigen können.

Der Mann, der vor 20 Jahren einen Mediziner einstellte, plauderte ungestüm dahin, warum Gewürze mehr Medizin als Geschmack seien. Er bekräftigte im Nachhinein die bayerische Justiz für ihre Idee, diesen Strafprozess „Ingwer“ zu nennen, mit einer Lobpreisung der Pflanzenwurzel. Die Asiaten hätten schon vor 4000 Jahren von deren Heilwirkung gewusst. Und: Der Mensch rieche bei Ingwer-Konsum nicht nach Knoblauch.

Das erheiterte Gericht und das zahlreich anwesende Publikum im Saal 134, wo auch sein Freund Uli Hoeneß von seinem Auftraggeber FC Bayern München wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde, hören aufmerksam zu, wie die antiken Griechen einst mit Rosmarin umgingen und dass die Sklaven beim Bau ägyptischer Pyramiden streikten, als sie kein Knoblauch mehr bekamen. „Ich könnte stundenlang über Gewürze reden“, entfährt es Schuhbeck. „Aber das ist jetzt wohl der falsche Zeitpunkt.“

Alfons Schuhbeck steht vor „den Trümmern seines Lebenswerks“

Dann erzählt er doch noch, wie anregend Kardamom ist, dass 80 Prozent der Krankheiten auf Ernährungsproblemen beruhen und er selbst täglich Kurkuma-Kapseln (mit Phosphor) nimmt, er sei also total gesund.

Von seinen wirtschaftlichen Verhältnissen kann man das nach der Insolvenz der Schuhbeck-Gruppe nicht sagen. Er stehe „vor den Trümmern seines Lebenswerks“, sagt der Gastronom, dem eine Gefängnisstrafe droht. Er könne jetzt nur beitragen zur Aufklärung der Vorwürfe.

Er habe die Gelegenheit genutzt, mittels eines Sticks und einer Computersoftware die Umsätze im Restaurant „Orlando“ zu reduzieren, um entsprechend Bargeld zu entnehmen: „Ich habe Gelder aus den Taschen des Orlandos genommen.“ Im Sternerestaurant „Südtiroler Stuben“ habe er aber nichts künstlich storniert („kann die Kasse nicht bedienen“). Als Ende 2010 herauskam, dass in der Kassenhaltung einzelne Rechnungen fehlten, habe er keine Konsequenzen gezogen.

Wie einst der Fußballmanager steht nun auch Gastronom Schuhbeck in München wegen Steuerhinterziehung vor Gericht.

Foto: imago images/Weißfuß

Wo das Geld ist? Warum er vom rechten Weg abkam? Da lässt Schuhbeck, der Bauernsohn aus Traunstein mit dem reichen Adoptivvater vom Waginger See, immer wieder durchblicken, wie gern er studiert hätte. Und dass er seinen vier Kindern – deren Geburtsdaten er auf Nachfrage nicht weiß – die bestmögliche Ausbildung hatte zukommen wollen lassen. „Ich habe mit den entnommenen Beträgen finanzielle Löcher gestopft und meine Kinder unterstützt“, sagt er.

Auch habe er Antiquitäten gekauft, die nicht mehr viel wert seien. Er habe kein Luxusleben geführt, nichts verprasst, sei ohne Laster, Hobby und ausländisches Konto: „Ich war immer nur für die Restaurants unterwegs. Ich darf Sie bitten, mir zu glauben, dass ich mit Leib und Seele ein guter Koch und Gastronom war, aber kein guter Kaufmann.“

Schuhbeck zahlte oft mit Schulden

Irgendwann zählt Schuhbeck die Elemente seiner Gschaftlhuberei auf: zwei Restaurants, 29 Kochbücher, viele Kochsendungen, eine Kochschule, „Teatro“, Partyservice, Schokolade, Tee, Gewürze, Eisladen. Das meiste in München, aber auch etwa in Altötting oder Hamburg.

Seine rechte Hand – 2017 eingestellt – verstarb 2020, da fehlte endgültig die Kontrolle. „Ich habe als Geschäftsführer das ganze Chaos zu verantworten“, erklärt Schuhbeck. Bedingt durch die Pandemie gehe es jetzt auch der „Stuben“ schlecht, „ich weiß nicht, wie es weitergeht“.

Offenbar hat Schuhbeck oft mit Schulden bezahlt. Freunde liehen ihm zeit seines Lebens Geld, das er dann peu à peu zurückzahlte. Auf Rat seiner Steuerkanzlei begab er einmal eine Anleihe, was über karibische Gesellschaften lief. Er selbst aber habe nirgendwo Geld gesammelt oder vergraben.

So geht das an diesem Morgen in Saal 134, lauter Schuldeingeständnisse und Erklärungen. Dann wieder abgelöst durch Schuhbeck-Bemerkungen über die richtige Zubereitung von Nudeln („nicht zu viel Salz“).

Der Kronzeuge W., der das Betrugscomputersystem einbaute, tritt noch einmal auf und erzählt, wie im „Mapperl“ in Schuhbecks Büros Geld und Belege lagen, wie Schuhbeck den ominösen Stick stets versteckte und er das Gerät ein-, höchstens zweimal neu lieferte, nachdem der Gastronom es verschlampt hatte. Deutlich wird auch, dass Schuhbeck – offenbar Betrug im eigenen Haus witternd – an vielen Stellen in den relevanten Gebäuden am Münchener „Platzl“ Kameras angebracht hatte.

Schuhbeck schildert Werdegang vor Gericht: Viel Material für eine Biografie

Die Schilderung des bunten Schuhbeck-Werdegangs durch ihn selbst ist für bayerische Gerichtsverhältnisse höchst amüsant. Wie er auf eigene Faust Genf, Paris und London eroberte, das „Camping-Stüberl“ in Waging aufmöbelte, den ersten Stern bekam, wie er als Tormann einen Elfmeter des Drei-Sterne-Kochs Witzigmann hielt, wie er Drähte verbog, um nicht Fernmeldetechniker lernen zu müssen (was dann doch klappte), wie er einst über viele Monate 300 Gäste im Rot-Kreuz-Casino versorgte, wie er als Gitarrist Musik mit seiner Kapelle in Orten wie Inzell machte oder die Hotelfachschule in Bad Reichenhall besuchte.

Alles prima Material für eine Biografie über den Mann, den sie „Fonsi“ nennen. Etwas weniger gesprächig und viel leiser wird Alfons Schuhbeck allerdings, als die Richterin fragt, wie er das konkret gemacht hat mit dem Manipulieren der Rechnungen an seinem Computer.

„Da war eine Maske, da konnte man etwas eingeben, und es hat sich dann verändert“, sagt er. Was er eingegeben habe? „Eine Ziffer.“ Was er eingeben habe? „Den Geldbetrag, um den es ging.“ Also die konkret gekürzte Umsatzsumme. Eingeweiht habe er niemanden. Aber die Tür vom Büro, die war immer auf, ein stetes Kommen und Gehen.

Irgendwann muss das bayerische Original das Mikro näher zum Mund führen. An diesem Tag wollen alle jedes Wort seiner Beichte hören.

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Erstpublikation am 12.10.22, um 10:45 Uhr.

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