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Amanda Mille Die Tochter von Richard Mille will Frauen für Luxusuhren begeistern

Erst seit viereinhalb Jahren arbeitet die Tochter des Firmengründers für die Uhren-Ikone. Die Managerin steht vor einer doppelten Herausforderung.
26.06.2019 - 18:12 Uhr 1 Kommentar
Für die Unternehmerin ist „Service der Schlüssel zum Luxus.
Amanda Mille

Für die Unternehmerin ist „Service der Schlüssel zum Luxus."

(Foto: Corentin Fohlen / Divergence / Studio X für Handelsblatt)

Paris Am kommenden Wochenende werden sie wieder durch den Park von Chantilly röhren und knattern: klassische Automobile wie ein Kompressor-Mercedes 300 SLR, der auf der Carrera Panamericana fuhr, oder Rennwagen von Ferrari und Maserati aus den 50er- bis 70er-Jahren.

Die Uhrenmarke Richard Mille organisiert das berühmte Oldtimer-Treffen „Arts & Elegance“, das viele Tausend Teilnehmer und Besucher in den Schlosspark nördlich von Paris lockt.

Stilvoll und sportlich geht es auch im Büro von Amanda Mille im Herzen von Paris zu: An den Wänden hängt Kunst, auf einer Stele ist das Modell eines Porsche 917 K ausgestellt, der 1970 die 24 Stunden von Le Mans gewonnen hat. Amanda sitzt im Board des Unternehmens, das ihr Vater Richard vor nicht einmal 20 Jahren gegründet hat. Er wollte Uhren anbieten, die ebenso technisch perfekt und exklusiv sein sollen wie ein Rennwagen.

Die Exklusivität ist gesichert: Mit knapp 4500 Exemplaren im Jahr verkauft Mille die Hälfte der Stückzahl von Ferrari. Die Preise sind ungefähr gleich, sie variieren zwischen 150.000 und deutlich über einer Million Euro. Exklusivität ist eines der Attribute von Luxusmarken, und Richard Mille nimmt das ernst – auch wenn die Zuwachsraten in den vergangenen Jahren mit je 15 Prozent beachtlich waren.

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    „Wir wollen ein begrenztes Wachstum“, versichert Amanda. In diesem Jahr werde die Rate vielleicht zum letzten Mal zweistellig sein. Die Firma wolle sich Zurückhaltung auferlegen, weil Topqualität und das Schritthalten der Produktion die obersten Gebote seien.

    „Manche unserer Stücke verlangen fünf bis sechs Jahre Entwicklung“, begründet die Tochter des Gründers, ältestes von sieben Kindern, die langsamere Gangart. Sie spricht stets nur von „Stücken“, nicht von „Uhren“, als wäre der Begriff zu banal für die Kreationen ihres Hauses.

    Erfahrungen in Dubai

    Sie ist erst vor viereinhalb Jahren zum Unternehmen gestoßen. Vorher führte sie ihr eigenes Luxusrestaurant und kümmerte sich mehr um Betriebe, in denen es vor allem um Dienstleistungen geht: „Service ist für mich der Schlüssel zum Luxus.“

    Dann habe ihr Vater ihr vorgeschlagen, „mich von Dubai aus vor allem um weibliche Kunden im Mittleren Osten zu kümmern – da hatte ich den Eindruck, dass ich etwas Eigenes beitragen kann.“ Seit acht Monaten ist sie zurück in Paris, doch die Erfahrung in der Region hat sie geprägt.

    Amanda ist keine der Erbinnen, deren Horizont am Ende des elterlichen Unternehmens endet. „Die Region interessiert mich als Frau, die dort mit anderen Frauen gearbeitet hat“, erläutert sie. Sie habe den Eindruck, „dass wir in Europa im Rückwärtsgang sind, während die Frauen im Mittleren Osten vorangehen“. Unsere Mütter hätten für Freiheiten gekämpft haben, deren wir uns nicht mehr richtig bewusst sind. Im Mittleren Osten dagegen stehe man am Anfang einer neuen Ära für die Frau.

    Deswegen habe diese Kundschaft sehr gut reagiert auf das, was die Marke ihnen biete. Eine Richard Mille am Handgelenk zu tragen drücke aus, dass man sein Leben in die Hand genommen hat. Ihre Uhren seien keine klassischen Stücke, seien nicht süßlich; eher seien sie voluminös, hätten viele Attribute, „die vielleicht manchen Frauen einen Schrecken einjagen“.

    Die in diesem Jahr erschienene Bonbon-Collection erweckt da mit ihren Marshmallow-bunten Zifferblättern allerdings einen anderen Eindruck. Amanda Mille verteidigt sie: Auch da habe man mit Spitzentalenten gearbeitet, nicht nur aus der Technik, sondern auch aus der Kunstszene.

    Unterstützung vom Vater

    Amanda Mille ist kein Mensch, der von seiner eigenen Bedeutung erfüllt ist. Sie wirkt unprätentiös, aber angenehm selbstsicher. Beim Gespräch sitzt kein PR-Mensch dabei, der auf die richtigen Botschaften achtet. Man nimmt es ihr ab, wenn sie sagt: „Papa hat mich nicht an die Hand genommen und mir gesagt: Das ist dein Weg.“ Den habe sie selbst gesucht.

    Vielleicht setzt der Gründer und Chef, von dem sie stets als „Papa“ spricht, gerade deshalb jetzt auf sie. Die Tochter ist vom Vater überzeugt: „Papa ist an die Grenze dessen gegangen, was technisch möglich ist, dabei hat er Risiken in Kauf genommen, deretwegen ihn andere für verrückt erklärt haben.“

    Doch genau damit liegt Richard Mille zurzeit voll im Trend. Auf dem Salon International de la Haute Horlogerie, der Leistungsschau der Uhrenbranche, haben im Januar zahlreiche Luxusmarken technische Höchstleistungen zu astronomischen Preisen präsentiert. So zeigte die Richemont-Marke Roger Dubuis in Kooperation mit Lamborghini eine Uhr namens „Excalibur One-Off“, ein Einzelstück für über eine Million Euro. Die Manufaktur Urwerk bot für rund drei Millionen Euro einen Zeitmesser mit mitgelieferter Atomuhr.

    Amanda will nicht darüber sprechen, wer irgendwann die Führung im Familienunternehmen übernehme, die Frage stelle sich aktuell nicht: „Papa ist zum Glück da, und wir haben viele Talente im Unternehmen, auch einige meiner Geschwister.“ Doch im Board sitzen sonst nur noch sie, Mitgründer Dominique Guenat und dessen Tochter Cécile, die sich vor allem um die Kollektion für Frauen kümmert. Amanda lacht, wenn man ihr sagt, dass in Familienunternehmen die dritte Generation oft alles verspiele. „Ja, das stimmt.“ Sie habe das Glück gehabt, dass ihre Eltern den Kindern Respekt vor der Arbeit beigebracht hätten.

    Verzicht auf Onlinehandel

    Richard Mille soll Richard Mille bleiben. Amanda hält es für völlig sicher, dass die Marke in der Familie bleibe. Dafür sei gesorgt, und das sei auch juristisch abgesichert. Das Potenzial der Marke trägt ihrer Ansicht nach weit – wie weit, das lässt Amanda offen. „Wir verbieten uns nichts“, sagt sie.

    Aber sie hält nichts davon, in ein paar Jahren Lederwaren oder Parfüm anzubieten. Im Luxusgeschäft gilt für sie der Grundsatz, den Respekt zu bewahren vor den großen Summen, die Menschen für ihre Käufe auf den Tisch legen. „Wir konzentrieren uns auf das, was wir gut machen, und bieten nicht egal was an – sonst nehmen unsere Kunden uns nicht mehr ernst“, formuliert sie ihre Leitlinie.

    Und sollte irgendwann doch eine andere Produktlinie als Uhren dazukommen, dann wäre das getrennt von Richard Mille. Anders als die meisten Luxushersteller zieht sie eine klare Trennlinie zum Onlinehandel. Wer 150 000 Euro für eine Uhr ausgebe, müsse das Wie und Warum der Marke verstehen.

    Die virtuelle Welt könne das nicht leisten, man müsse physisch in das Universum der Marke eintauchen, „dann kommt es zu dieser Alchemie zwischen unseren Kunden und dem Stück, auch wenn es letzten Endes nur die Zeit anzeigt“. An diesem Punkt muss sie selbst lachen, denn so kann man die „Stücke“ ja auch sehen: als mörderisch teure Zeitmesser.

    So gesehen wäre ein Formel-1-Rennwagen auch nur ein überteuertes Fortbewegungsmittel. Dennoch fasziniert die dahinterstehende Technik, ob alt oder modern, viele Menschen. Ob Lenkrad oder Uhrrädchen, die Begeisterung soll im Park von Chantilly wieder erlebbar sein.

    Mehr: Der französische Unternehmer Richard Mille über die kostbaren Uhren, die er unter seinem Namen verkauft, die Sinnlosigkeit von Marktforschung und Veränderungen im Geschäft mit den Superreichen.

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    1 Kommentar zu "Amanda Mille: Die Tochter von Richard Mille will Frauen für Luxusuhren begeistern"

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    • Das einzige deutsche Geschäft ist, wie könnte es auch anders sein in München, Maximilianstraße !

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