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Aloke Lohia Thailands PET-König hat ein Plastikproblem und will in Deutschland wachsen

PET-Flaschen machten Aloke Lohia zum Milliardär. Doch die Debatte um Plastikverschmutzung setzt ihn unter Druck. Einen Ausweg sucht er in Deutschland.
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Der thailändische Unternehmer und Multimilliardär bekommt zunehmend Probleme mit seinem Plastik. Quelle:  Handelsblatt, Mathias Peer
Aloke Lokia

Der thailändische Unternehmer und Multimilliardär bekommt zunehmend Probleme mit seinem Plastik.

(Foto:  Handelsblatt, Mathias Peer)

Bangkok Mit langstieligen Keschern rücken Freiwillige an Bangkoks Flüssen an. Sie sind gekommen, um den Müll einzusammeln, der die Wasserwege der thailändischen Hauptstadt verschmutzt. Ins Netz gehen den Stadtverschönerern haufenweise Styroporverpackungen, Einkaufstüten und jede Menge Plastikflaschen.

Gut zwei Dutzend Plastikflaschen finden sich auch wenige Kilometer entfernt, in einem Konferenzzimmer im 37. Stock eines Bangkoker Bürohochhauses. Hier empfängt der Milliardär Aloke Lohia seine Gäste. Die Wasserflaschen stehen nicht nur als Durstlöscher bereit. Sie zeigen auch, womit Lohia sein Vermögen gemacht hat.

Der 60 Jahre alte Unternehmer, laut „Forbes“ einer der 15 reichsten Menschen in Thailand, ist mit seinem Chemiekonzern Indorama Ventures der weltgrößte Hersteller des Kunststoffs Polyethylenterephthalat – kurz PET. Damit dürfte auch ein großer Teil der Plastikflaschen, die in Flüssen und Meeren herumtreiben, seinen Ursprung in Lohias Werken haben.

Die zunehmende Debatte um Plastikverschmutzung stellt den Familienunternehmer vor Herausforderungen. Lohia will nun mit milliardenschweren Investitionen in Recycling die Ökobilanz seines Unternehmens verbessern. Gleichzeitig plant er kräftiges Wachstum in einem Geschäftsfeld, das weniger umstritten ist: als Automobilzulieferer. Dafür geht Lohia in Deutschland auf Expansionskurs.

„Wir sind inzwischen der größte thailändische Arbeitgeber in Deutschland“, sagt der Konzernchef. Von den insgesamt rund 20.000 Mitarbeitern seines Unternehmens weltweit seien 2300 in Deutschland beschäftigt. Lohias Firmenimperium wächst rasant: Allein im vergangenen Jahr verkündete er gut ein Dutzend Firmenübernahmen und Joint-Venture-Gründungen rund um den Globus.

Deutsche Mittelständler hatten es ihm ebenfalls angetan: Im März schloss er den Kauf des Gewebeherstellers UTT aus Bayern ab. Zuvor hatte er den ebenfalls aus Bayern stammenden Polyesterfaserhersteller Trevira und den Wuppertaler Industriegarnproduzenten PHP Fibers gekauft. Insgesamt beliefen sich seine Investitionen in Deutschland auf 400 Millionen Euro, sagt Lohia.

Im Mai schloss er die Unternehmen unter der Leitung des deutschen Managers Jochen Boos zur Geschäftseinheit „Mobility“ zusammen. Sie sollen nun gemeinsam die Automobilindustrie in den Fokus nehmen und unter anderem Material für Reifen, Sitzgurte und Airbags liefern. „Ich sehe in dem Markt ein riesiges Potenzial für uns“, sagt Lohia. Seine Einkaufstour in Deutschland sei noch nicht beendet: Er werde weiterhin Zukäufe tätigen, sagt er.

Deutsche Maschinen zur Herstellung von Furfurylalkohol

Der neue Fokus auf die Mobilitätssparte ist Teil von Lohias Diversifikationsstrategie. Sich auf möglichst viele Standbeine zu stellen liegt in der DNA des Familienkonzerns. In den 70er-Jahren zog Lohias Vater von Indien nach Indonesien und gründete Indorama als Textilhersteller. Ende der 80er-Jahre entschied er sich, die Firma unter seinen drei Söhnen aufzuteilen. Einer blieb in Indonesien, einer bearbeitete den indischen Markt – und einen schickte er nach Thailand: Aloke Lohia.

Der damals Ende 20-Jährige bekam freie Hand, ein neues Geschäft aufzubauen. Lohia, der in Kalkutta zur Welt kam und in Delhi Betriebswissenschaften studierte, entschied sich für erste Schritte in der Chemieindustrie. Er nahm sich vor, Furfurylalkohol aus Maisspindeln herzustellen. Dabei begann Lohias Geschäftsbeziehung zu Deutschland. Er besorgte sich deutsche Maschinen für das Projekt und bekam einen Kredit von zehn Millionen D-Mark von der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG).

Das Projekt war viel schwieriger als gedacht. Lohia hatte nicht damit gerechnet, wie verschmutzt die Maisspindel waren, die bei ihm ankamen – so funktionierte die Produktion nicht. „Das war meine härteste Zeit“, sagt er heute. „Alles, was schiefgehen konnte, ging schief.“ Erst nach mehr als einem Jahr fand er eine Lösung – und produziert an dem Standort bis heute.

Der kommerzielle Durchbruch gelang Lohia aber mit einem anderen Produkt: 1995 startete er das erste PET-Werk Thailands. Inzwischen stellt sein Firmenimperium pro Jahr mehr als zehn Millionen Tonnen her und machte damit im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als zehn Milliarden Dollar. Das PET-Geschäft ist mit Abstand der wichtigste Geschäftsbereich: Er steht für mehr als 40 Prozent des Vorsteuergewinns.

Das Unternehmen schätzt, dass jede fünfte im Umlauf befindliche PET-Flasche mit dem Granulat des Bangkoker Konzerns hergestellt wurde. „Das bedeutet, dass Indorama wohl auch für bis zu einem Fünftel der Plastikverschmutzung verantwortlich ist, die im Lebenszyklus einer PET-Flasche anfällt“, kritisiert Tara Buakamsri, Thailandchef der Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Lohia bekommt die Klagen über sein Geschäft regelmäßig zu hören. „Und es stimmt ja auch: Wenn Plastik in der Umwelt bleibt, dann ist das nicht gut“, sagt er. Es müsse verantwortungsvoll genutzt und verantwortungsvoll entsorgt werden.

Elf Recyclinganlagen weltweit

Für den Unternehmer ist es wichtig, dass sein profitabelstes Produkt seine gesellschaftliche Akzeptanz nicht verliert. Er legt daher Wert darauf, dass die Nachhaltigkeitsbemühungen seines Konzerns öffentlich wahrgenommen werden. Seit Jahren veröffentlicht Lohia regelmäßig einen „Sustainability Report“, in dem er die Wiederverwendungsmöglichkeiten von PET herausstreicht. Zudem kooperiert er mit Start-ups, um neue Recyclingtechniken zu entwickeln.

Sein Plastik zu recyceln sieht Lohia als seinen wichtigsten Beitrag zum Umweltschutz. International verfügt er über elf Recyclinganlagen. Bis 2025 will er 1,5 Milliarden Dollar in weitere Kapazitäten investieren, wie er Ende August bekanntgab. „Unser Recyclinggeschäft wird damit auf das Sechs- bis Siebenfache wachsen“, sagt Lohia. Einen Schub erhofft er sich auch von neuen Regeln der EU: Nach dem Willen der Europäer sollen neue PET-Flaschen ab 2025 zu mindestens 25 Prozent aus recyceltem Plastik bestehen.

Doch bisher gelangt nur ein Bruchteil der Plastikflaschen tatsächlich zurück in den Kreislauf. PET-Flaschen sei eine der häufigsten Müllsorten, die an Stränden angespült werden, sagt Greenpeace-Aktivist Tara. Zudem kämen die recycelten Materialien oft nur noch in minderwertigen Produkten zum Einsatz, bei denen das Risiko noch größer sei, achtlos weggeworfen zu werden. „Recycling ist deshalb keine Lösung für die Plastikverschmutzungskrise.“

Lohia sieht indes die Konsumenten in der Verantwortung. „Wir müssen den Menschen beibringen, dass Plastik eine wertvolle Ressource ist, die man nicht einfach wegwerfen sollte“, sagt er. Umweltfreundlichere Alternativen sieht er bisher nicht. Es gebe derzeit kein biologisch abbaubares Material, das kommerziell in großem Stil anwendbar sei, sagt er.

Mehr: „Futury“ – Diese Initiative hat der Plastikflut den Kampf angesagt

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