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Alfred und August Oetker Machtkampf bei Dr. Oetker geht vor Gericht

Die Berufung einer Aufsichtsrätin provoziert eine neue Runde in einem alten Machtkampf. Die Dr. Oetker Generationen scheinen unversöhnlich.
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August Oetker: Der Aufseher sorgt sich um die Professionalität des Beirats. Quelle: Andrea Seifert für Handelsblatt / Focus
August Oetker

August Oetker: Der Aufseher sorgt sich um die Professionalität des Beirats.

(Foto: Andrea Seifert für Handelsblatt / Focus)

DüsseldorfAugust Oetker blickt auf ein langes Lebenswerk zurück. 28 Jahre führte er die traditionsreiche Unternehmensgruppe seiner Familie als operativer Chef sicher durch bewegte Zeiten, seit gut acht Jahren ist er als Beiratschef Chefaufseher. Doch sein Abschied, der mit seinem 75. Geburtstag im März satzungsgemäß eingeleitet werden muss, droht dem stilbewussten Industriellen zu misslingen.

Der mehrjährige Streit mit seinen jüngsten Halbgeschwistern, der zuletzt eingehegt schien, flammt kurz vor der fälligen Entscheidung über den Generationenwechsel erneut auf. Erstmals geht der Konflikt sogar vor ein reguläres Gericht.

Schon länger geht ein Riss durch die Familie. Auf der einen Seite stehen die fünf ältesten Kinder des 2007 verstorbenen Patriarchen Rudolf-August Oetker aus dessen ersten beiden Ehen, angeführt von August Oetker.

Auf der anderen Seite versammeln sich die drei jüngsten Geschwister aus der dritten, letzten Ehe des Unternehmers. Deren Wortführer ist Alfred Oetker, einst Chef des Niederlandegeschäfts und heute offiziell Stellvertreter seines älteren Halbbruders im Beirat.

Öffentlich wurde der Streit erstmals vor sieben Jahren, als es um die Strategie in der Schifffahrt ging. Letztlich konnte sich die Familie immerhin darauf einigen, ihre Reederei Hamburg Süd für gutes Geld an Maersk zu verkaufen.

Doch hinter der Sachfrage stand immer auch ein Streit über Personalien. Nachdem die fünf älteren Geschwister die interne Altersgrenze von 65 Jahren erreicht haben, drängen die jüngeren vergeblich auf einen Posten in der Geschäftsführung. Sie ist seit dem Ausscheiden von Richard Oetker vor zwei Jahren erstmals in der Familiengeschichte nur mit familienfremden Managern besetzt. Chef der Gruppe ist heute Albert Christmann.

Der frühere Chef der familieneigenen Radeberger-Braugruppe frischt zwar erfolgreich das Sortiment des Pudding-Herstellers auf, verpasst dem Bier-Geschäft einen modernen E-Commerce-Auftritt und arbeitet an der Strategie von Oetkers Lampe-Bank.

Doch eigentlich wären der promovierte Betriebswirt Alfred Oetker oder sein jüngerer Bruder, Ex-Stada-Aufsichtsratschef Carl Ferdinand, gern selbst der Familientradition gefolgt und hätten die operative Führung übernommen. Allein: Patriarch August Oetker sieht lieber familienfremde, aber dafür erfahrenere Manager als seine Nachfolger – ein typischer Konflikt in Familienunternehmen.

Nachdem ein eigens eingerichtetes Schiedsgericht die Geschwister auf einen diffizil ausformulierten Kompromiss verpflichtet hatte, schien etwas Ruhe einzukehren. Zumal sich unter Christmanns Ägide der Umsatz ordentlich entwickelte und trotz des Verkaufs der Schifffahrt bei über sechs Milliarden Euro liegt.

Doch die Ruhe der vergangenen beiden Jahre war trügerisch: Im Dezember gerieten August und Alfred Oetker bei einer Beiratssitzung offenbar heftig aneinander.

Anlass war das Ausscheiden von Lufthansa-Chef Carsten Spohr aus dem Gremium. August Oetker hatte mit der 39-jährigen Anna Maria Braun vereinbart, dass sie den vakanten Posten übernimmt. Die Juristin ist die künftige Chefin des Medizintechnikunternehmens B.Braun, das ihrer Familie in sechster Generation gehört. Sie bringt also Verständnis für Familientraditionen mit und wäre die erste Frau im Oetker-Machtzentrum.

Doch August Oetker stieß mit seiner Personalie im Beirat auf Widerstand, der ihn offenbar böse überrascht hat. Sein Stellvertreter Alfred Oetker wollte die Personalie in letzter Minute stoppen.

Er verwies dabei, so heißt es in Bielefeld, ausgerechnet auf diejenigen strengen Regeln für die Besetzung des Beirats, die die älteren Halbgeschwister um August Oetker im Schiedsgerichtsverfahren selbst in die Satzung eingebracht hatten. Es war wohl eine Retourkutsche.

Die Strategie, mit der die Clan-Senioren eigentlich den Machtwillen der Jüngeren bremsen wollten, wendete der 52-Jährige nun gegen seinen 22 Jahre älteren Halbbruder: Als Begründung führte Alfred Oetker an, es seien keine weiteren Kandidaten zugelassen worden und es fehle Braun an nachweisbarer Erfahrung.

Vor allem aber stehe sie den älteren Geschwistern unzulässig nahe. Die beiden westfälischen Unternehmerdynastien tauschen sich regelmäßig aus, August Oetker galt 2017 als möglicher Kandidat für den B.Braun-Aufsichtsrat.

Anschließend geschah das, was jemand aus dem Umfeld der Oetkers euphemistisch als „Dynamik der Sitzung“ umschreibt: Zunächst ging die Abstimmung im Beirat zwar fünf zu drei Stimmen für Braun aus. Doch damit verfehlte die Kandidatin die erforderliche Dreiviertelmehrheit.

August Oetker wollte die Desavouierung seiner Position und seiner weltläufigen Kandidatin offensichtlich nicht hinnehmen. Kurzerhand erklärte er wohl die Gegenstimmen für nichtig. Sie seien aus „treuewidrigen“ Gründen zustande gekommen, soll er erklärt haben. Braun wurde mit „sofortiger Wirkung“ ernannt, wie die Gruppe anschließend öffentlich in einer dürren Mitteilung erklärte.

Feststellungsklage eingereicht

Offenbar fürchtete der erfahrene Unternehmer, dass die Oetker-Gruppe Hochkaräter wie die heutigen Beiratsmitglieder, den ehemaligen Otto-Chef Hans-Otto Schrader und den Kaffee-Erben Andreas Jacobs, künftig nicht mehr für sich gewinnen kann. Schließlich müssten die erfahrenen Persönlichkeiten fürchten, in die Mühlen des Konflikts zu geraten, wenn August Oetker seine Versprechen nicht halten kann.

Doch genau das passiert nun: Braun wird unschuldiges Opfer des Konflikts, obwohl alle Oetkers sie als Person erklärtermaßen hoch schätzen.

Alfred Oetker will die handstreichartige Umdeutung seiner Stimme nämlich nicht akzeptieren. Er fürchtet, so heißt es, einen Präzedenzfall für künftige Beiratsabstimmungen. Inzwischen liegt beim Landgericht Bielefeld eine Feststellungsklage vor.

Die Richter sollen die Abstimmung aus dem Dezember für nichtig erklären – was sich über Monate hinziehen könnte und eine einvernehmliche Nachfolgelösung für August Oetker erschweren, wenn nicht gar auf absehbare Zeit unmöglich machen könnte.

Bislang galt als eine wahrscheinliche Lösung, dass August Oetkers Sohn Philip in den Beirat nachrückt. Er ist bislang Leiter des Vertriebs bei der an Maersk verkauften Reederei Hamburg Süd. Der Oxford-Absolvent arbeitet seit elf Jahren in Hamburg und könnte als neuer Kopf alte Konflikte aufweichen.

Doch zunächst stehen die Zeichen auf Sturm. Ein Sprecher der Oetker-Gruppe sagte zwar dem Handelsblatt, bislang sei noch kein Schriftsatz vom Gericht eingegangen. Doch die Hausjuristen sind offenbar auf die Schlacht vorbereitet.

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