Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Andi Wieser Dieser Gründer will die Lebensmittelverschwendung bekämpfen

Mit einer B2B-Plattform für tierische und pflanzliche Nebenprodukte will Byprotex die Lebensmittelverschwendung eindämmen. Dafür bekommt Gründer Wieser viel Unterstützung.
18.02.2020 - 18:11 Uhr Kommentieren
Der Gründer von Byprotex will Nebenprodukte der Lebensmittelherstellung über seine Plattform vermitteln. Quelle: Xing
Andi Wieser

Der Gründer von Byprotex will Nebenprodukte der Lebensmittelherstellung über seine Plattform vermitteln.

(Foto: Xing)

Düsseldorf Globale Lebensmittelverschwendung ist ein politisch heikles Thema: Keiner findet es gut, dass jedes Jahr 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel weggeworfen oder verschwendet werden. Das ist die Zahl, die die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ermittelt hat. Das wären rund ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel und entspräche einem Wert von 990 Milliarden US Dollar. Dass es diese Zahlen überhaupt gibt, ist fast ein Wunder, denn der Markt ist in einigen Bereichen ausgesprochen intransparent.

Zu den ungenutzten Nahrungsmitteln zählen auch tierische und pflanzliche Nebenprodukte, die bei der Produktion von Molkerei- oder Wurstwaren sowie beim Bierbrauen anfallen. Milch- oder Molke-Proteine, Fette, Laktose, Treber, Fermentations-Substrate nennt man sie.

Bislang war es so, dass Makler solche Nebenprodukte zum Beispiel an Tier- oder Fischfutterhersteller, Biodieselproduzenten oder die Kosmetik- und Pharmaindustrie vermittelten. Mit hohen Margen, wie Andi Wieser weiß. Der 42-Jährige ist Gründer der B2B-Plattform Byprotex, die diesen Markt für tierische und pflanzliche Nebenprodukte transparent machen will.

Die Intransparenz, so sagt Wieser, führte bislang nicht nur zu hohen Margen für die Makler – nach seinen Angaben sind es zwischen fünf und 40 Prozent Aufschlag auf die Preise der Nebenprodukte. Sie erzeuge auch eine große Lebensmittelverschwendung, weil ein Großteil der Fette, Reste und Proteine letztlich dann doch keinen Abnehmer fanden und dann vernichtet werden mussten. „Nachhaltig war das nicht“, meint Wieser.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Seine Idee, die er mit drei weiteren Gründern und IT-Experten entwickelte: eine Plattform, die einen komplett transparenten Markt schafft – ohne Makler. „Das Geschäft ist bislang komplett undigitalisiert“, sagt Wieser.
    Man könnte meinen, dass er daher ganz in Ruhe seine Firma aufbauen könnte. Doch er macht ordentlich Druck. Denn nicht nur hierzulande arbeiten Marktteilnehmer an dem Thema.

    Auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos hatte der Vorstandschef des US-Agrarkonzerns Tyson Foods, Noel White, die „Coalition for Global Protein“ gegründet. Darin sollen sich Interessenvertreter der Lebensmittelbranchen, aber auch Wissenschaftler und Nichtregierungsorganisationen versammeln. Neben einer nachhaltigen Proteinproduktion soll dabei gleichfalls Lebensmittelverschwendung reduziert werden.

    Dass die Zeit drängt hat auch Business Angel Manfred Büche gleich erkannt, als Wieser vor rund sechs Wochen beim Verein der Aktiven Wirtschafts Senioren in Ebersberg vorstellig wurde. Das Thema Lebensmittelverschwendung ist ja derzeit viel in den Medien. „Ich habe mich vom Know-how und der Motivation vom Gründerteam um Herrn Wieser überzeugt.“ Man schaue immer auf die Unternehmer und sehe gleich ob einer das Zeug dazu hat: „Bei Herrn Wieser ist es vom Background her absolut gegeben.“

    Potenzielle Investoren stehen Schlange

    Büche, der früher Vorstand bei IBM war, unterstützt ihn nicht nur, weil ihn das Geschäftsmodell überzeugt, er begeistert sich auch für die gesellschaftliche Mission dahinter. Dass das Interesse an dem Thema groß ist, zeigt sich zudem an anderer Stelle: Normalerweise hätten die Wirtschaftssenioren immer ein Problem, Investoren für die Firmen zu finden, die sie begleiten. „Das ist bei Byprotex anders, das Start-up kann sich die Investoren aussuchen“, betont Büche. Tatsächlich laufen gerade erste Gespräche mit namhaften deutschen und internationalen Investoren. Wichtig ist dem Gründer, dass die Plattform unabhängig sein soll, daher sucht er ganz bewusst keinen strategischen Investor.

    Wiesers Ziel: „Den Transaktionsprozess entlang der Supply Chain möglichst vollständig zu automatisieren und dadurch den Nutzern Zeit und damit verbundene Kosten zu sparen.“ Zusätzlich will Wieser mit seinem Team eine Art Full-Service-Provider werden. Passende Logistiker, Versicherungen und Dokumentenservices sollen hinzukommen. Denn es ist keineswegs trivial diese Güter zu transportieren, wenn es sich zum Beispiel um Nebenprodukte von Schlachtereien handelt.

    Zu den ersten Kunden zählt die Berndt Group aus Oberding mit 30 Millionen Euro Umsatz. Unternehmenschef Rainer Berndt sieht in der Plattform großes Potenzial. Sein Unternehmen verarbeitet Nebenprodukte von Schlachtereien. „Dadurch können wir als Mittelständler künftig unsere Produkte weltweit ohne eine große Vertriebsmannschaft anbieten.“ Auch mit einer großen Molkerei laufen Gespräche, sagt Wieser.

    Ganz wichtig ist zudem die Transparenz der Anbieter. Die Unternehmen müssen in der Liste der EU-Kommission geführt sein und über eine Zulassung für den Handel mit den entsprechenden Produktarten verfügen, damit nichts falsch in den Kreislauf gerät wie bei BSE. Als Ursache des Rinderwahnsinns vermuten Forscher, dass pflanzenfressende Kühe mit tierischen Nebenprodukten gefüttert wurden.

    Die Politiker, die das Geschäftsmodell von Byprotex kennen, sehen echten Bedarf. Andreas Lenz, CSU, Vorsitzender des Beirats für nachhaltige Entwicklung sagt, „Wenn durch die Plattform Ressourcen gehoben werden, die sonst vernichtet würden, ist das ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit. Die Europaparlamentarierin Angelika Niebler, Vorsitzende der CSU-Europagruppe, die auch in mehreren Aufsichtsräten sitzt, hält das Geschäftsmodell betriebswirtschaftlich für gut und lobt, dass es den Zweck die Lebensmittelverschwendung einzudämmen, erfüllt. Mit dem Invest-EU-Programm wolle man ja genau solche Start-ups fördern.

    Mehr: Der Hype um Marken-Start-ups scheint verflogen. Vielen Gründern gelingt kein lukrativer Ausstieg.

    Startseite
    Mehr zu: Andi Wieser - Dieser Gründer will die Lebensmittelverschwendung bekämpfen
    0 Kommentare zu "Andi Wieser: Dieser Gründer will die Lebensmittelverschwendung bekämpfen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%